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Diana Erdmann, Leiterin der Wildtierhilfe Lüneburger Heide, versucht, die Eichhörnchen mithilfe von Sonnenblumenkernen aus ihrer Schlafbox zu locken. Eines lässt sich kurz blicken. Foto: t&w
Diana Erdmann, Leiterin der Wildtierhilfe Lüneburger Heide, versucht, die Eichhörnchen mithilfe von Sonnenblumenkernen aus ihrer Schlafbox zu locken. Eines lässt sich kurz blicken. Foto: t&w

„FriedWald“: Schlafzimmer im neuen Zuhause + + + Mit LZplay-Video

emi Barendorf/Soltau. Der Fußmarsch über durchgeweichten Waldboden ist zurückgelegt, die letzten Fragen sind beantwortet, der Nistkasten hängt. Jetzt heißt es warten — und Otis und Ophelia machen es spannend. Die beiden zwölf Wochen alten Eichhörnchen waren vor etwa zwei Monaten bei einem Sturm aus ihrem Nest gefallen. Spaziergänger hatten die Tierbabys in einem Waldstück in Bardowick gefunden und zur Wildtierhilfe Lüneburger Heide e.V. nach Soltau gebracht. Dort wurden sie von Leiterin Diana Erdmann und ihrem Team aufgepäppelt. Jetzt wurden die beiden Geschwister mitsamt ihrem Schlafzimmer, dem Nistkasten, im „FriedWald“ Ostheide bei Barendorf wieder zurück in die Natur entlassen.

Ein Besuch in der Wildtierauffangstation auf dem Emhof bei Soltau, zwei Tage vor der Auswilderung. Etwa 400 Tiere vom Papagei über die Schildkröte bis hin zum Waschbär krächzen, kriechen und klettern hinter den Zimmertüren des ehemaligen Hotels. Otis und Ophelia wohnen mit fünf weiteren Eichhörnchen in Zimmer 8. „Als die beiden Eichhörnchen zu uns kamen, hatten sie noch die Augen zu“, erzählt Diana Erdmann, „sie waren wohl knapp drei Wochen alt“. Anfangs alle zwei Stunden mussten Mitarbeiter der gemeinnützigen Natur- und Tierschutzeinrichtung die Säuglinge füttern, zuerst aus der Flasche, dann mit Brei.

„Im Alter von acht Wochen sind die meisten so weit, dass sie aus der Schale trinken können“, sagt Erdmann. „Aber dann sitzen sie natürlich nicht vor der Schale, sondern mittendrin und veranstalten eine irre Sauerei.“ Sobald die Eichhörnchen wildbahntauglich sind, werden sie in die Natur entlassen. „Wichtig ist, dass sie in der Lage sind, richtiges, artgerechtes Futter zu suchen und dass sie scheu sind“, erklärt die Expertin. Otis und Ophelia erfüllten diese Voraussetzungen.

Deshalb transportierte Erdmann die Tiere mitsamt ihrer Schlafbox im Auto von Soltau nach Barendorf. Mithilfe der „FriedWald“-Mitarbeiter suchte sie eine Eiche am Wegesrand im Wald aus, bohrte das Eingangsloch des Nistkastens auf und befestigte die Box am Baumstamm. Zwei Wochen lang soll das Nest nun an der Stelle bleiben. Die „FriedWald“-Förster wollen immer wieder kontrollieren, ob Otis und Ophelia ein eigenes Zuhause gefunden haben. Hörnchen ziehen sich zur Nachtruhe und zu regelmäßigen Mittagspausen in Baumhöhlen und Kobel zurück, wie ihre Baumnester genannt werden. Diese gepolsterten Reisigkugeln haben einen Innenraumdurchmesser von 15 Zentimetern.

Am Mittwoch wirkte es zumindest noch nicht so, als wollten die rotbraunen Tierchen möglichst schnell ihre Schlafbox verlassen. Bei dem Regen und Rummel kuschelten sie sich lieber tief in ihr Nest. Nur einmal ließ sich kurz ein Eichhörnchen blicken, als Diana Erdmann ihm ein paar Sonnenblumenkerne entgegenstreckte. Die Leiterin der Wildtierhilfe nahm es gelassen: „Die machen, was sie wollen“, sagte sie. Womöglich springen Otis und Ophelia jetzt schon fröhlich von Baum zu Baum, in freier Wildbahn, da, wo sie hingehören.

Zu viel Pflege bedeutet Gefangenschaft

Normalerweise versorgen die acht Mitarbeiter der Wildtierhilfe Lüneburger Heide im Schnitt etwa 25 bis 30 Eichhörnchen pro Jahr. „Diesmal sind es weit über 40“, sagt Leiterin Diana Erdmann. „Wir gehen davon aus, dass die vielen Stürme die Jungtiere aus den Nestern gekegelt haben.“

Wer ein verletztes oder schwaches Tier findet, solle sich im Zweifelsfall an eine Auffangstation wenden. „Handaufzuchten sind sicher eine spannende Sache, aber man sollte nicht zu lang die Hand drauf lassen. Je länger man sich um ein Tier kümmert, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass es nicht mehr ausgewildert werden kann. Das bedeutet für das Tier Gefangenschaft.“

Menschen, die die Arbeit der Wildtierhilfe Lüneburger Heide e.V. unterstützen möchten, können sich unter Tel. 05190/9849599 oder per E-Mail an kontakt@wildtier-hilfe.de melden.

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