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Lehrerin Ilka Arndt in der Sprachlernklasse in der Heiligengeistschule, die Kapazitäten für solche Angebote sind in Lüneburg längst erschöpft. Und es kommen noch viel mehr Kinder. Foto: t&w
Lehrerin Ilka Arndt in der Sprachlernklasse in der Heiligengeistschule, die Kapazitäten für solche Angebote sind in Lüneburg längst erschöpft. Und es kommen noch viel mehr Kinder. Foto: t&w

Die Sprache wird zum Schlüssel

as Lüneburg. Ein Ende des Zustroms von Flüchtlingen ist nicht in Sicht. Der Bund hat jüngst seine Prognose deutlich nach oben korrigiert. Voraussichtlich bis zu 800000 Menschen werden bis zum Ende des Jahres in Deutschland Asyl beantragen. Die Hansestadt Lüneburg geht nun davon aus, dass sie gemäß der nächsten Quote für die Unterbringung von weiteren 750 Flüchtlingen sorgen muss. Die vom Bund angekündigte Milliarde, die für die Unterbringung, medizinische Versorgung und Ernährung der Flüchtlinge an Länder und Kommunen fließen soll, hält die Stadt bei weitem für nicht ausreichend.

Derzeit leben in Lüneburg 470 Flüchtlinge, davon sind 391 in Gemeinschaftsunterkünften untergebracht. Die Kosten pro Flüchtling pro Jahr belaufen sich für Unterbringung auf rund 10000 Euro plus 2000 Euro für Gesundheitskosten. Wenn weitere 750 Flüchtlinge kommen, bedeutet das weitere Kosten von rund neun Millionen Euro pro Jahr. Mit Blick auf die möglichen 800000 Menschen bundesweit hat Lüneburgs Pressesprecher Daniel Gritz hochgerechnet: „Bund und Länder müssten insgesamt zehn Milliarden Euro bereitstellen, damit die Kosten der Kommunen gedeckt werden.“ Außerdem müsse garantiert sein, dass auch in den kommenden Jahren ausreichend Mittel fließen. Sechs Einrichtungen in der Stadt bieten derzeit Unterkünfte. Im Meisterweg, der über 100 Plätze verfügt, leben 71 Menschen, in zwei Gebäuden im Schlieffenpark (216 Plätze) 81 und 75 Personen, in den mobilen Anlagen am Ochtmisser Kirchsteig und in Rettmer mit jeweils 100 Plätzen 83 und 75 Personen. In der Papenburg sind es zurzeit elf Personen (Kapazität 30). Zum 1. Oktober soll dann eine weitere Unterkunft am Vrestorfer Weg bezugsfertig sein. Doch all das wird nicht ausreichend sein mit Blick auf die weiteren Zuweisungen durch das Land.

Oberbürgermeister Ulrich Mädge hat bereits in den vergangenen Monaten deutlich gemacht, dass man zusätzliche Standorte prüfe. Bei der Ratssitzung im September gibt es einen Zwischenbericht. Eng wird es auch, weil die stark renovierungsbedürftige Einrichtung am Meisterweg erneuert werden soll.

Mit dem Flüchtlingsstrom kommen auch immer mehr Kinder nach Lüneburg. Laut Pia Steinrücke, Fachbereichsleiterin Soziales und Bildung, leben in Lüneburg 70 Flüchtlingskinder, 30 davon in der Altersgruppe von 6 bis 16 Jahren. Von ihnen besuchen 14 die Grundschule, 16 eine Oberschule. Zur Integration bedarf es auch der Sprachförderung. Dazu gibt es unterschiedliche Fördermaßnahmen. Für ausländische Kinder im Grundschulalter wurde zum Beispiel eine Sprachlernklasse an der Heiligengeistschule eingerichtet. Doch die platzt, wie berichtet, aus allen Nähten.

„Weitere Sprachlernklassen gibt es an der Oberschule am Wasserturm und an der Christianischule sowie an der IGS Embsen und an der BBS II“, sagt Bianca Schöneich, Pressesprecherin der Niedersächsischen Landesschulbehörde, Regionalabteilung Lüneburg. Dazu kämen Angebote wie zum Beispiel Förderkurse Deutsch als Zweitsprache.

Laut Pia Steinrücke sind die Angebote stark ausgelastet. „Ergänzend bekommen die Kinder aus Flüchtlingsfamilien Unterstützung von ehrenamtlichen Personen, die beim Spracherwerb und Schulbesuch helfen. Zudem gibt es bei den freien Trägern Kulturmittler und Bildungspaten, etwa bei der Awo. Aus meiner Sicht reichen Angebote in den Schulen nicht aus, wenn mehr Flüchtlingskinder nach Lüneburg kommen. Weitere Kapazitäten braucht es dringend auch für die berufsbildenden Schulen, da wir im kommenden Jahr mit einer steigenden Zahl von minderjährigen unbegleiteten Flüchtlingen rechnen“, sagt Steinrücke.

Ob und wie sich das Land dazu aufstellt, konnte Bianca Schöneich gestern nicht sagen. „Das Kultusministerium wird nächste Woche bekannt geben, wie viele Flüchtlingskinder landesweit beschult werden und welche Sprachförderangebote eventuell noch zusätzlich eingerichtet werden.“