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Was ist noch gut und was muss erneuert werden? Jürgen Schwarck schaut sich das Uhrwerk in St. Johannis genauer an. Foto: t&w
Was ist noch gut und was muss erneuert werden? Jürgen Schwarck schaut sich das Uhrwerk in St. Johannis genauer an. Foto: t&w

Flexen an Lüneburgs höchstem Arbeitsplatz

ahe Lüneburg. Ihr Weg zur Arbeit ist beschwerlich. 193 Stufen geht es hinauf, immer links herum. Mit schweren Werkzeugkoffern beladen ächzen Jürgen Schwarck und Thomas Thumm in der St. Johanniskirche den Turm hinauf. Auf halber Strecke eine kurze Verschnaufpause, dann geht es weiter, ehe das Duo in etwa 50 Metern Höhe seinen heutigen Arbeitsplatz erreicht hat. Die beiden Spezialisten kümmern sich darum, dass die Glocken der Lüneburger Kirche auch künftig pünktlich und deutlich vernehmbar schlagen.

Die Männer der Hamburger Firma Iversen Dimier sind bereits zum zweiten Mal innerhalb weniger Tage in Lüneburg. Zunächst hatten sie die Zeiger der Kirchturmuhr abmontiert. Sie waren marode und mussten ausgetauscht werden, aktuell dienen sie als Vorlage für die neuen Zeiger, die Mitte September den Platz ihrer Vorgänger einnehmen sollen. Alles in allem gibt die Kirchengemeinde dafür rund 6000 Euro aus.

Beim zweiten Besuch kümmern sich die Spezialisten um zwei der Glocken, jene, die zur vollen Stunde schlägt, und jene, die sich stets zur halben und zu den Viertelstunden bemerkbar macht. Sie bekommen neue Hämmer samt Aufhängungen aus Eisen. „Die alten haben sicher 50, 60 Jahre auf dem Buckel“, schätzt Schwarck. Die Uhrwerke bekommen außerdem neue Motoren.

Schwarck muss schwindelfrei sein für seinen Job. Er löst die ersten Bretter, hinter denen die Glocken verborgen liegen, und steigt auf den Mauervorsprung. Er holt seine Flex raus und stellt sich direkt neben die Fensteröffnung, blickt kurz nach unten auf den Platz Am Sande, auf dem die Passanten aus der Entfernung wie Playmobilfiguren wirken. Er hängt eine blaue Plane vor die Öffnung. „Aus der Höhe kann selbst ein kleines Stück Modder unangenehm werden, wenn es runterfällt“, begründet er den Schritt. Dann setzt Schwarck seinen Winkelschleifer an und lässt die Funken fliegen. Die alte Aufhängung ist schnell von der Wand gelöst, doch es kostet mehrere Trennscheiben. „Einmal kurz verharkt, und sie ist hinüber.“ Doch sein Kollege hat vorgesorgt und ausreichend Ersatz dabei. Schließlich will keiner von beiden den beschwerlichen Aufstieg häufiger bewältigen, als unbedingt notwendig.

Die Arbeit ist schnell erledigt, Jürgen Schwarck und Thomas Thumm machen sich wieder auf den Weg nach Hamburg. In etwa vier Wochen werden sie die 193 Stufen wieder hinaufsteigen müssen. Dann ohne Flex, aber dafür beladen mit den schweren neuen Zeigern für die Kirchturmuhr.