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Ergiebige Regenfälle haben die Pegel am Oberlauf der Elbe zwar steigen lassen, doch bis das Wasser im Raum Lüneburg ankommt, vergeht rund eine Woche. Auch reicht die Menge bislang nicht aus, um die Zwangspause der Fähre Tanja bei Neu Darchau zu beenden. Foto: phs
Ergiebige Regenfälle haben die Pegel am Oberlauf der Elbe zwar steigen lassen, doch bis das Wasser im Raum Lüneburg ankommt, vergeht rund eine Woche. Auch reicht die Menge bislang nicht aus, um die Zwangspause der Fähre Tanja bei Neu Darchau zu beenden. Foto: phs

Entspannung ist in Sicht – Pegel steigen langsam

dth/tja Lauenburg/Neu Darchau. Die Regenfälle der vergangenen Tage entlang der Elbe waren noch nicht ergiebig genug, um das rekordverdächtige Niedrigwasser zu beenden. Jedoch ist eine schrittweise Entspannung in Sicht: Gestern stiegen die Elbe-Pegel oberhalb von Dresden bereits um mehr als 20 Zentimeter an. Zwar wird es noch einige Tage dauern, bis das Wasser im Raum Lüneburg ankommt. Aber weitere Regenfälle in Ostdeutschland sowie Zuflüsse aus dem Einzugsgebiet der Saale könnten nach aktuellen Prognosen den Pegel auch bei Neu Darchau in der kommenden Woche wieder deutlich steigen lassen.

Bei Neu Darchau steht wegen Niedrigwassers seit Tagen der Fährbetrieb still. Zirka 85 Zentimeter Wasser unterm Kiel bräuchte die „Tanja“, um die zwei Teile des Landkreises Lüneburg diesseits und jenseits der Elbe wieder mit einander zu verbinden. Gestern Vormittag lag der Pegel bei Neu Darchau bei 71 Zentimetern. Laut Wasserstandsvorhersage der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung (WSV) wird das Niveau zum Ende der Woche hin zwar steigen, werde laut jüngster Prognose aber zunächst nur knapp über der 80-Zentimeter-Marke liegen. Zudem bangt noch die Besatzung des Raddampfers Kaiser Wilhelm um die große Elbefahrt nach Dresden.

Plus 24 Zentimeter bei Schöna an der deutsch-tschechischen Grenze meldete gestern der „Elektronische Wasserstraßen-Informationsservice“ (Elwis). Bis die Auswirkungen im hiesigen Abschnitt der unteren Mittelelbe aber zu spüren sind, dauere es erfahrungsgemäß eine gute Woche, sagt Bettina Kalytta vom Wasser- und Schifffahrtsamt (WSA) Lauenburg. Allerdings sind die Faktoren vielfältig, die auf die Wasserstände einwirken.

Einfluss auf die Pegel nehmen neben Witterungseinflüssen — von weiteren Niederschlägen bis zur Verdunstung — auch die Zuflüsse aus Havel und Saale in die Elbe. Kalytta: „Diese Werte fließen bei der aktuellen Prognose mit ein und die geht derzeit von einem Pegel von knapp über 80 Zentimetern bei Neu Darchau ab Donnerstag, Freitag aus.“ Solange müsste sich die Zwangspause der Fähre Tanja noch fortsetzen.

„80 Zentimeter Pegel reichen uns lange nicht“, sagt Erwin Kruse, Betriebsleiter der Elbfähre Tanja. Zwar habe die Fähre selbst einen Tiefgang von 75 bis 80 Zentimeter, das passt aber nur, solange die Fähre in der Fahrrinne bliebe. Kruse: „Aber wir queren die Fahrrinne und gerade auf der Ostseite der Elbe liegt jede Menge Sand.“ Die Zwangspause nutzt die Besatzung für Erste-Hilfe-Kurse oder schwingt den Pinsel, um der Fähre einen frischen Anstrich zu verpassen. „Es bleibt nur zu hoffen, dass es am Oberlauf der Elbe bald kräftig und anhaltend regnet“, sagt Betriebsleiter Kruse. Tatsächlich gibt es Grund zur Hoffnung — und schlechtes Wetter für die Dresdner.

Der Deutsche Wetterdienst gab gestern unter anderem für den Kreis Sächsische Schweiz eine Unwetterwarnung heraus: Demnach sei bis Mittwoch mit Dauerregen und Niederschlagsmengen von 60 bis 80 Litern pro Quadratmeter zu rechnen.

Auf die Wetterentwicklung in Ostdeutschland dürfte derzeit auch die Besatzung des Raddampfers Kaiser Wilhelm starren wie der Hund auf die Wurst. Denn in einer Woche ist die große Elbefahrt des Lauenburger Wahrzeichens nach Dresden geplant. Hunderte Fahrgäste haben bereits für verschiedene Etappen Tickets gebucht. „Es wäre traurig, wenn das nicht klappt“, macht Kapitän Markus Reich keinen Hehl aus seiner Stimmung.

Reich schaut täglich nach den Wetterberichten für das Einzugsgebiet der Elbe. In Dresden lag der Pegel zuletzt bei 50 Zentimeter, die Tauchtiefe beträgt 70 Zentimeter. Der 115 Jahre alte historische Raddampfer benötigt mindestens zehn Zentimeter mehr, eher 20. Neue Hoffnung nährt Achim Stolz, Sprecher des Niedersächsischen Landesbetriebs für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz: „Wir gehen davon aus, dass der Pegel Neu Darchau im Laufe der Woche dank Zuflüssen aus dem Einzugsgebiet der Saale auf 80 Zentimeter steigen wird, bevor er zum Wochenende die 90 Zentimeter-Marke erreicht. Anfang nächster Woche wird der Pegel Neu Darchau nach derzeitiger Einschätzung wieder deutlich über einen Meter Wasserstand aufweisen, wobei hierfür dann nicht mehr nur Zuflüsse aus dem Einzugsgebiet der Saale, sondern auch aus dem Oberlauf der Elbe ursächlich sein werden.“