Aktuell
Home | Lokales | Für den Studienplatz zählt jetzt jeder Punkt
Großer Andrang vor dem Hörsaal: Die Bewerber für einen Studienplatz an der Lüneburger Universität stellen sich dem Aufnahmeverfahren. Dabei können sie verlorenen Boden gutmachen, wenn das Abitur nicht so überragend ausgefallen ist. Foto: tt
Großer Andrang vor dem Hörsaal: Die Bewerber für einen Studienplatz an der Lüneburger Universität stellen sich dem Aufnahmeverfahren. Dabei können sie verlorenen Boden gutmachen, wenn das Abitur nicht so überragend ausgefallen ist. Foto: tt

Für den Studienplatz zählt jetzt jeder Punkt

tt Lüneburg. Der Andrang ist groß: Weit mehr junge Frauen und Männer wollen in Lüneburg studieren als die Universität Plätze zur Verfügung hat. Für die Hochschule eine komfortable Situation, sie kann sich die besten Bewerber aussuchen. Und dabei schielt die Leuphana anders als andere Universitäten nicht bloß auf die Noten im Abi­turzeugnis. Sie will sich auch einen persönlichen Eindruck von den Kandidaten verschaffen. In dieser Woche fand das Auswahlverfahren für die Studienanfänger statt, die ab Oktober in Lüneburg ein Studium beginnen wollen.

Das Verfahren bietet die Chance, abseits guter Noten Eindruck zu hinterlassen. Neben einem obligatorischen zweieinhalbstündigen schriftlichen Auswahltest bittet die Leuphana in den Umweltwissenschaften und zur Lehramtsausbildung sogar zu einer Gruppendiskussion und einem persönlichen Gespräch.

Die Bewerberzahlen seien seit Jahren anhaltend gut, berichtet Stefanie Lüdtke, Referentin für das Auswahlverfahren am Leuphana College. „Es gab mehr als 11000 Bewerbungen auf die 1450 Studienplätze im Bachelor“, erzählt Lüdtke. Das Verfahren, das die Leuphana seit Jahren bei der Aufnahme anwendet, wurde stets weiterentwickelt, erläutert Lüdtke, „dieses Jahr beispielsweise durch eine Online-Evaluation“. Außerdem werde momentan als Langzeitstudie das Verhältnis des Auswahltests auf den Studienerfolg untersucht. Desweiteren habe man in den verangenen Jahren erlebt, dass Personen, die den Test erst einmal absolviert hatten, überdurchschnittlich oft ihren Studienplatz annähmen.

Das Prozedere: Grundsätzlich kann jeder Bewerber durch die Abiturnote einen bis 30 Punkte sammeln. Eine 1,0 im Abi gibt 30 Punkte, eine 1,5 verschafft 25 Punkte und eine 3,0 entsprechend 10 Punkte. Durch den Test hat jeder Bewerber noch einmal die Möglichkeit, bis zu 15 Zähler zusätzlich zu sammeln und so die eigene Punktzahl zu verbessern.

Doch neben den mittlerweile etablierten Strukturen gibt es auch jedes Jahr Neuerungen. Diesmal beispielsweise zum ersten Mal einen englischsprachigen Test. Dieser sei für die englischsprachigen Studiengänge „Digital Media“ und „International Business Administration & Entrepreneurship“ geplant. Besonders im dritten Teil des Tests, dem Sprachgefühl, sei der Test eine besondere Herausforderung, ist Lüdtke sicher. Man habe dafür eigens einen neuen Test anfertigen lassen und sei nun auf erste Erfahrungen gespannt. Auch der Studiengang „Psychologie (Grundlagen)“ wird im Wintersemester zum ersten Mal angeboten und lockt Bewerber aus ganz Deutschland an die Leuphana.

Die LZ hat vier Bewerber befragt

5635878Ein gutes Gefühl habe sie, sagt Chiara Hafner, als sie den Hörsaal nach dem Test verlässt. Die 20-Jährige aus Schenefeld hat sich auf den neuen Studiengang International Business Administration & Entrepreneurship beworben und musste das Auswahlverfahren deshalb auf Englisch absolvieren. Das habe es zwar „etwas erschwert“, aber es sei dennoch „machbar“ gewesen. Durch ihr Jahr als Au-pair in Amerika direkt nach dem Abitur habe sie noch etwas mehr Sprachgefühl aufbauen können, was ihr zugute kam. Teilweise habe sie dadurch „einfach nach Gefühl anworten“ können, habe nicht lange nachdenken müssen.

 

5635879Claas Brehling hat sich auf einen Platz im Studiengang Volkswirtschaftslehre beworben. Der 21 Jahre alte Elmshorner findet das Modell des Tests „auf jeden Fall interessant“ und war beruhigt, dass man seine Punktezahl lediglich verbessern, nicht aber verschlechtern konnte. Er habe sich gefordert, aber nicht überfordert gefühlt. Claas Brehling ist zwar „größtenteils zufrieden“, aber einige knifflige Aufgaben seien dazwischen gewesen. Trotz eines durchwachsenen Gefühls nach dem Test kommt er zu einem positiven Urteil: „Es hat Spaß gemacht.“

 

5635888Nach dem Abitur war Ricarda Brinker ein Jahr in Costa Rica. Die 20-Jährige hat sich auf den neu geschaffenen Studiengang Psychologie (Grundlagen) beworben. „Der Test hat mir gut gefallen.“ Vorbereitet habe sie sich, indem sie im Internet Beispielaufgaben löste. „Ich finde es grundsätzlich sehr gut, dass so ein Test geschrieben wird. Gerade bei Psychologie habe ich viele Absagen bekommen, da nur das Abitur zählte. Da finde ich das System hier viel besser.“ Den Zulassungstest mal mitzuschreiben, könne sie auch als Erfahrung nur jedem empfehlen.

 

5635881Georg Knigge kommt ursprünglich aus Frankfurt am Main. Nach einem Jahr im Ausland hat er schon einmal ein Studium in Freiburg begonnen. Das habe er abgebrochen, um „jetzt in den Norden zu ziehen“. Er hat sich für einen Platz im Studiengang Psychologie (Grundlagen) beworben. Ihm gefiel der Test „sehr gut“, und er freut sich über die „riesen Gelegenheit“. Der Test sei eine „absolut optimale Situation, um seine Zulassungspunkte zu verbessern“. Man müsse zwar einen Tag investieren, und auch gerade nach dem Test merke man, wie alles von einem abfalle, doch das Schreiben des Tests könne ja „nur helfen“.

 

One comment

  1. freiburg ist ein hartes pflaster. lüneburg dagegen butterweich. kein wunder also, dass es soviele sind, die es lieber weich haben.