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Gemeinsam wollen Kathrin Schmidt und Andreas Heincke vom Kirchenvorstand sowie Bärbel Stabe vom Dörferverein neuen Schwung in das Projekt Radegaster Pfarrhaus (Fachwerkhaus im Hintergrund) bringen. Foto: t&w
Gemeinsam wollen Kathrin Schmidt und Andreas Heincke vom Kirchenvorstand sowie Bärbel Stabe vom Dörferverein neuen Schwung in das Projekt Radegaster Pfarrhaus (Fachwerkhaus im Hintergrund) bringen. Foto: t&w

Radegast: Sie geben ihr Pfarrhaus nicht auf

off Radegast. Seit Jahren schon kämpfen die Kirchengemeinde Garlstorf/Radegast und der Dörferverein Elbmarsch um die Zukunft des ehemaligen Radegaster Pfarrhauses, jetzt wagen sie gemeinsam einen neuen Anlauf. In einer eigens eingerichteten Arbeitsgruppe hat der Dörferverein ein neues Konzept erarbeitet, am Sonntag stellen sie ihre Pläne beim Gemeindefest im Garten des Pfarrhauses erstmals öffentlich vor. Die Vision von Kirchengemeinde und Dörferverein: Aus dem alten Pfarrhaus wird eine offene Begegnungsstätte für Einwohner und Gäste.

Fünf Nutzungs-Schwerpunkte stellen sich die Verantwortlichen für die Zukunft vor. Erstens: Die Kirchengemeinde soll im sanierten Pfarrhaus wieder ein Zuhause bekommen und einen eigenen Raum beziehen. Zweitens: Der ehemalige Wirtschaftsteil des Hauses wird zu einem öffentlichen Multifunktionsraum für Nutzergruppen aus der Elbmarsch, aber auch darüber hinaus. Drittens: Für Touristen und Besucher stehen öffentliche Toiletten bereit. Viertens: Im großen Pfarrgarten könnten Zeltlager, Wochenendcamps und ähnliches stattffinden. Und fünftens: Im vorderen Teil des Hauses entsteht eine 90 Quadratmeter große Wohnung, die Einnahmen aus der Vermietung sollen einen Großteil der Unterhaltungskosten für das Gebäude decken.

„Wir haben aus den ersten beiden Anläufen gelernt und das neue Konzept entsprechend angepasst“, sagt Andreas Heincke vom Vorstand der Kirchengemeinde. Interessenten für die Nutzung des Gebäudes gibt es bereits, „nur die Finanzierung können wir alleine nicht stemmen“. Eigenmittel besitzt die Kirchengemeinde aus dem Verkauf des Gemeindehauses in Garlstorf und des Radegaster Pfarrwitwenhauses, außerdem winken Fördermittel aus dem laufenden Dorferneuerungsprogramm. „Reichen wird das allein allerdings nicht“, sagt Heincke, „deswegen sind wir für dieses Projekt auf weitere Spenden und Sponsoren angewiesen.“

Die Kirchengemeinde könnte das alte Pfarrhaus als Eigentümerin auch einfach verkaufen, den Kampf um eine Neunutzung endlich aufgeben. Doch Kirchenvorstand und Dörferverein sind von dem Projekt überzeugt. „Wir wollen das historische Ensemble aus Kirche, Pfarrwitwenhaus und Pfarrhaus erhalten“, sagt die Vorsitzende des Dörfervereins, Bärbel Stabe. „Noch wichtiger ist uns allerdings, mit dieser Begegnungsstätte etwas für die Menschen hier in der Elbmarsch und darüber hinaus zu tun.“

In ihrem Konzeptpapier schreiben Kirchengemeinde und Dörferverein: „Ein Haus, das seit zwei Jahrhunderten Mittelpunkt der Kirchengemeinde Radegast und ein wesentlicher Bestandteil des dörflichen Lebens ist, stellt einen kulturellen Wert da, den es auch für kommende Generationen zu erhalten gilt. Wir sehen dieses Projekt als Beispiel, wie wir negativen Auswirkungen des Strukturwandels im ländlichen Raum etwas entgegensetzen können.“

Wer mehr über das Projekt „Pfarrhaus“ erfahren oder einfach nur das Sommerfest der Kirchengemeinde genießen möchte, ist am Sonntag, 30. August, um 14 Uhr, herzlich eingeladen in den Pfarrgarten Radegast. „Das Lille Kartofler Figurentheater“ spielt das Stück „Die Bremer Stadtmusikanten“, ein Stück mit Bodenpuppen für die ganze Familie. Im Anschluss gibt es Kaffee und Kuchen. Um 17 Uhr findet ein Gottesdienst in der Kirche statt. Der Eintritt ist frei, Kuchenspenden sind herzlich willkommen.

Die Vorgeschichte

Bis 2009 diente das historische Fachwerkgebäude, Baujahr 1816, neben der Kirche als Büro und Wohnhaus des Pastors oder der Diakonin, dann verlor die Kirchengemeinde Garlstorf/Radegast ihre eigene Pfarrstelle und es war klar: Es kann nur noch ein Gemeindezentrum gehalten werden, das ehemalige Pfarrhaus in Radegast oder das kirchliche Gemeindehaus in Garlstorf.

Gemeinsam entwickelten der frisch gegründete Dörferverein und die Kirchengemeinde daraufhin einen Plan mit zwei wesentlichen Schritten. Erstens: Die Kirchengemeinde verkauft das Garlstorfer Gemeindehaus an die Stadt Bleckede, die es zu einem Dörfergemeinschaftshaus umbaut. Zweitens: Mit dem Erlös werden Umbau und Neunutzung des Radegaster Pfarrhauses finanziert.

Das Dörfergemeinschaftshaus Garlstorf ist inzwischen längst in Betrieb, mit Mitteln aus der Dorferneuerung zu einem neuen Zentrum der vier Elbmarschdörfer Brackede, Garlstorf, Radegast und Wendewisch umgebaut worden. Die ersehnte Neugestaltung des Radegaster Pfarrhauses hingegen stockt. Die erste Idee für den Umbau zu einer Radlerunterkunft mit Café und zum kulturellen Teffpunkt für die Elbmarsch scheiterte an der Finanzierung.

Beim zweiten Anlauf fehlte es an ausreichend Zeit, um den vorgegebenen Förderzeitraum der Dorferneuerung einhalten zu können. Inzwischen ist die Dorferneuerung für die Elbmarsch in die zweite Runde gegangen. „Und wir werden alles geben, um unser Ziel dieses Mal zu erreichen“, sagt Bärbel Stabe vom Dörferverein. off