Aktuell
Home | Lokales | Amelinghausen | Amelinghausen: Hochseilgarten vor Abwicklung

Amelinghausen: Hochseilgarten vor Abwicklung

dth Amelinghausen. „Spaß und Nervenkitzel erleben Sie im Hochseilgarten in den Bäumen am Lopausee“, pries die Samtgemeinde Amelinghausen einst den Kletterpark der Firma Maxwood an. Der Spaß in den Wipfeln klang allerdings bereits im vergangenen Jahr aus, und der Nervenkitzel mag sich jetzt vor allem hinter den Kulissen einstellen, wenn Betreiber und Kommune über das vorzeitige Ende des Pachtvertrags für das Gelände verhandeln. Das sei aber nur eine Option, versichert der Maxwood-Inhaber gegenüber der LZ, der namentlich nicht genannt werden möchte. Er sagt: „Die Option, dass ein möglicher Nachfolger den Hochseilgarten übernehmen könnte, ist mittlerweile sehr unrealistisch geworden.“ Zumal ohne Änderung des Bebauungsplans eine alternative Nutzung kaum drin wäre, dort nicht einmal ein Minigolfplatz errichtet werden dürfte.

Dass künftig zumindest unter dem Unternehmens-Dach Maxwood dort kein Kletterbetrieb mehr stattfinde, begründet der Firmensprecher so: „Als wir 2006 in Amelinghausen begonnen haben, basierte unser Geschäftsmodell auf drei Säulen: Tagesgäste, Teamtrainings und Unternehmens-Events. Mittlerweile hat sich unser Schwerpunkt auf die letzten beiden Punkte verlagert. Für uns lohnt sich das Geschäft mit Tagesgästen einfach nicht mehr.“

Zwar waren in den vergangenen Jahren immer wieder Mitarbeiter-Gruppen von Konzernen wie Unilever, Airbus bis Intersoft durch die Bäume des Lopauparks gekraxelt, versuchten sich aber zunehmend im gemeinschaftlichen Floßbau, Bogenschießen oder Kanupolo. Der Hochseilgarten selbst wurde immer uninteressanter für das sich wandelnde Geschäftsmodell und damit auch der Standort Amelinghausen.

Vor gut zweieinhalb Wochen etwa führten die Maxwood-Macher Teamtrainings in Travemünde durch. Darüber hi­naus lässt sich Kanupolo auch auf der Mecklenburgischen Seenplatte spielen, Events genauso in der Schweiz oder sonst wo durchführen. Der Maxwood-Sprecher sagt: „Es war oft schwierig, große Unternehmen davon zu überzeugen, nach Amelinghausen zu kommen. Es fehlt an Unterkünften für größere Gruppen, Konferenzsälen und Ähnlichem. Jetzt fahren wir zu den Wunschorten der Unternehmen.“

Hinzu kommt: „Ein Trainer, der Tagesgäste im Hochseilgarten begleitet, muss wie ein Bergführer sein. Im Umgang mit großen Kunden brauche ich aber Prozesstrainer, Psychologen bis hin zu Erlebnispädagogen.“ Die kann er sich nun flexibel dazubuchen. Die Fixkosten für den Hochseilgarten mit sechs Parcours, Seilrutschen und 96 Hindernissen in bis zu 18 Metern Höhe sind zum Klotz am Bein geworden.

Zudem habe in den vergangenen zwölf Monaten der Vandalismus zugenommen, immer wieder fänden sich Alkoholflaschen in der dazugehörigen Holzhütte, „als hätte dort jemand eine Abi-Abschiedsfeier abgehalten“. Hinzu kämen Beschädigungen an Stahlseilen und Netzen. Aus Sicherheitsgründen wurde mittlerweile der Zugang zu den höheren Ebenen der Kletter-Plattformen versperrt, damit niemand auf dumme Gedanken kommt.

Auf LZ-Nachfrage bestätigt Amelinghausens Ordnungsamtsleiter Michael Göbel, dass es Verhandlungen mit dem Betreiber über die Zukunft des Pachtvertrags gibt, hält sich aber sonst bedeckt, sagt nur soviel: „Unser Ziel ist es, dass wir uns im Laufe des Augusts handelseinig werden.“

Vorreiter im Landkreis war einmal

Den Betrieb hatte der Hochseilgarten Amelinghausen als erster seiner Art im Landkreis Lüneburg 2006 aufgenommen, auf dreieinhalb Hektar Fläche im Mischwald aus Kiefern, Buchen, Birken und Eichen mit zunächst fünf Parcours und über 65 Hindernissen. Gegner, die eine Verschandelung der Landschaft im Lopaupark befürchteten, konnten sich nicht durchsetzen.

So war seinerzeit die Mehrheit in der Kommunalpolitik von der Belebung des Tourismusgebietes angetan. Für Schlagzeilen sorgten neben zwei Unfällen in der Startphase auch Überlegungen, mit Hilfe von Absprungtürmen eine Seilrutsche quer über den angrenzenden Lopausee zu spannen.

Diese Pläne wurden allerdings nie verwirklicht. Aber der Park wuchs im Kern, erweiterte auf sechs Parcours mit unterschiedlichem Schwierigkeitsgrad. Erwachsene wie Kinder konnten ganzjährig in luftiger Höhe ihre persönlichen Grenzen austesten. Nun ist der Betrieb selbst an seine Grenzen gestoßen.