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Das Hanseviertel wächst rasant. Im östlichen Teil entstehen überwiegend mehrgeschossige Bauten. Für neue Einfamilienhäuser hat die Stadt ein Areal am Ebensberg im Visier. Foto: t&w
Das Hanseviertel wächst rasant. Im östlichen Teil entstehen überwiegend mehrgeschossige Bauten. Für neue Einfamilienhäuser hat die Stadt ein Areal am Ebensberg im Visier. Foto: t&w

Wie Lüneburg mit den Tücken des Wachstums umgeht (Teil 1)

as/ahe Lüneburg. Während manche Städte in den kommenden 20 Jahren immer mehr Einwohner verlieren werden, sind Großstädte wie Hamburg und Kommunen wie Hannover und Lüneburg weiter auf Wachstumskurs. 14 Prozent mehr Einwohner als heute soll Lüneburg laut einer aktuellen Studie im Jahr 2035 haben (LZ berichtete). Die positive Prognose wirft aber auch Fragen auf, wie sich die Stadt aufstellen muss, um künftig mehr Einwohnern Raum bieten zu können. Die Verwaltung bezieht Stellung zu den drängendsten Fragen. Im ersten von zwei Teilen geht es heute um die Themenbereiche Wohnen, Bildung und Wirtschaft.

Im Alter länger in  der eigenen Wohnung bleiben

Der demografische Wandel hat zur Folge, dass es mehr ältere Mitbürger geben wird. Statt Alten- und Pflegeheim wünschen sich viele alternative Wohnformen und Betreuungsmöglichkeiten. Welche Pflöcke schlägt die Stadt dazu ein?

In Lüneburg leben 74 122 Einwohner (Stand 31.12.14). Zuzüge und Wegzüge führen im Schnitt zu einem jährlichen Zuwachs von etwa 600 Personen. 23,3 Prozent der Bevölkerung sind über 60 Jahre alt, das sind 17 265 Personen. Sowohl durch den demografischen Wandel als auch durch das Bevölkerungswachstum ergibt sich ein Bedarf an Wohnraum, der unterschiedliche Anforderungen an das Wohnen stellt. Singlewohnungen für junge Menschen werden ebenso benötigt wie finanzierbarer Wohnraum für ältere alleinstehende Frauen und Männer. Diese Bandbreite berücksichtigt die Verwaltung in den städtebaulichen Planungen und unterstützt alternative Wohnformen, etwa durch die Bereitstellung von Flächen. Die Stadt engagiert sich zusammen mit der Lüwobau für die Schaffung von bezahlbaren, seniorengerechten und barrierefreien  Wohnungen. Neueste Planungen hierzu gibt es beispielsweise im Speicherquartier. Zusätzlich trägt das Informationssystem über den Senioren- und Pflegestützpunkt dazu bei, dass die pflegerischen und sozialen Betreuungssysteme eng zusammenarbeiten. Das fördert ein längeres Verbleiben der Menschen in ihrem Wohnraum. In allen Stadtteilhäusern und im Senioren- und Pflegestützpunkt gibt es Freizeitangebote für Senioren.

Foto: t&w
Foto: t&w

Potenzial für Neubauten noch im Hanseviertel und am Ebensberg

Schon heute ist Wohnraum knapp, zumal, wenn er bezahlbar sein soll. Gibt es genug Flächen, um weitere Wohnungen bauen zu können? Wo soll und kann Lüneburg noch wachsen?

Neue Wohnbauflächen stehen kurz- bis mittelfristig im Ilmenaugarten und im Hanseviertel-Ost mit dem Speicherquartier umfangreich zur Verfügung. In beiden Gebieten findet eine Innenentwicklung auf ehemaligen Bahn- beziehungsweise Kasernenflächen statt. Insgesamt können hier 123 000 Quadratmeter Bauland bereitgestellt werden, davon im Hanseviertel und Speicherquartier mindestens 30 Prozent im Sozialen Wohnungsbau – Landes- und Bundesförderung vorausgesetzt. Weitere neue Flächen auch für Einfamilienhäuser werden im gesamten Stadtgebiet durch Umnutzung und Nachverdichtung bestehender Baugebiete entstehen. Entsprechende Bebauungspläne sind teilweise bereits im Aufstellungsverfahren. Die Entwicklung eines größeren neuen Baugebiets ist nördlich des Ebensbergs geplant. Dort sind jedoch noch Fragen zur Anbindung und Erschließung sowie zu Eingriffen in Natur und Landschaft zu klären.

Gründung innovativer Unternehmen fördern

Laut Studie ziehen Menschen nur dahin, wo sie auch Arbeit finden. Mit welchen Schwerpunkten wird der Wirtschaftsstandort ausgebaut?

Die Stadt Lüneburg ist ein Wirtschaftsstandort, der vor allem durch mittelständische Unternehmen des verarbeitenden Gewerbes geprägt ist. Die Produkte dieser Unternehmen sind international handelbar. Insofern können die Unternehmen und der Wirtschaftsstandort von den Wachstumsmärkten der Welt direkt oder indirekt, über Exporte oder Liefer- und Leistungsverflechtungen, profitieren. Hierbei ist Wissen und das Know-how der Mitarbeiter der wichtigste Produktionsfaktor.

