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Sichtlich Spaß hatten die Damen um Kreislandfrau Sabine Block (r.) beim Workshop Sägen, schleifen, bohren. Viele Teilnehmerinnen waren dabei, weil sie nicht immer die Männer im Haus fragen wollen, wenn etwas Handwerkliches erledigt werden muss. Foto: t&w
Sichtlich Spaß hatten die Damen um Kreislandfrau Sabine Block (r.) beim Workshop Sägen, schleifen, bohren. Viele Teilnehmerinnen waren dabei, weil sie nicht immer die Männer im Haus fragen wollen, wenn etwas Handwerkliches erledigt werden muss. Foto: t&w

Einfach selber machen

uk Adendorf. Sie sind gut versteckt: Hinter mobilen Trennwänden hantieren am Sonnabend im Hagebaumarkt Adendorf die Teilnehmerinnen des „Do it yourself“-Workshops mit allem, was die Werkzeugkiste hergibt. Verborgen vor den Blicken von Kunden und Personal widmen sich die Frauen im Alter zwischen 20 und 70 Jahren einem traditionell männlich besetzten Thema: „Sägen, schleifen, bohren“ heißt das Kursangebot, das sich auf Initiative des Kreislandfrauenverbands exklusiv an Frauen richtet. Und damit den Nagel auf den Kopf trifft: „Mein Telefon stand nicht still“, berichtet Initiatorin Svenja Leder begeistert, „beide Workshops mit zusammen 30 Plätzen waren sofort rappelvoll.“

Vor der Praxis steht die Theorie: Während ein großer Wagen mit Baumaterialien noch auf seinen Einsatz wartet, erklärt Kursleiterin Antje Scheumann Grundsätzliches zu Schrauben, Dübeln und zum Thema Arbeitssicherheit. Dann richtet sich die geballte Aufmerksamkeit auf die grüne Bohrmaschine, die die Fachfrau in die Höhe hält: „Das ist eine Schlagbohrmaschine. Die normale Bohrfunktion ist für Holz und der Schlaghammer für Beton oder Stein“, erläutert sie und demonstriert dann, wie man mit einem Griff den Bohrer aus dem Bohrfutter löst.

Dann geht es Loch um Loch: Mit zunehmendem Eifer durchbohren die Frauen Hölzer, Betonplatten und Kalksandsteine. Die handliche Maschine ist ganz nach dem Geschmack von Wiebke Klose: „Ich habe eigentlich großen Respekt vor allem, was mit Strom zu tun hat. Aber hier ist kein Kabel dran und besonders laut ist es auch nicht“, sagt sie erfreut. Auf die Frage, warum sie an dem Kursus teilnehmen, antworten die meisten Frauen ähnlich wie Wiebke Klose: „Ich will nicht mehr die Männer im Haus fragen, wenn mal ein Loch in die Wand gebohrt werden muss.“ Frauke Rösel überlegt länger, sagt dann: „Ich finde es einfach schön, Sachen zu können, die ich bestimmt mal gebrauchen kann.“ Andere haben feste Ziele: „Ich will mir eine Kräuterkiste aus Holz bauen“, sagt Ilse Bergstedt und ergänzt: „Ich bin es auch leid, immer Nägel in die Wand zu hauen, die dann sowieso krumm werden.“

Kreis-Landfrauenvorsitzende Sabine Block hat beobachtet: „Für die Frauen ist es sehr wichtig, dass sie unter sich bleiben, auch die Dozentin weiblich ist. Hier darf man alles fragen, ohne belächelt zu werden und ohne Angst vor männlichen Kommentaren.“ Das bekommt auch der LZ-Fotograf zu spüren. Als er sich vorsichtig in die lebhafte Diskussion der Frauen um die rechte Handhabung der Bohrmaschine einschaltet, gibts sogleich kontra: „Das wollen wir nicht hören“, sagt Block und stülpt ihm im Scherz die dicken Ohrschützer über — die Stimmung unter den Frauen ist jedenfalls genauso gut wie die Motivation. „Viele Frauen sind gleich sehr kreativ zu Werke gegangen“, freut sich Svenja Leder, „eine hat mit der Stichsäge ein großes Herz aus Holz als Hochzeitsgeschenk ausgesägt.“ Und fast alle wollen mehr: Einen dicken Stapel mit Vorschlägen haben die Landfrauen eingesammelt, wollen im nächsten Jahr neue Workshops anbieten: „Die Wünsche reichen vom Tapezieren und Lampen aufhängen bis zum Fliesenlegen und dem Umgang mit Flex und Kreissäge.“