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Es ist ihr liebstes Mutter-Tochter-Projekt: der Obst- und Gemüsegarten. Seit 20 Jahren bewirtschaften Lilli Vornekahl und Tochter Silke die 1500 Quadratmeter Land gemeinsam. Foto: t&w
Es ist ihr liebstes Mutter-Tochter-Projekt: der Obst- und Gemüsegarten. Seit 20 Jahren bewirtschaften Lilli Vornekahl und Tochter Silke die 1500 Quadratmeter Land gemeinsam. Foto: t&w

Zwischen Himmel und Beeten — ein Garten für drei Generationen

off Hittbergen. Die Luft zwischen den Beeten riecht nach Sommerregen, inmitten grüner Gemüsepflanzen leuchten orangefarbene Ringelblumen in der Morgensonne. Lilli Vornekahl steht neben den Blaubeersträuchern, pflückt ein paar reife Früchte und steckt sie sich genüsslich in den Mund. Im Gesicht der 78-Jährigen macht sich ein schelmisches Klein-Mädchen-Lachen breit. Bevor sie weitergeht, greift sie noch einmal in die Blaubeersträucher. „Naschen gehört im Garten dazu“, sagt sie. Und ­Lilli Vornekahl muss es wissen. Fast ihr ganzes Leben baut sie ihr eigenes Obst und Gemüse an seit 20 Jahren mit Tochter Silke. In Hittbergen bestellen sie gemeinsam mehr als 1500 Quadratmeter, ein Garten von und für Generationen.

Aus den Ringelblumen macht Lilli Vornekahl Salbe und Tinktur, feste Bestandteile ihrer Hausapotheke. Fotos: t&w
Aus den Ringelblumen macht Lilli Vornekahl Salbe und Tinktur, feste Bestandteile ihrer Hausapotheke. Fotos: t&w

Möhren und Zucchini, Mirabellen und Pflaumen, Haferwurzeln, Pastinaken und Rote Beete: Fast 50 verschiedene Obst- und Gemüsesorten wachsen in dem Hittberger Bauerngarten, geerntet wird von Mai bis Dezember. Was nicht sofort gegessen wird, wird konserviert. „Entweder im Glas oder im Gefrierschrank“, sagt Silke Rabeler. Was die Natur ihnen schenkt, ernährt sieben Leute und drei Generationen: Lilli Vornekahl und ihren Mann Hans-Otto, Silke Rabeler, Ehemann Carsten, Schwiegervater Ernst und die beiden Kinder Fabian und Marie. Doch der Garten ist für Mutter und Tochter nicht nur Nahrungsquelle. „Er tut der Seele gut“, sagt die 78-Jährige. „Und er hält fit.“

Kleine Setzlinge in die neuen Beete versenken, die frische Erde an den Händen spüren, den Duft von Kräutern genießen, selbst gepflückte Beeren naschen Gartenarbeit ist ein Erlebnis für alle Sinne. Und selbst Bundeskanzlerin Angela Merkel bekennt auf ihrer Internetseite: „Ich bin eine leidenschaftliche Gärtnerin und ziehe in meinem Garten mein eigenes Gemüse.“

Im Gewächshaus gedeihen ein gutes Dutzend verschiedene Tomatensorten, außerdem Gurken und Kräuter.
Im Gewächshaus gedeihen ein gutes Dutzend verschiedene Tomatensorten, außerdem Gurken und Kräuter.

Für Lilli Vornekahl gehörte der Garten immer dazu, das eigene Obst und Gemüse ernährte die Familie, Kartoffeln oder Bohnen im Supermarkt kaufen, „das kam nicht in Frage“. Heute müsste sie nicht mehr gärtnern, trotzdem verbringt sie in der Saison jeden Nachmittag mit Unkraut jäten, ernten, pflanzen, säen. „Ohne Garten würde mir was fehlen“, sagt sie. Außerdem braucht ihre Tochter sie, um die Arbeit auf den 1500 Quadratmetern zu schaffen. Von Anfang an war der Garten ein Mutter-Tochter-Projekt und ein Terrain, auf dem sich die beiden blind verstehen.

Als Silke Rabeler zu ihrem Mann auf den Hof zog, war ihre Schwiegermutter bereits gestorben, der einst üppige Gemüsegarten lag brach. Dann zogen ihre Eltern aus Jürgenstorf mit auf den Hof, Mutter und Tochter packten zusammen an und entwickelten den Garten jedes Jahr ein bisschen weiter.

Heute wachsen dort neben modernen auch viele alte Obst- und Gemüsesorten. Haferwurzel zum Beispiel, „die schmeckt so ähnlich wie Schwarzwurzeln, nur nussiger“, sagt Silke Rabeler. Oder Mieze Schindler, „eine ganz alte Erdbeersorte“. Auch an ungewöhnlichen Dingen versucht sich die 49-Jährige. Etwa an Meerkohl, ein Strandgemüse, von dem ähnlich wie beim Spargel nur die jungen, gebleichten Sprossen gegessen werden. „Ich probiere gerne Neues aus“, sagt sie. Mal mit mehr, mal mit weniger Erfolg. Die violetten Kartoffeln zum Beispiel sahen zwar wunderbar aus, „fanden aber bei den Herren im Haus nur wenig Anklang.“

Was nicht sofort gegessen wird, wird konserviert. Im Keller des Bauernhauses stehen aufgereiht die eingemachten Kostbarkeiten.
Was nicht sofort gegessen wird, wird konserviert. Im Keller des Bauernhauses stehen aufgereiht die eingemachten Kostbarkeiten.

Ein Leben ohne Gemüsegarten? Für Lilli Vornekahl und Tochter Silke undenkbar. „Obst und Gemüse aus dem eigenen Garten schmecken einfach besser“, sagt sie 78-Jährige. Außerdem gebe es kaum Schöneres, als mit der Tochter und manchmal auch der Enkeltochter zu säen und zu ernten. In ihrem Garten von und für Generationen.