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Andreas Dobslaw von der Polizei (v.l.) sowie Dirk Bonow und Rüdiger Scholz vom Landkreis Lüneburg stehen in der Spitzkehre an der Kreisstraße zwischen Alt Garge und Walmsburg. Seit kurzem gilt dort ein neues Tempolimit. Foto: cw
Andreas Dobslaw von der Polizei (v.l.) sowie Dirk Bonow und Rüdiger Scholz vom Landkreis Lüneburg stehen in der Spitzkehre an der Kreisstraße zwischen Alt Garge und Walmsburg. Seit kurzem gilt dort ein neues Tempolimit. Foto: cw

Polizei und Kreis bremsen Biker aus

cw Alt Garge/Walmsburg. Motorradfahrer lieben Kurven. Das ist auch der Grund, warum die Rundstrecke über die Bundesstraße 195 im Amt Neuhaus über die Fähre Neu Darchau bis nach Bleckede bei schönem Wetter der Motorradtreff schlechthin ist. Ganz besonders angetan hat es den Bikern die Spitzkehre zwischen Alt Garge und Walmsburg, die das fahrerische Können herausfordert.

Doch das pure Fahrvergnügen hat sich in den letzten Monaten zu etwas anderem entwickelt: In der Spitzkehre treffen sich Biker, die den ultimativen Kick suchen. So schnell wie möglich durch die Kehre — und zwar ohne jede Einschränkung und immer wieder. Eine Tankkamera für das Video bei YouTube und der Beifall der Umstehenden lassen so manchen Fahrer den Blick für seine Grenzen verlieren. Deshalb haben Landkreis Lüneburg und Polizei jetzt die Notbremse gezogen. Seit kurzem gilt vor und hinter der Kehre Tempo 70, in der scharfen Kurve selbst Tempo 50. Gleichzeitig wurde der Parkplatz in der Kehre so zurückgebaut, dass sich Motorräder kaum noch abstellen lassen.

„Wir werden mit unsichtbaren Messtechniken vor Ort kontrollieren“, verspricht Polizeihauptkommissar Andreas Dobs­law, Leiter der Unfallkommission. Führerscheinentzug und empfindliche Geldbußen sollen die Fahrer von den halsbrecherischen Versuchen abhalten. Zusammen mit dem Leiter des Fachdienstes Straßenbau, Dirk Bonow, hat Dobs­law ein ganzes Paket von Maßnahmen geschnürt, das Zug um Zug zum Einsatz kommt.

Die Polizei hat die Lieblingsstrecke der Biker links und rechts der Elbe schon lange im Visier. Sie gehört zu den etwa 30 Bereichen in Deutschland, die von Motorradfahrern stark frequentiert werden und wo es entsprechend viele Unfälle gibt. Die Unfallsteckkarte zeigt rund um die Elbe dicht an dicht Motorradunfälle — alle mit dem grünen Marker für überhöhte Geschwindigkeit.

„Wir suchen auf allen Ebenen nach Lösungsansätzen und müssen auch kreativ sein“, sagt Dobslaw. Die Rollstuhl-Aktion im Amt Neuhaus ist so eine kreative Maßnahme, die auch deutlich Wirkung gezeigt hat.

„Es ist ein kleiner Kreis von schwarzen Schafen unter den Motorradfahrern, die diesen fatalen Drang haben, eine Show abzuziehen“, weiß Bonow. Dazu gehört etwa, auf den 200 Metern zwischen der Kehre und der Einmündung des Radweges auf 140 Stundenkilometer zu beschleunigen und dann ohne Rücksicht auf den Gegenverkehr in der Einmündung eine Wende zu ziehen. Die Kamikazefahrer nehmen dabei nicht einmal Rücksicht auf andere Motorradfahrer, die einfach nur die schönen Kurven genießen wollen, weiß Dobslaw.

Zwei Gruppen haben Bonow und Dobslaw ausgemacht, die gegen die Regeln spielen: Die jungen Draufgänger, die sich vor allem über die sozialen Netzwerke treffen und sich mit ihrem waghalsigen Fahrstil gegenseitig überbieten wollen. Das Problem daran: „Das spricht sich wahnsinnig schnell herum und alle machen mit“, sagt Bonow. Aber auch ältere Fahrer suchen hier den Kick. „Das sind Menschen in Führungspositionen, die einen scheinbaren Ausgleich über diesen Kick suchen“, erklärt Dobslaw. Der neue Adrenalinjunkie fährt Motorrad.

Hintergrund
Bereits vor etwa 20 Jahren galt die Spitzkehre zwischen Alt Garge und Walmsburg als Treffpunkt für Biker. Dann wurde die Straße deutlich schlechter, und die Motorradfahrer suchten sich andere Strecken. Vor einigen Jahren wurde die Straße dann saniert. Seitdem nehmen die Beschwerden über Motorradfahrer wieder zu.
Dabei geht es nicht um die normalen Fahrer, sondern um „Rennfahrer“, die extrem hochtourig die kurvenreiche Strecke wieder und wieder abfahren. Der Motorenlärm ist bis hinunter zur Elbe zu hören. Anwohner und Nutzer des nahe liegenden Campingplatzes haben deshalb im März eine Unterschriftenliste an den Kreistag übergegeben, mit der Bitte, etwas zu unternehmen. Möglich geworden waren die Tempolimits jedoch nur vor dem Gesamthintergrund der Motorradstrecke und der zunehmenden Gefahr, die für die Biker und alle anderen Verkehrsteilnehmer durch rücksichtlose Fahrer entstehen. cw

4 Kommentare

  1. Ich finde den dislike Button nicht!

  2. „Bereits vor 20 Jahren…“
    Ach was,schon vor ca 35 Jahren hatte sich dort mein Kumpel D. mit seinem alten NSU-Max Gespann selber in die Büsche gehauen.

    Seitdem hat sich an der Atraktivität dieser landschaftlich wunderschönen Straße (auch)für Motoradfahrer nichts geändert.
    Insgesamt gibt es aber viel weniger Motoradfahrer auf deutschen Straßen.
    Die allermeisten waren schon damals, und sind heute überhaupt keine „Raser“ sondern lieben das ruhige „Touren“.
    Und gerne gesehene Gäste bei der örtlichen Gastonomie.
    Auch wenn ich jetzt mit dem Motoradfahren wirklich überhaupt nichts im Sinn habe, halte ich die Maßnahmen daher jetzt für völlig unangemessenen Aktionismus.

  3. Perfekt!
    Gute Beispiel, für verschwendung von Steuergelden.

    Von Sicherheit für Zweirradfahrer sprechen aber den Sanierungsstau auf Kreis und Landstrassen mit gefährlichen Rollsplitt bearbeiten! Augenwischerei ist das!

    „dislike Button“ habe ich auch nicht gefunden!

  4. Hier konnte wohl keine konkrete Gefährdung nachgewiesen werden uns so wurden alle Klischees von „ultimativem Kick“ über „Show abziehen“ bis hin zu „rücksichtslosen Kamikazefahrern“ gezogen. Das alles entspringt eher der Meinung des Redakteurs auf der hanebüchenen Suche nach vermittelbaren Gründen für diese Maßnahmen.

    Außer Diffamierung und Polemik bleibt aber nichts … da hilft es auch nicht, die Statistiken einer völlig anderen Straße als Nachweis heranzuziehen und versuchen zu wollen, ein wackeliges Konstrukt der Verbindung beider Sachverhalte herzustellen.

    Der wahre Grund steht im Kasten am Ende des Artikels: Anwohner und Nutzer des nahe liegenden Campingplatzes fühlen sich gestört.