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Nicht zu weit, nicht zu schlicht, aber auch nicht zu viel Glitzer  nach diesen Kriterien wählt Victoria Glaser ihr künftiges Heideköniginnenkleid aus. Foto: t&w
Nicht zu weit, nicht zu schlicht, aber auch nicht zu viel Glitzer nach diesen Kriterien wählt Victoria Glaser ihr künftiges Heideköniginnenkleid aus. Foto: t&w

Heidekönigin Victoria: Ein Mädchentraum in Weiß

emi Lüneburg. Victoria Glaser dreht sich im cremefarbenen Kleid lächelnd zwischen glänzenden Spiegeln und glitzernden Roben. „Das hier ist ein wahr gewordener Mädchentraum“, seufzt die 22-Jährige. Am Sonntagnachmittag hatte sie sich auf dem Kronsberg gegen fünf Mitbewerberinnen als neue Amelinghausener Heidekönigin durchgesetzt, rund 22 Stunden später steht sie in einem Lüneburger Brautmodengeschäft, soll sich ihr künftiges Regentinnenkleid aussuchen und kann den Rummel um ihre Person noch gar nicht richtig fassen. „Das fühlt sich ganz verrückt an“, sagt sie, „ich bin immer noch wie im Rausch“.

Am Tag nach der Krönung darf sich die frischgebackene Repräsentantin Amelinghausens traditionell ihr weißes Kleid aussuchen, mit dem sie bis zu 90 Termine in ihrem Amtsjahr bestreiten wird. Eine, die die Mädchen seit 15 Jahren dabei begleitet, ist Georgina Pyritz. Die 58-Jährige weiß, worauf es ankommt: Zu weit darf das Kleid nicht sein, denn der Purpurmantel muss noch darüber passen, praktisch sollte es sein, denn es wird im Jahr etwa 80 Mal gewaschen und vor allem „oben rum“ sollte es gut aussehen. Das Geld spielt dabei keine Rolle sämtliche Kosten, die für die Heidekönigin im Laufe des Jahres anfallen, trägt der Heideblütenfestverein.

Victoria Glaser hat acht Kleider ins Auge gefasst, die ihre Kriterien („nicht zu schlicht, nicht zu viel Glitzer, muss gut sitzen“) erfüllen. Nach der ersten Anprobe werden vier sofort aussortiert, vier landen in der engeren Wahl und kommen an die Extra-Kleiderstange. Georgina Pyritz weiß, dass jetzt eine Denkpause gut tut. „Lass uns irgendwo Kaffee trinken oder Eis essen gehen, damit du deine Entscheidung sacken lassen kannst“, sagt sie. Es klingt nicht wie ein Vorschlag, sondern wie eine Aufforderung.

„Das Aussuchen dauert immer lang“, erzählt die langjährige Betreuerin, „mit Abstecken und allem Drum und Dran in der Regel viereinhalb bis fünf Stunden“. Victoria Glaser liegt gut in der Zeit. Um 10 Uhr hat die Einkaufstour begonnen, um 14 Uhr stehen nur noch zwei Kleider zur Auswahl.

„Das ist eine tolle Erfahrung, eine noch größere Ehre als bei der Hochzeit“, schwärmt die junge Fotografin von ihrer Brautkleid-Anprobe. „Heiraten, das kann man ja immer machen, das kann man sich aussuchen. Wenn man zur Heidekönigin gewählt wird, braucht man das Glück auf seiner Seite. Deshalb ist das noch besonderer.“

Für Victoria Glaser, die ihre ersten drei Lebensjahre in Amelinghausen verbracht hat und seitdem in Kirchgellersen lebt, ist bei ihrer Ernennung ein Kindheitstraum in Erfüllung gegangen. „Ich liebe das Heideblütenfest so. Immer wenn bei der Auftaktveranstaltung ,Der See brennt das Feuerwerk in den Himmel steigt, muss ich weinen“, sagt sie, und allein bei der Erinnerung daran steigen ihr Tränen in die kajalgeschwärzten Augen.

2012 hatte sich die damals 19-Jährige schon einmal um das Amt beworben, war allerdings an Jana George gescheitert. Umso mehr freut sich Victoria Glaser nun darauf, „das, was ich jedes Jahr an Freude empfangen habe, zurückzugeben“.

Am Sonnabend wartet der nächste große Auftritt auf die neue Heidekönigin. Bis dahin sollte auch das neue Kleid maßgeschneidert sein.