Aktuell
Home | Lokales | Bardowick | GfA-Technik am Zuckerhut
Rottetechnik aus Lüneburg soll mithelfen, das Müllproblem in Brasilien in den Griff zu bekommen. Die GfA hat eine Pilotanlage nach Jundiaí verkauft, mit der die Brasilianer jetzt experimentieren. Foto: nh
Rottetechnik aus Lüneburg soll mithelfen, das Müllproblem in Brasilien in den Griff zu bekommen. Die GfA hat eine Pilotanlage nach Jundiaí verkauft, mit der die Brasilianer jetzt experimentieren. Foto: nh

GfA-Technik am Zuckerhut

kre Bardowick. Brasilien hat ein Müllproblem: Aber eines, das die aufstrebende Wirtschaftsmacht am Zuckerhut nun nachhaltig angehen will und die GfA in Bardowick hilft den Brasilianern dabei. Schließlich hat der kommunale Abfallentsorger bereits jahrelange Erfahrung mit der sogenannten Mechanisch-Biologischen Abfallbehandlung kurz MBA genannt. Eine Technik, für die sich nun auch die Brasilianer interessieren. Im Frühjahr dieses Jahres lieferten die Bardowicker eine Pilotanlage in die 500000 Einwohner zählende Stadt Jundiaí.

Wie sehr das Thema Abfall, Abfalltrennung, -vermeidung und Ressourcenschonung die Menschen in Brasilien umtreibt, zeigt sich auch daran, dass in Jundiaí eigens ein großer Kongress zu genau diesem Thema mit mehr als 600 Teilnehmern stattgefunden hat. „Umweltkongress zur Abfallverwertung Brasilien/Deutschland“, lautete das Motto des Symposiums, federführend organisiert von der Technischen Universität (TU) Braunschweig. „Neben Vertretern brasilianischer Kommunen waren auch Anbieter europäischer Firmen dabei“, berichten GfA-Vorstand Hubert Ringe und sein Mitarbeiter Jörn Isenberg.

Neue Technik fasziniert: Deshalb packen selbst Politiker und Sekretäre in Brasilien mit an, die Müllsäcke aufzureißen und zu zerkleinern, um die Pilotanlage damit zu füttern. Foto: nh
Neue Technik fasziniert: Deshalb packen selbst Politiker und Sekretäre in Brasilien mit an, die Müllsäcke aufzureißen und zu zerkleinern, um die Pilotanlage damit zu füttern. Foto: nh

Müllverbrennung kommt für die Brasilianer nicht in Frage. Entsprechende Anlagen seien zu teuer, die Überwachung durch entsprechende Aufsichtsbehörden nicht gewährleistet.
Bereits im Mai hatten sich die Vertreter aus Jundiaí während ihres Besuchs auf dem Deponiegelände in Bardowick von der Arbeitsweise der MBA-Anlage überzeugt und die Vereinbarung über eine Kooperation mit den Bardowickern unterzeichnet (LZ berichtete).

Und so funktioniert das Prinzip der Mechanisch-Biologischen Abfallbehandlung: Der angelieferte Siedlungsabfall wird auf Transportbänder geladen. Über ein Siebverfahren werden Stör- und Wertstoffe wie Metalle und Kunststoffe, Plastik, Holz und Pappe, aber auch Steine aussortiert. Der Rest wandert in große Container. Abgeschlossene Behälter, die nach einem ausgeklügelten System bewässert und belüftet werden. Insgesamt 120 dieser Container stehen in einer Halle der GfA, in denen die Siedlungsabfälle von rund 170000 Bürgern aus Stadt und Kreis behandelt werden.

Entwickelt hat diese patentierte Technik GfA-Mitarbeiter Jörn Isenberg. 14 Tage fressen sich Bakterien durch den Müll, sorgen für den Abbau organischer Bestandteile durch Kompostierung, so dass am Ende die Container nur noch zu etwa zwei Dritteln befüllt sind. Danach geht der Inhalt für acht bis zehn Wochen in die sogenannte Nachrotte. Der so aufbereitete, erdartige Abfall kann dann auf der Deponie gelagert werden.

In Bardowick funktioniert diese Technik prima, auf der Deponie in Jundiaí müssen die Brasilianer beim Betrieb des Pilot-Containers allerdings noch einige Probleme aus dem Weg räumen. So werden zurzeit noch die angelieferten Abfallsäcke von Hand aufgerissen und zerkleinert Arbeiten, die in Bardowick mechanisch erledigt werden.

„Importe werden mit hohen Zöllen belegt.“ GfA-Geschäftsführer Hubert Ringe

Aus gutem Grund: Damit die Anlage optimal arbeiten kann, müssen die Abfallstoffe eine gewisse Größe haben. „Von Hand lässt sich das nur schwer bewerkstelligen“, stellt Isenberg fest. Auch die Tag/Nacht-Temperaturunterschiede sind für den Rotte-Prozess in der Pilotanlage wenig zuträglich. Die Baktererien mögen gerne gleichbleibend warme Temperaturen. Dafür sorgt eine große Halle in Bardowick, in der die Container stehen. In Brasilien dagegen steht die Pilotanlage im Freien nur durch ein Dach geschützt.

Probleme, die die Brasilianer beim ersten Probebetrieb aber erkannt haben: „Beim nächsten Durchgang wollen auch sie den Müll automatisch sieben und zerkleinern“, berichtet Isenberg.
Für die Mechanisch-Biologische Abfallbehandlung sprechen aus Sicht der Brasilianer auch die landeseigenen Steuergesetze: „Importe werden mit hohen Zöllen belegt“, berichtet Ringe.
Wenn aber die Brasilianer später in Lizenz die Container selbst bauen, könnte sich die Technik für sie rechnen. Und für die Umwelt allemal.