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Der Kreistag hat zwar die Brückenplanungen eingestellt, doch damit wollen sich viele Bürger nicht abfinden: Gestern demonstrierte der Brückenbauverein am Fähranleger in Bleckede für die Realisierung des Milionen-Projekts. Foto: phs
Der Kreistag hat zwar die Brückenplanungen eingestellt, doch damit wollen sich viele Bürger nicht abfinden: Gestern demonstrierte der Brückenbauverein am Fähranleger in Bleckede für die Realisierung des Milionen-Projekts. Foto: phs

„72 Prozent vergessen nicht“– Demonstration des Brückenbauvereins am Fähranleger

kre Bleckede. Trecker-Blockade, wütende Demonstranten, markige Sprüche: Am Fähranleger in Bleckede haben Karl-Heinz Hoppe und die Mitglieder des Brückenbauvereins gestern der Mehrheit des Lüneburger Kreistages eindrucksvoll bewiesen das Thema Brücke ist noch lange nicht zu den Akten gelegt. Dem jüngsten Kreistagsbeschluss zum Trotz, die Planungen einzustellen (LZ berichtete). Denn zeitgleich auf beiden Seiten der Elbe haben Brückenbau-Anhänger für eine knappe Stunde die Zufahrt zur Fähre „Amt Neuhaus“ blockiert. „Alle Räder stehen still, wenn der Brückenbauverein es will“, denkt sich wohl so mancher Autofahrer, der eine Zwangspause einlegen muss. Doch so paradox diese Aktion im ersten Augenblick auch aussieht mit der Blockade wollen die Brückenbau-Befürworter für das genaue Gegenteil eintreten: Freie Fahrt für freie Bürger. Und endlich die Vollendung der deutschen Einheit auch im Landkreis Lüneburg.

Fährausfall wegen Hochwasser, Eisgang oder Maschinenschaden das kennen die Bürger beidseits der Elbe zur Genüge: Dass die Neu Darchauer Fähre „Tanja“ aktuell wegen Niedrigwasser den Betrieb einstellen muss, ist eine neue Situation. Und in Bleckede laufen bereits die Wetten, wie lange noch die Fähre „Amt Neuhaus“ genügend Wasser unterm Kiel hat, bevor auch sie vor Anker gehen muss.

„Das ist doch alles kein Zustand“, schimpft eine Lüneburgerin, die eigentlich mit der Fähre übersetzen wollte, sich nun aber in die Reihen der Demonstranten stellt. „Die Mehrheit der Bürger im Landkreis war doch für die Brücke“, wundert sie sich. „Warum wird dann nicht endlich gebaut?“ Noch drastischere Worte findet Edda Krüger aus Marienau: „Das ist doch alles ein Witz, die Politiker verarschen uns nur“, sagt sie und setzt nach: „Das dürfen Sie ruhig so schreiben. Und meinen Namen auch.“

Dass es daran liegt, dass die Brücke immer teurer wird, der Kreis deshalb einen Rückzieher gemacht hat, dieses Argument lässt Karl-Heinz Hoppe als Vorsitzender des Brückenbauvereins nicht gelten. Wie er das sieht, hat er groß auf sein Protest-Plakat geschrieben: „Die Brücke scheitert nicht am Geld nur der Wille des Landrats zählt.“ Der grüne Gruppenpartner der regierenden SPD im Land und im Kreis wolle die Brücke nicht. „Deshalb wird sie auch nicht gebaut“, ist CDU-Politiker Hoppe überzeugt: „Was der Landkreis hier macht, ist ein Verbrechen an der Menschheit“, greift er zu pathetischen Worten. So etwas gehöre bestraft.

An den beiden Fähranlegern und wohl nicht nur dort sind die Menschen der festen Überzeugung, dass das Brückenprojekt immer noch zu wuppen ist. Hoppe schürt diese Hoffnung, spricht von Finanzierungsmöglichkeiten, um die sich der Landkreis nicht gekümmert habe. 20 Milliarden Euro Überschüsse würden etwa im Fonds Deutsche Einheit stehen. Dass das Projekt der Einheit die Brücke der Herzen ganz profan am Geld gescheitert sei, mit diesem Argument muss Hoppe keiner kommen. „72 Prozent irren nicht, 72 Prozent vergessen nicht“ steht auf den Plakaten, die die Demonstranten in die Kameras halten: Die 72 Prozent, die sich bei der Bürgerbefragung im Kreis für den Bau der Brücke ausgesprochen hatten, so die Hoffnung des Brückenbauvereins, könnten nun der Kreistagsmehrheit bei der Kommunalwahl 2016 die rote Karte zeigen.

„Nur mit einem Regierungswechsel wird das noch was mit der Brücke“, ist Wilhelm Kruse aus Dahlenburg überzeugt. Aufgeben? Das Wort kennt der gebürtige Neuhäuser nicht. „Auf keinen Fall!“, sagt er kämpferisch. Und dann rechnet er vor: Jeden Tag, an dem die Menschen große Umwege fahren müssen, weil die Fähren mal wieder nicht fahren, werden zehn bis zwölf Tonnen CO2 zusätzlich in die Luft geblasen“. Mit dem Bau der Brücke könnte diese Belastung minimiert werden“, sagt Kruse.

Klaus Koopmann von den Waldmärkern würde auch lieber heute als morgen seine Lkw über die Elbbrücke bei Darchau schicken. ,,Wir setzen jährlich rund 250000 Festmeter Holz um, rund 180000 Festmeter davon transportieren wir nach Hagenow und Wismar“, sagt er. Käme die Brücke, könnte das Unternehmen jährlich rund 80000 Euro einsparen. Eine echte Hausnummer im knallharten Holzgeschäft.

Den ehemaligen Bleckeder Stadtbrandmeister Wilhelm Warner treibt eine andere Sorge um: Nachdenklich schaut er aufs Wasser und sagt: „Wenns brennt, wird die Elbe ohne Brücke wieder zur Grenze!“

5 Kommentare

  1. ich verstehe das nicht, die elbe führt kaum noch wasser und es wollen immer noch menschen da eine brücke. in bardowick ist man auch durch eine furth gegangen , nachdem ein esel den weg gezeigt hat.

    • Vielleicht kommt ja Manfred Nahrstedt demnächst vorbeigeeilt und wirft sich für den Rest des Sommers der Länge nach in die faulig rinselnde Plürre, so dass über ihn hinweg wenigstens die Damen trockenen Fußes auf die andere Seite gelangen. Oder meinen Sie, das könnte seiner Frisur schaden?

  2. „….. ist ein Verbrechen an der Menschheit.“ Was hat CDU-Hoppe geraucht?

  3. Knud Hasselfeld

    Organisieren einer Blockade und dann im Kommentar noch ein Fehlgriff bezüglich Verbrechen an der Menschheit. Was darf sich KHH noch alles erlauben?
    Unterste Schublade. Weiterhin sollten nicht 72% herangezogen werden. Es gab 3 Ergebnisse, lieber „kre“ – 1. Zustimmung, 2. Ablehnung, 3. Ablehnung, wenn der Kostenrahmen nicht eingehalten wird