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Radler auf dem Zebrastreifen haben keine Vorfahrt gegenüber dem Autoverkehr, wenn sie fahren statt schieben. Foto: tt
Radler auf dem Zebrastreifen haben keine Vorfahrt gegenüber dem Autoverkehr, wenn sie fahren statt schieben. Foto: tt

Was Radfahrer dürfen

as Lüneburg. Von wegen Autofahrer-Nation Radeln ist im Trend. Laut einer aktuellen Studie treten 67 Prozent aller Erwachsenen regelmäßig in die Pedale. In Lüneburg liegt der Radverkehrsanteil bereits bei 25 Prozent, Tendenz steigend. Radler klagen: Es fehle an Parkflächen, die Wege seien teils schlecht. Umgekehrt wird auch die Kritik an Radlern immer lauter, mal zu Recht, weil manche die Regeln sehr eigen auslegen, mal zu Unrecht, weil auch Passanten Schilder und Straßenverkehrsordnung, wie es ihnen passt, interpretieren. Die LZ hat Lüneburgs Polizeisprecher Kai Richter gebeten, zur „Deeskalation“ über Rechte und Pflichten aufzuklären.

Müssen Radfahrer auf dem Radweg fahren, wenn es einen gibt?
Kai Richter: Grundsätzlich gilt: Radfahrer haben die Fahrbahn zu benutzen, wenn keine Benutzungspflicht für ausgewiesene Radwege besteht. Die Benutzungspflicht besteht immer dann, wenn das die entsprechenden Verkehrszeichen „Sonderweg Radfahrer“, „Getrennter Rad- und Gehweg“ sowie „Gemeinsamer Rad- und Gehweg“ ausweisen. Rechte Radwege dürfen auch ohne diese Beschilderung genutzt werden, linke nur mit dem Zusatzzeichen „Radverkehr frei“. Ferner dürfen Radfahrer den rechten Seitenstreifen auf der Fahrbahn/Schutzstreifen nutzen, wenn keine Radwege vorhanden sind.
Kinder bis einschließlich 8. Lebensjahr müssen auf Gehwegen radeln, Kinder bis zum 10. Lebensjahr dürfen es. Allerdings gilt es, besondere Rücksicht auf Füßgänger zu nehmen.

Dürfen Radler durch Fußgängerzonen fahren?
Richter: Nein, sie müssen absteigen und schieben. Es sei denn, eine Zusatzbeschilderung gibt das frei. Danach haben in den Fußgängerzonen der Lüneburger Innenstadt Radfahrer von 18 Uhr abends bis 10 Uhr morgens freie Fahrt. Fußgängerzonen dürfen nur mit Schrittgeschwindigkeit befahren werden. Fußgänger haben Vorrang und dürfen nicht behindert oder gefährdet werden.

Haben Radfahrer beim Überqueren des Zebrastreifens die gleichen Rechte wie Fußgänger?
Richter: Entgegen einer gängigen, aber irrigen Meinung haben Radfahrer, die fahrend einen Zebrastreifen überqueren, keinen Vorrang gegenüber dem Autoverkehr. Vorrang haben nur Fußgänger oder Radfahrer, die ihr Rad schieben.

Dürfen Radler nebeneinander fahren?
Richter: Mit Fahrrädern muss einzeln hintereinander gefahren werden. Nebeneinander darf nur gefahren werden, wenn der Verkehr dadurch nicht behindert wird.

Stöpsel im Ohr und radelnd Musik hören ist das erlaubt?
Richter: Verboten sind Ohrhörer nur, wenn das Gehör wesentlich beeinträchtigt wird.

Verliert man seinen Führerschein, wenn man betrunken radelt?
Richter: Grundsätzlich verliert man seinen Führerschein nicht, wenn man alkoholisiert Rad fährt. Die Grenze zur absoluten Fahruntüchtigkeit von Radfahrern liegt laut Rechtsprechung bei 1,6 Promille. Mit dem Erreichen dieses Wertes macht sich der Radfahrer strafbar wegen einer Trunkenheitsfahrt nach Paragraf 316 Strafgesetzbuch. Allerdings kann man sich schon bei einem Promillewert von 0,3 strafbar machen und muss bei einem Unfall möglicherweise haften, wenn es aufgrund des Alkohols zu Fehlern beim Radfahren kommt. Grundsätzlich können die Führerscheinstellen bei entsprechenden festgestellten Straftaten unter Alkoholeinfluss die Fahreignung der Person im Rahmen einer Medizinisch-Psychologischen-Untersuchung prüfen lassen. Bei entsprechendem Promillewert könnte auch ein Entzug der Fahrerlaubnis die Folge sein.

