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Einen völlig verrosteten Karabiner vom Typ K98 hat Gerd Emmermacher nahe Hitzacker am Elbestrand gefunden. Das Gewehr war die Standardwaffe der Deutschen Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg. Foto: rg
Einen völlig verrosteten Karabiner vom Typ K98 hat Gerd Emmermacher nahe Hitzacker am Elbestrand gefunden. Das Gewehr war die Standardwaffe der Deutschen Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg. Foto: rg

Zeitzeuge aus dem Schlamm – Gerd Emmermacher aus Hitzacker findet Kriegswaffe am Elbestrand

rg Hitzacker. Mit dem Niedrigwasser der Elbe werden Gegenstände freigelegt, die vor Jahrzehnten in den Fluten des Stroms versunken sind. Einen hat jetzt Gerd Emmermacher bei Hitzacker gefunden: einen Karabiner aus dem Zweiten Weltkrieg.

Als der gelernte Maler vor einigen Tagen mit seiner Hündin Paula am Elbestrand bei Hitzacker unterwegs war, wäre ihm das Stoffbündel, das da halb versunken am Strand lag, beinahe gar nicht weiter aufgefallen. „Ich dachte, das wäre einfach nur Unrat, wie man ihn so häufig findet“, sagt der Mann aus Nausen. Doch es war die Form des Bündels, die seine Neugier weckte. Länglich, und irgendwie vertraut. Als er es dann aus dem Schlamm zog und auspackte, hielt er plötzlich ein Gewehr in der Hand. Ein altes Gewehr — ein Karabiner aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs. Ein sogenannter K98, die Standardwaffe der Deutschen Wehrmacht und ihrer Verbündeten in dem Krieg, der weltweit vermutlich mehr als 50 Millionen Menschen das Leben kostete.

„Ich habe schon öfter Dinge gefunden, wenn ich an der Elbe unterwegs war, aber so etwas noch nie“, freute sich Emmermacher über seinen Fund. Wobei die Freude nicht lange währte: „Meine Frau wurde nervös, als ich das Ding mit nach Hause brachte, und irgendwann hatte sie mich so weit, dass ich beim Landkreis anrief und den Fund meldete“, erzählt der gelernte Maler. Kurz darauf stand die Polizei auf der Matte, um die Kriegswaffe abzuholen und beim Landkreis als zuständiger Waffenbehörde abzugeben.

Von dort aus, wünscht sich Emmermacher, sollte das Gewehr — vollkommen verrostet und sicherlich nicht mehr schussfähig — den Weg ins Hitzackeraner Museum „Altes Zollhaus“ finden. „Dort gehört es hin, es ist doch ein Zeitzeuge“, sagt er. Und vielleicht lässt sich dort ja auch herausfinden, wie der Karabiner in die Elbe kam. Wurde er dort im Gefecht zurückgelassen, als die Amerikaner 1945 das Elbufer eroberten? Gehörte er einem Soldaten, der von Osten her über die Elbe floh und die Waffe am Westufer wegwarf? Wurde das Gewehr von einem Einwohner in der Elbe entsorgt, der befürchtete, als sogenannter Werwolf eingesperrt zu werden, wenn man die Waffe bei ihm gefunden hätte? Fragen, auf die es möglicherweise eine Antwort gibt. Oder auch nicht.

Klar ist aber: Es dürften noch reichlich Zeitzeugen im Elbeschlamm warten. Klar ist aber auch: Wer sie findet, darf sie nicht einfach mitnehmen. „Wer eine Waffe — egal ob Gewehr, Pistole, Patronen oder gar Granaten — findet, muss auf jeden Fall die Polizei informieren“, sagt Christian Schlenker, Leiter des Ordnungsamtes beim Landkreis Lüchow-Dannenberg. „Wer keinen Waffenschein hat, der darf keine Waffe führen — und sie entsprechend auch nicht transportieren. Der richtige Weg ist: Die Polizei anrufen und den Beamten zeigen, wo die Waffe liegt. Alles andere ist eine Straftat.“