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Entwickler Michael Linden mit einem Regal, das ohne Schrauben und Dübel, sondern mit der Kraft der Magneten (siehe kleines Foto) zusammenhält. Foto: t&w
Entwickler Michael Linden mit einem Regal, das ohne Schrauben und Dübel, sondern mit der Kraft der Magneten (siehe kleines Foto) zusammenhält. Foto: t&w

Vindorfer entwickelt magnetisches Möbel-Montagesystem

kre Boitze. Vindorf? Wo bitte schön soll das denn sein? Wo sich Fuchs und Hase gute Nacht sagen? Michael Linden sind solche Kommentare nicht fremd er hört sie spätestens, wenn er dem einen oder anderen Lkw-Fahrer den Weg zu seinem Anwesen erklären muss. Ein ehemaliges Gehöft idyllisch gelegen. Nichts von außen erinnert daran, dass hier eine kleine Revolution auf dem Möbelmarkt ausgetüftelt wurde.

Keine Schrauben mehr, keine Dübel, auch kein Leim! Damit zusammenhält, was zusammengehört, setzt Michael Linden auf die Kraft der Magneten. Klingt genial einfach ist es auch, wenn man weiß, wie es funktioniert. Doch bis es soweit war, bis Michael Linden und sein Team ihre Idee zum Patent anmelden konnten, war es ein weiter Weg.

Michael Linden steht in seiner Werkstatt, es riecht angenehm nach Holz: Jahre hat der Inhaber der Firma Tavar hier an der perfekten Technik gefeilt, dabei auch so manchen Rückschlag hinnehmen müssen: „Schauen Sie mal“, sagt der Mönchengladbacher, der 2000 nach Vindorf in die Samtgemeinde Dahlenburg gezogen ist der Liebe wegen. Aus einem Werkstatt-Regal zieht der Erfinder eine Kiste hervor, greift hinein und präsentiert seine ersten Werkstücke: Holzstäbe, die durch Bohrungen geschoben werden müssen. ,,Völlig ungeeignet“, stellt der Unternehmer fest und räumt lächelnd die Kiste zurück.

In den Leisten steckt das Geheimnis der Möbel-Innovation aus Vindorf: Denn neben Nut und Feder halten Magneten die Möbel fest zusammen. Foto: t&w
In den Leisten steckt das Geheimnis der Möbel-Innovation aus Vindorf: Denn neben Nut und Feder halten Magneten die Möbel fest zusammen. Foto: t&w

Auch Verbinder mit Klett und Flausch bekannt vom Schließsystem bei Jacken etwa überzeugten den Perfektionisten nicht. „Alles Werkstücke aus der Experimentierphase“, sagt der Vindorfer. Aber erkennbar ist bei diesen Werkstücken bereits, wohin die Reise gehen sollte. Ein weiteres Geheimnis der ungewöhnlichen Möbel sind nämlich die Leisten aus Bergahorn mit absolut auf den Zehntel-Millimeter gefräster Nut- und Feder. Zusammen mit den Magneten, die in den Leisten und den Regalplatten plan versenkt werden, garantieren sie die Stabilität der Möbel, die komplett ohne Werkzeug nach dem Baukastensystem zusammengesteckt werden können.

Dieses Verfahren bietet viele Vorteile: ,,Es gibt kein vorne und hinten, kein oben und unten, kein rechts und links“, sagt der Vindorfer, „die Platten und Verbinder können in jeder Richtung aufgebaut werden.“ Möbelbau der fast unbegrenzten Möglichkeiten.

Und weil nicht geschraubt und geleimt, können die Regale und Schränke beliebig oft auf-, ab und wieder aufgebaut werden, ohne dass die Haltbarkeit darunter leidet. Auch Umbauten oder der Austausch einzelner Möbel-Platten lassen sich ohne große Probleme erledigen. Uns ist Nachhaltigkeit ganz wichtig. Bei den verwendeten Materialien genauso, wie bei der Produktion“, erklärt Linden die Firmenphilosophie. Deshalb arbeite sein Unternehmen wo immer möglich, auch mit heimischen Unternehmen. „Kurze Wege bedeuten weniger Energieverbrauch und weniger Schadstoffe. Das ist gut für Klima und Umwelt“, sagt der Möbelbauer und fügt stolz hinzu: ,,Unser Produkt ist komplett Made in Germany“.

Und vom TÜV Rheinland auf Haltbarkeit, Qualität und Sicherheit geprüft worden. Auch wegen der verbauten Magneten müsse niemand Sorge haben. „Wir haben eigens eine Magnetfeld-Messung in Auftrag gegeben,“ sagt der Firmenchef und beruhigt: ,,Man kann gefahrlos seine Scheckkarten oder andere empfindliche Gegenstände ins Regal legen. Da passiert nichts.“

Wie gesagt: Die Revolution im Möbelbau hat ihre Wiege im ländlich-beschaulichen Vindorf. Wer da noch sagt, dass hinter Dahlenburg die Welt zu Ende ist, der hat einfach keine Ahnung.