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Einen Turmbläser wie Manfred Toews hat LZ-Praktikant Tjark Thönßen noch in keiner anderen Stadt erlebt. Der Bläser war darum seine erste Wahl für die Aufnahmen typischer Lüneburg-Klänge. Foto: t&w
Einen Turmbläser wie Manfred Toews hat LZ-Praktikant Tjark Thönßen noch in keiner anderen Stadt erlebt. Der Bläser war darum seine erste Wahl für die Aufnahmen typischer Lüneburg-Klänge. Foto: t&w

Der Sound der Stadt +++ Mit LZplay-Video

cec Lüneburg. Wie klingt Lüneburg? Welche Geräusche sind typisch für die Salzstadt? Welche Klänge hören die Menschen hier gerne, welche empfinden sie als unangenehm? Fragen, denen sich das Mitmach-Projekt Stadtklang 2015 des Wissenschaftsjahres Zukunftsstadt widmet, eine ­Initiative des Bundesministeriums für Bildung und Forschung. In dem Experiment, das noch bis 30. September läuft, sind alle aufgefordert, charakteristische Geräusche ihrer Stadt zu entdecken, mit dem Smartphone (oder anderen Tonträgern) aufzunehmen und auf der Webseite www.stadtklang2015.de auf eine Klangkarte hochzuladen. LZ-Praktikant Tjark Thönßen probiert es aus, macht sich auf die Suche nach besonderen Klängen, die einen hohen Wiedererkennungswert haben. Mit dabei ist das Team von LZplay, denn Töne lassen sich mit einem Mikro eben doch besser einfangen, als mit einem Stift.

Erste Aufnahme: Morgens um 8.30 Uhr klettert Tjark hinter Manfred ­Toews die 200 Stufen zum Glockenturm der St. Johanniskirche hinauf. Frühsport, mit dem Toews sich seit bald 37 Jahren fit hält. Er ist der Turmbläser von St. Johannis. Jeden Morgen spielt er ein Lied in alle vier Himmelsrichtungen auf seinem Flügelhorn. Montags beginnt er mit dem Wochenlied des Sonntagsgottesdienstes, dienstags folgt gegebenenfalls das zweite. „Ab Mittwoch blase ich dann, wonach mir ist, je nach Stimmungslage“, sagt Toews, „natürlich passend zu den kirchlichen Jahreszeiten.“ Ein Ritual, das Tjark, der aus Dithmarschen kommt, begeistert: „So etwas habe ich woanders noch nicht gehört.“

Zweite Aufnahme: Weiter gehts zur Brausebrücke. Hier wird regelmäßig der Vorspann der Serie Rote Rosen gedreht. Verliebte hängen als Zeichen ihrer Verbundenheit Vorhängeschlösser ans Geländer. Und auch Tjark wird hier romantisch: „Ich mag die Atmosphäre, die durch das Geräusch des Wassers vor dem Hintergrund der malerischen Stintmarkt-Kulisse entsteht.“

Dritte Aufnahme: Ein paar Schritte weiter ist am frühen Vormittag schon reichlich Krach. Auf der Baustelle des Lösecke-Hauses am Stintmarkt läuft für die Gründung der letzten Stahlbeton-Pfähle, auf denen der neue Bau aufgesetzt wird, der Kernbohrer.

Aus dem Kellergeschoss dringt der Lärm eines Stemmhammers. Musik in Tjarks Ohren, denn: „Dass inmitten der eigentlichen Idylle des Stintmarktes in so einem Umfang noch einmal gebaut wird, hat zwar keinen schönen Hintergrund, aber es ist sehr erfreulich, dass das Haus wieder aufgebaut wird.“

Vierte Aufnahme: Nicht nur die, sondern sämtliche Sinne spricht das Treiben auf dem Lüneburger Marktplatz an. Für Tjark nicht unbedingt stadttypisch, denn Märkte gebe es in jeder Stadt. Dennoch hat er einen Tonmitschnitt am Obst- und Gemüsestand von Spargel-Heinrich gewählt, aus persönlichen Gründen: „Auf dem Markt einzukaufen, ist mein Samstagsmorgenritual.“

Fünfte Aufnahme: Seltenheitswert hat das Glockenspiel aus Meißner Porzellan im Lüneburger Rathaus. In den warmen Monaten ertönen um 8, 12 und 18 Uhr verschiedene Liedzyklen des früheren Lüneburger Komponisten Johann Abraham Peter Schulz für den Frühling, den Sommer und den Herbst. Nur wenige Glockenspiele aus der berühmten Manufaktur läuten noch in Deutschland. „Das ist eine besondere Rarität, musste darum mit in die Auswahl“, sagt der Praktikant der LZ-Redaktion.

Sechste Aufnahme: Der Buslärm am Sande. Unvermeidlich, aber nicht unvergleichlich, dennoch auf Tjarks Liste: „Denn der Bus ist für mich Fortbewegungsmittel Nummer 1“.

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Wie hört sich Lüneburg an?

Neben den sechs Tonmitschnitten sind Tjark Thönßen noch eine ganze Menge mehr Klänge eingefallen, die typisch für die Lüneburger Kulisse sind und eine Aufnahme verdient hätten, die Kutschen, die Leuphana-Baustelle, etc. Aber er wollte natürlich noch welche übrig lassen für unsere Leser. Sich selbst auf Geräusch-Suche zu machen, kann er nur wärmstens ans Herz legen: „Städte nehme ich primär mit den Augen auf, es war sehr spannend, den Fokus auf die Ohren zu richten und das Sehen ins Abseits rücken zu lassen.“ Wie hört sich Lüneburg für Sie an? Welche Klänge machen unsere Stadt aus? Senden Sie uns Ihre MP3-Datei an die E-Mail-Adresse jj@landeszeitung.de. Wir erstellen, wenn die Resonanz gut ist, mit Ihren Beiträgen am Ende eine Lüneburg-Klang-Collage auf unserer Webseite: www.landeszeitung.de.