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Lüneburg ernährt sich vom Großstadtspeck

cec Lüneburg. Eine Binsenweisheit hat sich einmal mehr bestätigt: Hätte Lüneburg das nahe Hamburg nicht, oder läge es ein Stück weiter stromabwärts und der Landkreis Lüneburg etwas mehr stromaufwärts, wäre es wohl deutlich schlechter um die Region bestellt. So aber profitiert Lüneburg von der Sogwirkung der Metropole, in deren Umland sich wissens- und wertschöpfungsintensive Branchen konzentrieren, die eine solide Basis bilden im Wettbewerb um Fachkräfte. Anders der bundesweite Trend: Während Großstädte weiter wachsen, ging die Bevölkerungszahl in Städten mittlerer Größe und Kleinstädten zurück. Besonders stark schrumpften Gemeinden in dünn besiedelten ländlichen Gebieten. Das geht aus einer Studie des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) hervor.

Wie Teltow (+14,9 Prozent) bei Berlin oder Dachau (+8) bei München, nährte sich in den Jahren 2008 bis 2013 auch Lüneburg vom Großstadtspeck (+2,71). Und auch im übrigen Landkreis ist die Bilanz recht positiv. Zwar ist die östliche Region weiter leicht auf dem absteigenden Ast, erhalten die Samtgemeinden Ostheide und Dahlenburg das Gesamturteil „schrumpfend“, Amt Neuhaus sogar ein „stark schrumpfend“. Aber der Rest ist stärker geworden: Lüneburg, die Stadt Bleckede und die Samtgemeinden Amelinghausen und Scharnebeck sind „wachsend“, Adendorf und die Samtgemeinden Bardowick und Gellersen sogar „stark wachsend“. Einzig in der Samtgemeinde Ilmenau bewegt sich wenig, sie zeichnet mit „stabil“.

Die Wissenschaftler haben für die Analyse die Bevölkerungsdaten für alle Gemeinden in Deutschland sowie weitere sozio-ökonomische Kennzahlen ausgewertet, die über die Entwicklung der Kommunen Auskunft geben wie etwa die Zahl der Erwerbstätigen, die Arbeitslosenquote und die Gewerbesteuereinnahmen. Weil die Jugend abwandert, sehen sich vor allem kleinere Gemeinden im ländlichen Raum mit einer Negativspirale konfrontiert und laufen Gefahr, wirtschaftlich weiter zurückzufallen, weil Fachkräfte fehlen. So hat sich bundesweit die Zahl der Erwerbsfähigen weiter verringert. Was das betrifft, ist der Landkreis Lüneburg gut aufgestellt: In den zehn Samtgemeinden und der Stadt Lüneburg verzeichnen nur zwei einen Negativtrend bei den erwerbsfähigen Personen. In Dahlenburg ist die Zahl in dem Zeitraum um 2,66 Prozent zurückgegangen, im Amt Neuhaus um 7,6 Prozent.

Großer Gewinner beim Bevölkerungswachstum ist Adendorf mit einem Plus von 5,7 Prozent. Es folgen Bardowick mit 4 und Gellersen mit 3,8 Prozent. Lüneburg hat um 2,7 Prozent zugelegt. An Einwohnern verloren haben vor allem Amt Neuhaus (-6,3) und Dahlenburg (-3,5).

Lokal extrem verschieden hat sich die Zahl der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten entwickelt. An der Spitze steht hier Amelinghausen mit plus 20,6, gefolgt von Gellersen (+18,2) und Bardowick (+17,3). Das breite Mittelfeld reicht von Lüneburg (+12,7) über Adendorf (+6,7) bis hin zu Ilmenau (3,5). Im Minusbereich finden sich Amt Neuhaus (-3,8) und Dahlenburg (-2,7). Am untersten Ende rangiert Ostheide mit minus 11,6 Prozent.

Trotz dieser Unterschiede hat sich die Arbeitslosenquote in allen Gemeinden erfreulich entwickelt. Am stärksten zurückgegangen ist sie in der Samtgemeinde Ilmenau mit minus 1,92, am schwächsten in der Samtgemeinde Dahlenburg mit minus 0,5 Prozent.

Ein äußerst heterogenes Bild zeigt sich auch beim Blick auf die Gewerbesteuereinnahmen der Kommunen. Während Adendorf im Zeitraum von 2008 bis 2013 insgesamt auf 29,92 Euro je Einwohner verzichten musste, dicht gefolgt von der Stadt Lüneburg (-26,01 Euro), ist hier das Amt Neuhaus Spitzenreiter, gewann 25,64 Euro je Einwohner. Das Mittelfeld bildet die Samtgemeinde Scharnebeck mit 5,76 Euro je Einwohner.

One comment

  1. Bleibt nur die Frage offen, ob der zuwachs in Lüneburg daher kommt, weil Lüneburg „so toll“ ist, oder weil sicht die Leute z.b. Hamburg als Wohnort nichtmehr leisten können und daher pendeln „müssen“ ?
    Nur weil die Zahlen steigen kann man ja viel hinnein interpretieren aber der wirkliche Grund (mit Belegen) wäre mal interessant 😉