Innovationsaufwendungen und -erfolge sind im verarbeitenden Gewerbe deutlich höher als in anderen Branchen. Dabei sind insbesondere mittelständische Unternehmen auf professionelle Dienstleister aus den Bereichen Forschung/Entwicklung, Ingenieurtechnik, Informations-/Kommunikationstechnik, Marketing/Vertrieb, Recht und Steuern angewiesen.

Auch soziale und kulturelle Dienstleistungen werden künftig an Bedeutung gewinnen, um qualifizierten Fachkräften ein attraktives Umfeld zu bieten. Ein Schwerpunkt bei den infrastrukturellen Voraussetzungen für Wachstum und Ansiedlung von Unternehmen des verarbeitenden Gewerbes und unternehmensnaher Dienstleister ist die Förderung von innovativen Unternehmensgründungen und die aktive Vernetzung der Unternehmen am Standort, um Markttrends frühzeitig zu erkennen, qualifizierte Fachkräfte zu gewinnen und Wachstumschancen gemeinsam zu nutzen. Durch qualifizierte Antrags- und Genehmigungsverfahren und eine aktive Wirtschaftsförderung entsteht ein positives Investitionsklima, das weiterhin zur Schaffung von wohnortnahen Arbeitsplätzen führt.

KinderbetreuungWunsch nach mehr ganztägiger Kita-Betreuung

Lüneburg braucht bei einem bleibenden Zuzug mehr Plätze für die Kinderbetreuung? Wo könnten Kitas wachsen oder neue entstehen? 

In den vergangenen Jahren sind Krippenplätze für ein- bis dreijährige Kinder sowohl bei den städtischen Einrichtungen als auch bei den freien Trägern entstanden. Unterstützt durch Förderprogramme von Bund, Land und Landkreis stieg die Anzahl von 92 im Jahr 2005 über 284 im Jahr 2010 auf 619 aktuell. Zusammen mit den Angeboten der Tagespflege kann die Stadt so ein Angebot schaffen, das die Nachfrage deckt. 50 Prozent aller Kinder im Krippenalter werden betreut.

Auch die Versorgung der Drei- bis Sechsjährigen ist gesichert. Der Bedarf nach ganztägiger Betreuung ist deutlich gestiegen, die „Halbtagskita“ ist ein Auslaufmodell geworden. Das beweisen Statistiken. Die Zahl der Kita-Plätze ist zwischen 2005 und 2015 von 1980 auf 2116 Plätze gestiegen, die Zahl der Ganztagesplätze im selben Zeitraum aber von 451 auf 856 Plätze, das sind mehr als 40 Prozent aller Kitaplätze.

Soweit neue Baugebiete entstehen, werden auch die entsprechenden Einrichtungen für eine Kinderbetreuung vorgesehen, zum Beispiel am Ebensberg. Die neue Kita im Hanseviertel wurde kürzlich eingeweiht. Ein weiterer neuer Standort könnte in freiwerdenden Gebäudeteilen der ehemaligen Schlieffenkaserne an der Bleckeder Landstraße sein.

Das Johanneum soll ausgebaut werden, damit die jetzige Außenstelle aus dem Schulzentrum Kaltenmoor auch an die Theodor-Heuss-Straße ziehen kann. Foto: be
Das Johanneum soll ausgebaut werden, damit die jetzige Außenstelle aus dem Schulzentrum Kaltenmoor auch an die Theodor-Heuss-Straße ziehen kann. Foto: be

Anbau statt Neubau lautet das Motto bei den Schulen

Müssen nicht auch neue Schulen gebaut werden, zumal es schon heute gerade an den Gymnasien im Stadtgebiet so eng ist, dass Container über Jahre als Unterrichtsräume herhalten müssen?

Nein, es müssen keine neuen Schulen errichtet werden. Die Zahl der einzuschulenden Schüler wird bis circa 2020 konstant hoch bleiben. Danach wird der demografische Trend zum Tragen kommen und den Zuzugsgewinn der Stadt relativieren. Die Zahl der insgesamt in der Stadt zur Verfügung stehenden Klassenräume ist ausreichend.

Mobile Klassenräume oder Außenstellen fangen mittelfristige Spitzen an dem einen oder anderen Standort auf. Durch die Einrichtung der gymnasialen Oberstufe an der IGS Lüneburg wird ein Neubau am Johanneum erforderlich. Damit muss die Außenstelle der 5. und 6. Klassen des Johanneums an den Hauptstandort des Gymnasiums herangeführt werden. Voraussichtlich werden die notwendigen Räume bis zum Sommer 2017 fertig sein.

 

One comment

  1. Interessant ist auch mal die Haltung der Stadt bezüglich einer Sportförderung bei wachsender Bevölkerung. Wie passt es da ins Bild, dass ein Sportgelände wie im Wilschenbruch mit 3 Sportplätzen und entsprechenden Anlagen einfach zum Bauland umgewidmet wird und abgerissen wird ohne eine neue innerstädtische Sportanlage in Planung zu haben? Wir haben jetzt schon einen Mangel an Sportplätzen. Wer war die treibende Kraft für diese Entwicklung?