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Bettina Jäckle und Sohn Joris haben im Kurpark einen Wetterballon, ausgestattet mit Fallschirm und Radiosonde, gefunden. Foto: t&w
Bettina Jäckle und Sohn Joris haben im Kurpark einen Wetterballon, ausgestattet mit Fallschirm und Radiosonde, gefunden. Foto: t&w

Vom Himmel in den Kurpark gestürzt

mm Lüneburg. Erst denkt Joris Jäckle, er hat einen Drachen entdeckt, der herabgefallen ist und nun herrenlos auf der Hundewiese im Kurpark herumliegt. Aber kann das sein? Der Sechsjährige nähert sich dem unbemannten Flugobjekt und stellt zusammen mit Mama Bettina Jäckle fest: Es ist ein Wetterballon. Doch warum landet er genau hier, wo kommt er her und warum blinkt noch ein rotes Lämpchen? Die beiden stellen nach ihrem Fund nähere Nachforschungen an.

Demnach ist es gar nicht so unwahrscheinlich, einen Wetterballon, mit dem der Deutsche Wetterdienst in der Atmosphäre Temperatur, Luftfeuchtigkeit, Windrichtung und -geschwindigkeit, misst, zu finden: Es gibt neun Aufstiegsstationen in Deutschland, zweimal pro Tag startet ein mit Helium gefüllter Ballon, „immer um 0 und um 12 Uhr“, sagt Gerhard Lux, Pressesprecher beim Deutschen Wetterdienst auf LZ-Nachfrage. Manchmal werden auch bis zu vier Ballons losgeschickt, das sei „bei kritischen Wetterverhältnissen“ der Fall, erklärt der Fachmann.

Das von Joris und Bettina Jäckle gefundene Objekt könnte, wie viele der Wetterballons, schon eine längere Reise hinter sich haben: „Es ist wahrscheinlich, dass der Ballon in Emden aufgestiegen ist“, meint Gerhard Lux. Dabei erreicht das ganze Gespann eine schwindelerregende Höhe.

Denn die Wetterballons, an denen eine Radiosonde, bestehend aus einem Sender und Messfühlern, hängt, steigen 20 bis 30 Kilometer in die Höhe. Die Gespanne legen dabei etwa 300 Meter in der Sekunde zurück. Wenn sie ihren höchsten Punkt erreicht haben, platzt der Ballon, das Gespann fällt, von einem Fallschirm gebremst, wieder zur Erde zurück.

Und landet im Kurpark, in den Händen von Joris. Er demonstriert, dass das Sendegerät noch ein- und ausgeschaltet werden kann, allerdings ist es jetzt nutzlos. „Die Leute vom Wetterdienst haben ihre Daten bekommen, für sie ist der Ballon nun Müll“, erklärt Bettina Jäckle ihrem Sohn.

Denn die Wetterdaten werden während des Aufstiegs gesammelt, das geschieht durch die Messfühler. Über den Sender werden die Informationen dann an die Empfangsstationen am Boden übertragen. Wenn der Ballon dann wieder auf der Erde niedergeht, ist sein Dienst vollendet, der erschlaffte Fallschirm und die Ballonfetzen, die Joris entdeckt hat, zeugen davon. Doch die kleine Radiosonde hat überlebt, wie das noch Rot blinkende Lämpchen anzeigt.

Radiosonde

Der Deutsche Wetterdienst (DWD) versieht seine Radiosonden stets mit sichtbar angebrachten Hinweis-Aufklebern sowie der Aufschrift „Gestartet vom Deutschen Wetterdienst“. In Randbereichen ist es nicht ausgeschlossen, dass auch Radiosonden benachbarter Wetterdienste aufgefunden werden können.

Bei Auffindung eines Radiosondengespanns gilt besonders beim Wetterballon besondere Vorsicht, falls der Ballon noch teilweise mit Gas gefüllt ist. Denn mancher Wetterballon kann leicht entzündbares Wasserstoffgas enthalten. Daher gilt: Wegen Explosionsgefahr kein offenes Feuer in der Umgebung des aufgefundenen Gespanns entzünden. An einigen Stationen wird aber auch schon ungefährliches Helium eingesetzt. Das Radiosondengespann sollte aufgrund der darin enthaltenen Batterie dem Sondermüll zugeführt, kann aber auch an den DWD zurückgeschickt werden.