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Karin und Dr. Georg Bacmeister genießen es, morgens im Freibad Hagen ihre Bahnen zu ziehen. Seit 50 Jahren sind sie Frühschwimmer. Foto: t&w
Karin und Dr. Georg Bacmeister genießen es, morgens im Freibad Hagen ihre Bahnen zu ziehen. Seit 50 Jahren sind sie Frühschwimmer. Foto: t&w

Schwimmen ist ihr Lebenselixier — Seit 50 Jahren Stammgäste in Hagen

as Lüneburg. 3000 Lüneburger drängten ins Freibad Hagen, als es 1965 mit einem großen Fest eingeweiht wurde. Die Honoratioren sprachen von einer „Krone der Bäder“ und davon, dass Lüneburg nun eine Stadt des Badens sei. Beim Eröffnungssprung waren Dr. Georg Bacmeister, seine Ehefrau Karin und die Kinder zwar nicht dabei, doch sie begrüßten es sehr, dass die freibadlose Zeit in Lüneburg ein Ende hatte. Seit 50 Jahren ist das Ehepaar der Einrichtung als Frühschwimmer treu geblieben egal, ob die Sonne scheint, es aus Kübeln gießt oder die Temperaturen im Keller sind.

1962 zog die Familie von Celle nach Lüneburg, wo Dr. Georg Bacmeister mehr als drei Jahrzehnte für die Handwerkskammer Lüneburg-Stade tätig war, 16 Jahre lang als Hauptgeschäftsführer die Handwerkspolitik mitprägte. „Als wir herkamen, gab es nur das Hallenbad. Nicht unser Fall, denn wir baden immer nur in der Saison. Schließlich esse ich ja auch nicht im Hochsommer Grünkohl“, sagt er mit einem Augenzwinkern. Mit seiner Frau Karin sitzt er auf der Terrasse ihres Hauses, umgeben von einem prächtigen Garten. Dort wird gefrühstückt, wenn sie vom Frühschwimmen nach Hause kommen. Das Haus haben sie erworben, nachdem Dr. Bacmeister in den Ruhestand ging. Entscheidend für die Wahl: die Nähe zum Freibad Hagen. „Es liegt nur vier Minuten zu Fuß entfernt, wir fahren aber mit dem Rad über die Straßen dorthin und sind in zwei Minuten da“, berichtet Karin Bacmeister. Für das Ehepaar, das Mitte 80 ist, ist das Abtauchen ins frische Nass ein Lebenselixier auch wenn sie seit diesem Jahr etwas kürzer treten. Gesundheit sei ein Geschenk, das man pflegen müsse, sportliche Ertüchtigung trägt wesentlich dazu bei, wissen sie und sind bestes Beispiel dafür, dass Schwimmen ganzheitlich fit hält.

Die Gesundheit ihrer sechs Kinder im Blick hatten die Bacmeisters auch, als es ab Mitte der 60er-Jahre immer geschlossen ins Freibad Hagen ging. Kurz vor 6.30 Uhr fanden sie sich an der Pforte ein. Im Auto streifte der Nachwuchs schon die Badesachen über, „weil jeder als erster vor anderen Besuchern im Wasser sein wollte“, erzählt Georg Bacmeister. Dass ihre Kinder alle schwimmen lernten, hatte aber auch einen weiteren Grund. „Wir wohnten zuerst am Bürgergarten, direkt am Lösegraben. Für Kinder, die Nicht-Schwimmer sind, eine große Gefahr, wenn sie am Uferbereich rumtollten und womöglich drohten, ins Wasser abzurutschen.“ Aber nicht jeder Zögling war aufs nasse Element versessen. „Meine Frau wollte dem Ulli das Schwimmen beibringen, doch der war total wasserscheu.“ Lautstark tat der Junge am Beckenrand kund, dass er davon gar nichts halte. Doch Geschwister können ja vielfältig eine Stütze sein. Liebevoll begleiteten sie ihn Stufe für Stufe ins Nicht-Schwimmerbecken, wo er dann dank der Mama schnell und zügig lernte. Punkt 7 Uhr, das war ein „festes Maß“, verließ die Truppe das Bad, um rechtzeitig zur Arbeit und in die Schule zu kommen. Die Kinder zog es auch am Nachmittag ins Bad, auch um Freunde zu treffen. Die Firma Scholze habe Eis verkauft, das beste weit und breit, erinnern sich die Eltern.

In den ersten Jahrzehnten habe es Familien- und Jahreskarten gegeben, die seien günstig gewesen, wenn Eltern und Kinder regelmäßig ins Freibad wollten, sagt Dr. Bacmeister. „Irgendwann kam die Punktekarte. Auch da baden wir noch zum halben Preis im Verhältnis zur Tageskarte. Es ist schon toll, dass es in Lüneburg so eine Einrichtung gibt, deren Betrieb mit erheblichen Kosten verbunden ist.“

Nachdem die Kinder aus dem Haus waren und der Ruhestand ein bisschen mehr Zeit ließ, tauchen die beiden Frühschwimmer immer erst ab 7.15 Uhr oder auch später ab. Denn dann ist schon ein bisschen weniger Betrieb im Becken. Die, die dort ihre Bahnen ziehen, sind eine eingeschworene Gemeinde. Viele kennen sich seit langem, auch Bacmeisters Nachbarn gehören dazu. Die Stimmung ist immer gut, auch wenn die Außentemperaturen im Keller sind „da muss man halt den inneren Schweinehund in die Ecke drücken“, ist die Devise des Ehepaars. Ein fröhliches Guten Morgen empfängt die Ankömmlinge, beim Bahnenziehen ergibt sich mancher Plausch. 20 bis 25 Minuten üben die Bacmeisters inzwischen ihren Frühsport aus. Danach wird abwechselnd kalt und warm geduscht, das härtet nicht nur ab, sondern macht auch gute Laune für den ganzen Tag.

Immer neue Attraktionen

Einst wurde das Freibad Hagen von der Stadt betrieben, inzwischen wird es gemeinsam mit der Salztherme Lüneburg (SaLü) und dem Sportbad von der Kurzentrum Lüneburg Kurmittel GmbH getragen.

Als es 1965 eröffnet wurde, gab es ein Nichtschwimmer- und ein Schwimmerbecken. 1994 wurde das Freibad komplett renoviert, unter anderem wurde die gesamte Wassertechnik erneuert. Seitdem gibt es neben Schwimmer- und Nichtschwimmer- noch ein Planschbecken.

Alle Attraktionen in und an den Becken wie der Wasserpilz, die Wasserkanonen und die Breitrutsche wurden ebenfalls im Jahr 1994 installiert. Die Spielgeräte „an Land“ werden je nach Bedarf erneuert, 2015 wurde eines der beiden Beachvolleyballfelder zu einem Beachsoccerfeld umgestaltet.