Ist es verboten, beim Radfahren einen Hund an der Leine zu führen?
Richter: Nein. Allerdings besteht hier besondere Sorgfaltspflicht gegenüber dem Tier sowie gegenüber anderen Verkehrsteilnehmern, so dass diese nicht behindert, gefährdet oder belästigt werden. Der Hund sollte an der Fahrbahn abgewandten Seite laufen.

Darf man mit Handy radeln?
Richter: Nein. Schon das Gerät während der Fahrt in der Hand zu halten oder/und es zu benutzen, ist verboten und kostet 25 Euro Verwarngeld.

Perspektivwechsel
Kai Richter appelliert: Das Verhalten im Straßenverkehr sollte nicht ein Gegeneinander, sondern ein Miteinander sein, so dass keiner geschädigt, gefährdet, behindert oder belästigt wird. Um sich in die Rolle anderer Verkehrsteilnehmer hinein versetzen zu können, sei ein Perspektivwechsel empfehlenswert.
Mehr Unfallopfer
Im Landkreis waren 2014 mehr Radfahrer in Verkehrsunfälle verwickelt als im Jahr zuvor. 2013 waren es 255, die Zahl stieg 2014 auf 276. Davon wurden 207 Radler bei Unfällen verletzt (28 schwer, 179 leicht). Im Jahr zuvor wurden 184 der 255 Radler verletzt (17 schwer und 167 leicht).

5 Kommentare

  1. Hans Georg Heiboldt

    Wen interessieren denn „Regeln“ seitens der Drahteselfahrer. Wer den Mund aufmacht und auf böse und gefährliche Dinge Aufmerksam macht, kriegt entweder eine Beule ins Auto oder Schläge.

    • Wenn ein Kleinkind z.B. 4 Jahre auf dem Gehweg radeln muss, darf es dann von einem Erwachsenen mit dem Fahrrad begleitet werden, um sofort Zugriff zu haben und evt. Unfälle zu verhindern. Z.b. Durch Querstraßen und Einfahrten. (Natürlich nur, wenn die Belebung des Gehweg es zulassen)?

  2. Es darf begleitet werden, aber nicht mit dem Fahrrad auf dem Fussweg. Man müsste dann zu Fuss neben einem so kleinen Kind herlaufen. Das Fahren auf dem Bürgersteig ist mit Ausnahme von Kindern verboten.
    Wie sollte dies auch praktiziert werden? Wenn schon 2 nebeneinander fahren, mus der Fussgänger dann auf die Fahrbahn ausweichen?
    Übrigens ist der am weitesten vrbreitete Irrglaube, das man als Radfahrer den Zebrastreifen, alao den „Fussgängerüberweg“ benutzen darf und so wie man Lust hat hinüberrasen darf-der dumme Autofahrer hat ja zu halten.

  3. Hermann Brakelmann

    Danke an Herrn Richter und die Landeszeitung für den Versuch, mit dem ewigen Mythos vom allumfassenden Radwegzwang aufzuräumen. Hat aber leider nix genützt. Wurde heute schon wieder auf der Bleckeder Landstraße von wildgewordenen Dosentreibern geschnitten, angeblökt und angetrötet. Gibt es noch irgendeine andere Regelung in der StVO von so großer Bedeutung, die dermaßen unbekannt ist?
    Ein Verkehrsteilnehmer aus Berlin mußte jetzt sogar das Bundesverkehrsministerium über den Petitionsausschuß des Deutschen Bundestages zwingen, die Bevölkerung darüber aufzuklären, daß Radfahren auf der Fahrbahn seit 17 (!!!) Jahren der Normalfall ist. Der Petitionausschuß hat die Eingabe an alle 16 Landesparlamente weitergeleitet:
    http://www.zeit.de/mobilitaet/2015-07/fahrradweg-nutzungspflicht-verkehrsregeln-kenntnis
    Wann wird dieses Informationsdefizit in Niedersachsen endlich beseitigt? Eine vorgeschriebene Aufklärung in der Fahrschulausbildung wäre immerhin schon mal ein Anfang.

  4. Meine Erfahrung ist, dass je mehr gesetzlich geregelt wird die Menschen immer Stärker auf ihr vermeintliches Recht pochen anstatt Rücksicht zu nehmen und achtsam miteinander umzugehen. Der gesunde Menschenverstand geht folglich bei steigender Regulierung verloren, weil er nicht mehr zählt und nicht mehr gebraucht wird. Recht geht dann vor Abschätzung, Augenmaß und Situationsbedingter Vernunft.