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Fritz Fehlhaber (88) vor den Trümmern seiner Scheune in St. Dionys. Foto: dth
Fritz Fehlhaber (88) vor den Trümmern seiner Scheune in St. Dionys. Foto: dth

100 Jahre alte Scheune in St. Dionys — „Abreißen und weg“

dth St. Dionys. Zwar hat er an der mehr als 100 Jahre alten Scheune gehangen, doch an Wiederaufbau denkt Eigentümer Fritz Fehlhaber nicht. „Was soll ich denn damit?“, fragt der 88-Jährige, hebt die Schultern und schaut etwas nachdenklich auf die Trümmer und verkohlten Holzbalken. „Ich habe eine Firma für den Abriss beauftragt“, sagt der ehemalige Inhaber des damals gleichnamigen Gasthauses in St. Dionys. Glatt und schier soll das Grundstück werden, mit dem Segen des Niedersächsischen Landesamtes für Denkmalpflege. Die denkmalgeschützte Scheune aus dem 19. Jahrhundert war Anfang Juli ein Raub der Flammen geworden. Die Brandermittlungen sind abgeschlossen. Jetzt soll die Ruine weg.

Fritz Fehlhaber hatte Glück im Unglück, sein Privathaus steht keine zehn Meter von der alten Scheune entfernt und blieb dank des beherzten Eingreifens der Freiwilligen Feuerwehr unbeschadet. Er wollte am Abend des 3. Juli gerade zu Bett gehen, sagt er, als er das Knallen der zerspringenden Eternitplatten hörte, die auf der einen Dachhälfte der Scheune in der Gluthitze nachgaben. „Als wenn jemand mit Mörsern geschossen hätte“, erinnert er sich. „In dem Moment waren schon die ersten Menschen an der Tür, um mich in Sicherheit zu bringen.“ Rund 130 Feuerleute waren im Einsatz, um ein Übergreifen der Flammen zu verhindern. Nur das Denkmal konnten sie nicht retten. Fehlhaber hat es jetzt seit Wochenbeginn schriftlich.

In einem Brief des Landesamtes für Denkmalpflege an Fehlhaber heißt es: „Ich gebe Ihnen davon Kenntnis, dass aufgrund des Brandes das Objekt Scheune … als Teil einer Gruppe baulicher Anlagen aus dem Verzeichnis der Kulturdenkmale Baudenkmale gestrichen worden ist.“ Damit ist der Weg frei für den Abriss, erzählt Fehlhaber erleichert, während er auf der Gartenbank vor seinem Haus sitzt. Die komplette Hof­einfahrt ist doppelt und dreifach mit Bauzaun und Trassierband abgesperrt bis zur Straße. Aus Sicherheitsgründen, die Scheunenwand könnte schließlich einstürzen. Dafür mussten Besucher bis zum Postboten die vergangenen Wochen den Umweg quer durch Fehlhabers Garten machen, um sein Haus zu erreichen. „Jetzt bin ich es auch allmählich leid.“ Wenn die Scheunen-Ruine demnächst abgerissen wird, hat Fehlhaber auch seine Einfahrt wieder.

Zuletzt hatte der St. Dionyser Architekt Udo Barth für einen Erhalt der übriggebliebenen Bausubstanz geworben. Das niedergebrannte Hofgebäude war bislang eines von mehreren Modulen in Barths „Vision 2020“ von der Entwicklung eines Golfresorts St. Dionys. Doch bereits vor dem Brand waren die ersten Kauf-Avancen gegenüber Fehlhaber nicht von Erfolg gekrönt und der 88-Jährige hält auch nach dem Brand daran fest: „Abreißen und weg.“

Die Brandursache konnte abschließend nicht zweifelsfrei geklärt werden. Polizeisprecher Kai Richter sagt: „Wir halten allerdings Brandstiftung als Ursache für eher unwahrscheinlich.“ Auch eine Entzündung etwa durch ein defektes Stromkabel konnte nicht belegt werden. Richter: „Eine mögliche Brandursache könnte die anhaltende Trockenheit und die starke Sonneneinstrahlung gewesen sein.“ Durch das stellenweise löchrige Dach teils mit Reet, teils mit Eternitplatten gedeckt könnten sich Metallgegenstände im Inneren derart erhitzt haben, dass sich Stroh oder Staub entzündet haben könnten. Laut Polizeisprecher Richter hatte „der Brand offenbar im Inneren schon lange geschwelt“, bis von der Hitze sogar die Eternitplatten am Haus abgesprengt wurden und das Feuer durch den zusätzlichen Sauerstoff weiter angefacht wurde, bis nur noch die Ruine übrig blieb.