Donnerstag , 8. Dezember 2016
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Der Rat in historischer Robe bei den Sülfmeistertagen. Die Kostümierung kann nicht bemänteln, dass das Gremium in die Jahre gekommen ist. Foto: t&w
Der Rat in historischer Robe bei den Sülfmeistertagen. Die Kostümierung kann nicht bemänteln, dass das Gremium in die Jahre gekommen ist. Foto: t&w

Gesucht: jung und weiblich

as Lüneburg. Jünger und weiblicher will die CDU auf Bundesebene werden, mehr Frauen und junge Menschen für Ämter und als Kandidaten zu Wahlen aufstellen. Das hat der Parteivorstand jüngst diskutiert, um Mitgliederschwund und Überalterung entgegenzutreten. Nächstes Jahr sind in Niedersachsen Kommunalwahlen. Wie halten es die Parteien vor Ort mit „jünger und weiblicher“, zum Beispiel mit Blick auf den Lüneburger Stadtrat?

Derzeit gehören dem Lüneburger Stadtrat 14 Ratsfrauen, 28 Ratsherren und der Oberbürgermeister an. Der Frauenanteil macht also ein Drittel aus. Das Durchschnittsalter der Ratsmitglieder beträgt 58,3 Jahre, 21 Mitglieder sind älter als 60 Jahre, das macht 48,8 Prozent.

Auf LZ-Anfrage hat Niels Webersinn (35), Vorsitzender des CDU-Stadtverbandes und Fraktionschef im Stadtrat, errechnet: Das Durchschnittsalter in der CDU-Stadtfraktion ist 62,3 Jahre. Im Moment werde bereits diskutiert, wie man sich für die Kommunalwahl 2016 aufstellen wolle. „Wir werden uns verjüngen und mehr Frauen aufstellen.“ Der Frauenanteil liege in der Fraktion schon jetzt bei 50 Prozent. Außerdem wolle man Menschen in die Fraktion bringen, die mitten im Leben stehen. Auch Menschen mit Migrationshintergrund sollen in politischen Gremien ihre Vorstellungen einbringen können.

Frank Soldan, Vorsitzender des FDP-Ortsverbandes, sagt knapp: „Es geht uns nicht um Quoten und Alter, sondern um kompetente Personen.“

Hiltrud Lotze, Vorsitzende des SPD-Ortsvereins und Bundestagsabgeordnete, sagt: „Bei der SPD gibt es seit 1988 eine Geschlechterquote. Die besagt, dass jedes Geschlecht mit mindestens 40 Prozent vertreten sein muss.“ Das gelte auch für die Bewerberlisten bei den Stadtratswahlen. Aktuell liege das Durchschnittsalter in der SPD-Fraktion im Lüneburger Stadtrat bei 60,07 Jahren; der Frauenanteil betrage 29 Prozent. „Hier erreichen wir nicht unser selbst gestecktes Ziel von 40 Prozent, die 29 Prozent bilden aber ungefähr den Anteil der Frauen in der Mitgliedschaft ab.“ Lotze sagt auch: „Wir sind immer bemüht, junge Kandidaten auf die Liste für die Wahlen zu bekommen und zwar auf aussichtsreichen Plätzen“, so die Ortsvereinsvorsitzende. Allerdings sieht sie ein grundsätzliches Problem: „Es ist schwierig, junge Leute für das arbeitsintensive Ehrenamt Kommunalpolitik zu gewinnen.“ Es zeige sich immer wieder, dass es eines großen Spagats bedürfe, Familie, Beruf und Politik unter einen Hut zu bringen.

Bei den Grünen gebe es auf allen politischen Ebenen ein gleichberechtigtes Miteinander, sprich 50 Prozent Frauen, 50 Prozent Männer, sagt Friedhelm Feldhaus vom Vorstand des Ortsverbandes Lüneburg. „In Lüneburg möchten wir den erfahrenen Kräften junge Kräfte zur Seite zu stellen, damit politische Ideen und Ziele up to date bleiben.“ Die Grünen hätten mit durchschnittlich 48 Jahren die jüngsten Mitglieder aller im Bundestag vertretenen Parteien. Im Rat der Stadt hält die Fraktion zwölf Sitze, Jule Grunau und Björn Adam sind die jungen Vertreter, zum Durchschnittsalter konnte Feldhaus jedoch nichts sagen.

Für die Piraten im Stadtrat sitzen Daniel Brügge (30) und Torbjörn Bartels (32). Sie drücken das Durchschnittsalter. Die Heide-Piraten haben in den Landkreisen Lüneburg, Uelzen und Harburg 135 Mitglieder, in der Stadt Lüneburg 33. „Das Durchschnittsalter liegt bei 35,2 Jahren“, sagt Arne Ludwig vom Vorstand des Kreisverbandes. Der Anteil der Frauen im Kreisverband sei eher gering. Diese wenigen seien aber sehr aktiv. Eine Quotenregelung gibt es bei den Piraten nicht.

Zwei Männer vertreten im Stadtrat die Linke. Unter den sechs Mandatsträgern in Stadt und Kreis seien zwei Frauen, berichtet Martin Nass, Mitglied im Kreisvorstand der Linken. Der Anteil der Frauen im Kreisverband liege bei 25 Prozent. „Wir würden uns wünschen, dass die nächsten Fraktionen weiblicher werden“, sagt Nass. Die Satzung gibt zumindest vor, dass die ersten Listenplätze zu 50 Prozent mit Frauen besetzt sind. Zur Mitgliederstruktur sagt Nass: Viele seien zwischen 50 und 60. Im Juni hatte Michèl Pauly, Fraktionschef der Linken im Stadtrat, ein bitterböses Essay im Blog.jj auf der Homepage der LZ geschrieben. Er sprach da von einer Partei der alten Männer. Insbesondere Frauen und Arbeitende fehlten auf den Mitgliederlisten. Im Altersbereich zwischen 25 und 60 klaffe ein riesengroßes Loch.