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Stau in Lüneburg – ein alltägliches Bild. Die Stadt aber findet: Insgesamt ist der Verkehr gut im Fluss. Foto: A./t&w
Stau in Lüneburg – ein alltägliches Bild. Die Stadt aber findet: Insgesamt ist der Verkehr gut im Fluss. Foto: A./t&w

Nur Umstieg hilft gegen Kollaps — Wie Lüneburg mit den Tücken des Wachstums umgeht (Teil 2)

as/ahe Lüneburg. Während manche Städte in den kommenden 20 Jahren immer mehr Einwohner verlieren werden, sind Großstädte wie Hamburg und Kommunen wie Hannover und Lüneburg weiter auf Wachstumskurs. 14 Prozent mehr Einwohner als heute soll Lüneburg laut einer aktuellen Studie im Jahr 2035 haben (LZ berichtete). Die positive Prognose wirft aber auch Fragen auf, wie sich die Stadt aufstellen muss, um künftig mehr Einwohnern Raum bieten zu können. Die Verwaltung bezieht Stellung zu den drängendsten Fragen. Im zweiten und letzten Teil geht es heute um den Themenkomplex Infrastruktur mit Verkehrsströmen, Einkaufszentren und Gewerbeflächen.

Schon heute sind die Hauptverkehrsadern zu Spitzenzeiten oft dicht. Wie will die Stadt den zusätzlichen Verkehr lenken, ohne dass es zum Dauer-Infarkt kommt?

Lüneburg ist eine wachsende Stadt und wird es auf absehbare Zeit bleiben. Im innerstädtischen Bereich wird zunehmend in den ÖPNV sowie in den Ausbau von Rad- und Fußwegen investiert. Damit wird dieser Bereich nach Ansicht der Stadt vom Auto-Verkehr entlastet. Dadurch fließt der Verkehr nach Auffassung der Verwaltung insgesamt in Lüneburg gut, auch wenn wir auf Grund von historischen Gebäuden räumlich begrenzt sind, was den Ausbau von Straßen angeht. Bedingt durch neue Baugebiete im Landkreis drängt zusätzlicher Verkehr in die Stadt. Auch dieser muss durch weiteren ÖPNV-Ausbau reduziert werden, das ist Sache des Landkreises.

Straßen zu verbreitern und damit zum Beispiel Grünflächen zu reduzieren, ist für uns keine Lösung. Unser Ziel ist es, den Verkehrsfluss über Ampeln zu steuern. Dass der Verkehr insgesamt im Fluss bleibt, ermöglicht die Steuerung über den Verkehrsleitrechner, über den Grünphasen im Stadtgebiet verändert werden können wie Anfang Februar für die Ampelschaltung an der Schießgrabenstraße/Willy-Brandt-Straße. Kommen Neubauviertel hinzu, wie das Hanseviertel, werden im Rahmen der Bebauungspläne auch Verkehrsgutachten erstellt als Grundlage für unsere Planungen. Zusätzlich setzt Lüneburg auf kurze Wege. Unser Ziel in Lüneburg ist es, dass es eine wohnortnahe Versorgung gibt, damit die Bürger möglichst viel zu Fuß, mit dem Rad oder auch mit dem Bus erledigen können. Die Rad-Quote beträgt zurzeit 25 Prozent – Tendenz steigend.

Hoffen auf Förderung

Sämtliche Maßnahmen für die künftige Infrastruktur kosten Geld. Wie will die Stadt das stemmen? Das Land hat ihr bei der jetzigen Etat-Genehmigung schon ins Buch geschrieben, dass aufgrund der hohen Investitionen weiter mit einem Anstieg der Gesamtverschuldung zu rechnen ist.

Die Stadt setzt ihre finanziellen Planungen langfristig an, plant seit Jahren vorausschauend mit einem Mehrjahresprogramm. In diesem werden Gewichtungen und Prioritäten festgelegt, die wir eng mit dem Innenministerium abstimmen. Ein Fokus ist der Bereich Bildung. In der Vergangenheit hat die Stadt bewiesen, dass sie Planungen wirtschaftlich umsetzt, wie bei der neuen Musikschule und bei der Bahnhofserweiterung. Zusätzlich achtet die Stadt darauf, andere Finanzierungsmöglichkeiten zu nutzen, etwa EU-Mittel, Städtebauförderung, GVFG-Mittel oder Kreisschulbaukasse. Ein Beispiel hierfür war die Kulturbäckerei. Einen Investitionsstau gibt es in allen deutschen Kommunen. Zusätzliche Bundesmittel sind angekündigt.

Neues Rad-Parkhaus am Bahnhof und Erweiterung des Klinikums

Halten andere Einrichtungen und Anlaufstellen, angefangen vom Bahnhof, über die verschiedenen schon heute oft überlaufenen Einkaufszentren und Parkhäuser bis hin zum Klinikum dem steigenden Zustrom stand?

