Donnerstag , 8. Dezember 2016
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Für die Paddler ist noch genug Wasser in der Elbe, für größere Schiffe wird es immer schwieriger. Foto; t&w
Für die Paddler ist noch genug Wasser in der Elbe, für größere Schiffe wird es immer schwieriger. Foto; t&w

Die Elbe sinkt und sinkt und sinkt

emi/kre/off Lüneburg. Die erste Elbfähre hat das Niedrigwasser in der Elbe bereits lahm gelegt. Und auch die große Dresden-Fahrt des Raddampfers „Kaiser Wilhelm“ ist wegen der niedrigen Pegelstände gefährdet. Schon seit Februar ist es in Deutschland deutlich zu trocken, eine Konsequenz: Die Elbe führt immer weniger Wasser. Damit die Pegelstände wieder steigen, „muss es über Tage lange und ausdauernd regnen“, sagt Gerhard Lux vom Deutschen Wetterdienst. Wann das so weit sein wird, ist ungewiss. Noch sinken die Pegelstände der Elbe täglich weiter mit ganz unterschiedlichen Auswirkungen.

Fähren
Die „Tanja“, die normalerweise zwischen Darchau und Neu Darchau übersetzt, hat bereits den Betrieb eingestellt. Damit die Fähre gefahrlos die Elbe passieren kann, muss der Pegelstand in Neu Darchau bei mindestens 85 Zentimetern liegen. Gestern betrug er nur noch 76 Zentimeter. Die „Amt Neuhaus“ verkehrt dagegen weiterhin zwischen Bleckede und Neu Bleckede. Doch wie lange noch, kann Schiffführer Jörg Wilhelm nicht sagen, er beurteilt die Lage von Tag zu Tag. In Betrieb ist auch noch die Fahrradfähre „Elbe“ bei Hitzacker.
Zu denen, die der Ausfall der Neu Darchauer Fähre Tanja besonders hart trifft, gehört Rainer Kastens aus Radegast. Der Landwirt hat einen Teil seiner Äcker auf der anderen Elbseite in Neu Bleckede und Neu Wendischthun, arbeitet dort außerdem für andere Bauern als Lohnunternehmer. „Momentan muss ich regelmäßig rüber, um die Felder zu bestellen.“ Doch mit seinen landwirtschaftlichen Maschinen ist er für die „Amt Neuhaus“ zu schwer, „uns bleibt also nichts anderes, als über Lauenburg zu fahren“, sagt er. Das dauert pro Fahrt mindestens eine Stunde, kostet zusätzlichen Sprit „und belastet auch die ohnehin schon marode Brücke in Lauenburg“.

Schifffahrt
Die Leiterin des Wasser- und Schifffahrtsamtes (WSA), Bettina Kalytta, spricht von einer „außergewöhnlichen Situation, weil wir schon eine sehr lange Niedrigwasserzeit haben und die Güterschifffahrt oberhalb von Lauenburg zum Erliegen gekommen ist.“ Der Bereich von Artlenburg bis Hohnstorf sei durch das Stauwehr in Geesthacht beeinflusst, deshalb sei die Situation dort unproblematisch. Oberhalb von Lauenburg hätten derzeit aber selbst größere Sportboote Schwierigkeiten. „Am Pegel Neu Darchau wurde gestern mit 76 Zentimetern der bisher niedrigste Wert der letzten 20 Jahre unterschritten“, sagt Kalytta. Zuletzt lag der Pegel im Jahr 2003 mit 78 Zentimetern ähnlich niedrig. „Selbst zum bisher niedrigsten bekannten Wasserstand von 67 Zentimetern im Jahr 1947 ist es nicht mehr allzu weit.“
Die Wochenendfahrten mit dem Raddampfer „Kaiser Wilhelm“ zwischen Lauenburg und Bleckede finden planmäßig statt. Schlecht sieht es bei den niedrigen Wasserständen hingegen für die große Dresden-Fahrt des „Kaiser Wilhelm“ aus. Eigentlich sollte der historische Raddampfer am 25. August in Lauenburg aufbrechen, um an den Ort seiner Entstehung zurückzukehren. „Die Rückreise ist schon ausgebucht“, sagt Wolfgang Herbst von der Flusslandschaft Elbe GmbH. „Momentan gehe ich allerdings davon aus, dass das wohl nichts wird.“ Ganz aufgeben will Herbst die Hoffnung allerdings nicht. „Vielleicht kommt ja doch noch irgenwie genügend Wasser in die Elbe.“

Flora und Fauna
Größere Probleme, zum Beispiel Fischsterben, sind dem Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) bislang nicht bekannt, weder aus der Elbe noch aus kleineren Flüssen der Region, wie etwa der Ilmenau. Laut Tobias Keienburg von der Biosphärenreservatsverwaltung Elbtalaue gibt es aber in den Nebengewässern der Elbe, den sogenannten Bracks, Probleme: „Sie sind schon teilweise trockengefallen“, sagt er. „Einige Fische, die dort leben, etwa Moderlieschen, Stichling und Karausche, verenden. Davon profitieren aber wiederum zum Beispiel Seeadler, Störche und Milane, die jetzt mehr Nahrung finden.“ Diese Entwicklung sei „langfristig nicht katastrophal, sondern im Rahmen der normalen Dynamik der Auenlandschaft“. Fast überall entlang der Elbe ragen derzeit Sandbänke aus dem Wasser. „Einige Pflanzen, die darauf wachsen, gedeihen jetzt besonders schnell und gut, beispielsweise Elbspitzklette und Elbeliebesgras“, weiß Keienburg.

Fischerei
Probleme macht das Niedrigwasser Elbfischer Eckhard Panz aus Hohnstorf. „Durch die Schleuse in Geesthacht, die wie ein Damm wirkt, ist die Elbe momentan wie ein großer Stausee“, sagt er, „das heißt, es herrscht so gut wie keine Strömung und die Fische schwimmen überall herum, auch mitten im Fluss.“ Seine klassischen Fangstellen, etwa im strömungsarmen Uferbereich, sind derzeit deshalb wenig erfolgsversprechend. „Die Fische sind schwerer zu finden.“ Hinzu kommt, dass durch den niedrigen Wasserstand viele Nebengewässer abgeschnitten sind, „sodass die Fische, die abwandern wollen, quasi gefangen sind.“