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Verdutzt sieht dieses Reh den schwarz-braun-weiß-gestreiften Vogel an, der vor ihm einen langen Hals macht. Eine seltene Rohrdommel, die bei Gefahr die sogenannte Pfahlstellung einnimmt. Foto: nh/mathias schneider
Verdutzt sieht dieses Reh den schwarz-braun-weiß-gestreiften Vogel an, der vor ihm einen langen Hals macht. Eine seltene Rohrdommel, die bei Gefahr die sogenannte Pfahlstellung einnimmt. Foto: nh/mathias schneider

Bleckede: Rohrdommel vertreibt Reh

emi Bleckede. Der schwarz-braun-weiß-gestreifte Vogel reckt Kopf und Schnabel in die Luft, macht seinen Hals lang und schwankt hin und her wie Schilf im Wind: Wenn Gefahr droht, nimmt die Rohrdommel diese sogenannte Pfahlstellung ein, ihre Längsstreifen wirken dabei wie einzelne Halme. Was im Röhricht die perfekte Tarnung darstellt, hat jetzt im sandigen Uferbereich in der Elbtalaue bei Bleckede ein Reh so sehr erschreckt, dass es Reißaus nahm.

Im Bild festgehalten hat die äußerst seltene Szene Mathias Schneider, Hobby-Fotograf aus Lüneburg. Bei seinem Spaziergang in den Abendstunden war er wieder einmal zur rechten Zeit am rechten Ort für einen Schnappschuss.

Eine Rohrdommel zu Gesicht zu bekommen ist ein Glücksfall, der nur wenigen Menschen vergönnt ist, weiß auch Nabu-Vogelkundler Heinz Düllberg. Der bis zu 80 Zentimeter große Vogel, der zur Familie der Reiher gehört, ist extrem scheu, störungsanfällig und wird immer seltener.

„Die Rohrdommel braucht neben Feuchtigkeit und Schilfrohr viel Ruhe und abgelegene Brutplätze“, sagt der Experte, „das gibt es nicht so oft.“ Am ehesten kann man die Tiere an Flüssen, Seen und Teichen mit viel Röhricht beobachten.

Doch viel häufiger als zu sehen ist die Rohrdommel zu hören: Im Frühjahr geben die Männchen dumpfe Balzrufe von sich, die kilometerweit zu hören sind und dem Vogel so unter anderem die Namen „Moorochse“ und „Moorkuh“ eingetragen haben. „In diesem Jahr ist mir im Raum Lüneburg bisher keine Rohrdommel-Beobachtung bekannt“, sagt Heinz Düllberg, die charakteristischen Laute wären aufgefallen.

Deshalb geht der Vogelkundler davon aus, dass das Tier nicht in der Elbtalaue gebrütet hat, sondern dort nur Zwischenstation gemacht hat. Die Rohrdommel gehört zu den Zugvögeln, genauer gesagt zu den Teilziehern: ein Teil verlässt sein Brutgebiet gen Südeuropa und Nordafrika, einige überwintern als Standvögel aber auch in ihrem Brutgebiet — zumindest, wenn die Gewässer nicht zufrieren.

Auf dem Speiseplan der Rohrdommel stehen vor allem Fische, Frösche, Molche und Wasserinsekten. Bei Gelegenheit erbeutet sie auch schon mal Kleinsäuger, Kleinvögel oder auch Reptilien. „Wahrscheinlich war sie in der Elbtalaue auf Nahrungssuche“, sagt Heinz Düllberg. „Im Moment ist es an vielen Stellen sehr trocken, sodass die Rohrdommel leicht Beute machen kann.“

Dumm nur, wenn gerade in diesem Moment ein Reh des Weges kommt. Mathias Schneider beschreibt, wie er die Szene von der anderen Uferseite aus erlebt hat: „Das Reh versuchte im Uferbereich zweimal an der Rohrdommel vorbeizukommen, ohne wirklichen Erfolg. Bei der zweiten, sehr nahen Annäherung plusterte sich die Rohrdommel kurz aber heftig auf und schlug das Reh so in die Flucht.“ Heinz Düllberg vom Nabu sagt lachend: „So etwas hat eben auch das Reh sehr selten gesehen.“

One comment

  1. Zu dem wirklich besonderen Erlebnis kann ich Herrn Schneider nur gratulieren. Immerhin sah ich vor ein paar Wochen mal eine fliegende Rohrdommel! Das fand ich schon sehr ungewöhnlich.
    Seltene Naturbeobachtungen mag ich sehr. Diese zählt eindeutig dazu. Glückwunsch zum gelungenen Foto.
    Viele Grüße von Sonja Haase, ehemals Lüneburg.