Zum Bahnhof: Täglich pendeln etwa 8000 Personen von Lüneburg nach Hamburg, um dort zu arbeiten. Jeweils 1000 kommen mit dem Auto oder zu Fuß. Der größte Teil (62,5 Prozent) kommt mit dem Bus. 1000 Pendler kommen mit dem Fahrrad. Für alle Pendler, aber auch die Tagesbesucher und Touristen hat die Stadt die entsprechende Infrastruktur geschaffen. Der Bahnhof wurde 2012/2013 zum zweiten Mal innerhalb von zehn Jahren erweitert. Sechs neue Haltestellen sind am Zentralen Omnibus-Bahnhof (ZOB) hinzugekommen, so dass es nun insgesamt 18 Haltemöglichkeiten gibt. Inzwischen stehen am Bahnhof zwei Fahrradhäuser zur Verfügung, demnächst soll ein drittes hinzukommen – alles in allem mehr als 2100 Abstellmöglichkeiten. Dazu kommt das Fahrradleihsystem, 60 Stadträder stehen an sechs verschiedenen Standorten in der Stadt zur Verfügung.

Zu den Einkaufszentren: Der gesamte Einzelhandel im „Kaufhaus Lüneburg“ ist auf einen Einwohner- und Kundenzuwachs ausgerichtet. Die Fortschreibung des „Einzelhandelsentwicklungs- und Zentrenkonzepts“ aus 2011 geht von 78 000 Einwohnern aus und einem Kundenpotenzial von mehr als 218 000 Personen. Veränderungen in der Bevölkerungsprognose oder in den Standortstrategien sind natürlich jederzeit möglich und werden in weiteren Planungen aufgegriffen, wie es beispielsweise für das östliche Stadtgebiet im vorigen Jahr passiert ist. Auslöser waren die Entwicklung im Hanseviertel und Umstrukturierungen im Nahversorgungszentrum Kaltenmoor.

Zu den Parkhäusern: Grundsätzlich können die Parkhäuser der Stadt die benötigten Stellplätze für Autos gut abdecken und auch einen steigenden Bedarf auffangen. In den von der Stadt verwalteten Parkhäusern stehen folgende Stellplätze zur Verfügung: 508 im Parkhaus Rathaus, 672 im Parkhaus Bahnhof, 625 im Parkhaus Lünepark und 568 im Parkhaus Klinikum. Die durchschnittlich höchste Auslastung hat das Pendlerparkhaus am Bahnhof. Zu Spitzenzeiten können Autofahrer auf das nicht weit entfernte Parkhaus Lünepark ausweichen. Dort und auch im Parkhaus Am Rathaus gibt es in aller Regel viele freie Plätze. Lediglich an den Sonnabenden vor Weihnachten kann es hier mal eng werden. Im Klinikum haben wir ganzjährig noch deutlich Luft, im vergangenen Jahr waren dort maximal 326 Stellplätze belegt. Prognosen besagen außerdem, dass Carsharing, ÖPNV, Mitfahrzentralen und der Fahrradverkehr weiter an Bedeutung gewinnen werden. Die Zahl der Autos in der Stadt wird voraussichtlich also nicht parallel zur Bevölkerung steigen. Wir sind kontinuierlich dabei, in die verkehrliche Infrastruktur zu investieren. Erst kürzlich haben wir beispielsweise einen neuen Radweg eingeweiht (Wittenberger Bahn – Brücke am Wasserturm), ein neues Fahrradparkhaus eröffnet und Brücken saniert.

Zum Klinikum: Tatsächlich stößt das Städtische Klinikum derzeit an Kapazitätsgrenzen. Durch den Erweiterungsbau sind jedoch die Weichen für eine Ausweitung gestellt. Das Land sowie das Städtische Klinikum in Trägerschaft der Stadt investieren derzeit etwa 39 Millionen Euro.

A39-Planung bremst Erweiterung bestehender Gewerbegebiete

Wo ist noch Potenzial für weitere Gewerbeflächen – abgesehen vom Areal der Theodor-Körner-Kaserne, dessen Freigabe noch nicht absehbar ist?

Für die Entwicklung neuer Gewerbeflächen sollen der östliche Bereich des neuen Hanseviertel-Ost sowie ein zweiter Abschnitt des Gewerbegebiets Bilmer Berg bereitgestellt werden. Zwischen der geplanten Wohnbebauung im Hanseviertel und der Ostumgehung ist die Entwicklung von etwa sechs Hektar Gewerbegebiet vorgesehen. Die Erweiterung des Gewerbegebiets Bilmer Berg nach Osten könnte bis zur geplanten Trasse der A 39 cirka 40 Hektar Gewerbeflächen umfassen. In beiden Fällen wurden Aufstellungsbeschlüsse für Bebauungspläne gefasst und Verhandlungen mit den Eigentümern eingeleitet. Allerdings ist in beiden Fällen auch das derzeit laufende Planfeststellungsverfahren für die A 39 zu berücksichtigen, das eine abschließende Überplanung autobahnnaher Flächen noch nicht ermöglicht. Darüber hinaus stehen noch kleinteiligere Gewerbeflächen im Zusammenhang der bestehenden Gewerbe- und Industriegebiete Bilmer Berg, Hafen und Vrestorfer Heide zur Verfügung.