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Aus der Diskussion um die Abschaffung der Kindergartengebühren entwickelten die Amelinghausener das Fördermodell des Bildungsgutscheins. Foto: A/t&w
Aus der Diskussion um die Abschaffung der Kindergartengebühren entwickelten die Amelinghausener das Fördermodell des Bildungsgutscheins. Foto: A/t&w

Nächste Runde für Fördermodell – Gemeinde Amelinghausen verlängert Projekt „Bildungsgutschein“

dth Amelinghausen. Weltweite Kinderbetreuung mit einem Zuschuss aus Amelinghausen, das macht der sogenannte Bildungsgutschein der Gemeinde Amelinghausen möglich. „Der Bildungsgutschein ist ein Erfolgsmodell“, sagte bei der kürzlichen Gemeinderatssitzung Bürgermeister Norbert Thiemann (CDU). Einstimmig beschloss der Rat, das Modell um ein weiteres Jahr zu verlängern. Schlagzeilen machte die Kommune damit erstmals bei der Einführung 2013: Der Bildungsgutschein setzte damals einen kleinen Kontrapunkt zum als Herd-Prämie geschmähten Betreuungsgeld der Bundesregierung. Während das Betreuungsgeld jüngst vom Bundesverfassungsgericht einkassiert wurde, erfreut sich der Amelinghausener Bildungsgutschein wachsender Beliebtheit.

Lag die Quote der zu Beginn der Pilotphase eingelösten Bildungsgutscheine 2013 noch bei rund 60 Prozent, sind es im abgelaufenen Kindergartenjahr 2014/15 mehr als 75 Prozent: Insgesamt 162 Bildungsgutscheine hatte die Kommune ausgegeben, 123 wurden bisher eingelöst. Der Gutschein hat pro Monat einen Wert von bis zu 30 Euro oder auf das Jahr gerechnet von bis zu 360 Euro. In den Genuss kommen Kinder im Alter zwischen einem und fünf Jahren. Voraussetzung ist: Das Kind muss mit Hauptwohnsitz in Amelinghausen gemeldet sein und eine „staatlich anerkannte Bildungseinrichtung zur frühkindlichen Erziehung“ besuchen — egal wo. Die Gutscheine können grundsätzlich auch für Angebote im Kindergarten eingelöst werden bis zur musikalischen Früherziehung. Die verlängerte Förderrichtlinie gilt jetzt bis 31. Juli 2016.

Nach Angaben des Familien- und Kinderservicebüros wurde zuletzt sogar ein Gutschein für Betreuungsangebote in den USA bewilligt, weil die Eltern beruflich für mehrere Monate mit Kind und Kegel in den Vereinigten Staaten waren. Aber das ist ein Einzelfall.

Vorwiegend wurden die Gutscheine genutzt, um Kindergartengebühren zu reduzieren, ob nun in Amelinghausen direkt oder bei der Arbeitsstelle der Eltern in Lüneburg oder Hamburg. Wenn aber beispielsweise das beitragsfreie Kindergartenjahr greift, werden die Bildungsgutscheine vermehrt eingesetzt für Sportvereinsbeiträge, Theaterbesuche der Kleinen bis hin zur Bezahlung von Mittagstischangeboten.

Das Mittagstischangebot auch für den Kindergarten Amelinghausen wird übrigens im neuen Betreuungsjahr teurer, 60 statt bisher 40 Euro oder nun drei statt bisher zwei Euro pro Tag und Kind. Die Preiserhöhung nutzte die Einrichtung für einen Anbieterwechsel. Leiterin Birgit Hoek sagt: „Jetzt haben wir einen Anbieter speziell für kindgerechte Kost.“ Die Nachfrage ist zuletzt stark gestiegen: Nutzten noch vor zwei Jahren um die 25 Kinder das Mittagstischangebot, sind es jetzt mehr als 60 der insgesamt 106 Kinder.

Und auch die Nachfrage nach verlängerten Betreuungszeiten steigt. Birgit Hoek sagt: „Nur noch die wenigsten Kinder werden nur vier Stunden am Tag von uns betreut und auch die werden immer weniger. Die Berufstätigkeit der Eltern nimmt spürbar zu.“

So geht etwa die Ganztagsgruppe von 8 bis 17 Uhr ins zweite Jahr. In der Nachmittagsgruppe ist noch etwas Spielraum, um auch während des laufenden Jahres auf die erweiterten Betreuungswünsche zu reagieren. Hoek: „Wir arbeiten bedarfs­orientiert.“