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Kai Wonneberger und Katja Schmalfuß mit Eddie, einem sogenannten Kampfhund. Die Gemeinde behauptet in ihrer Hundesteuersatzung, diese Rasse sei von Geburt an gefährlich. Wissenschaftler und Ministerium widersprechen. Foto: t&w
Kai Wonneberger und Katja Schmalfuß mit Eddie, einem sogenannten Kampfhund. Die Gemeinde behauptet in ihrer Hundesteuersatzung, diese Rasse sei von Geburt an gefährlich. Wissenschaftler und Ministerium widersprechen. Foto: t&w

Kampf um Eddies Ehre – Embsener müssen für Staffordshire Bull Terrier 600 Euro Hundesteuer zahlen

off Embsen. Eddie ist zwei und Kurts bester Freund. Sie liegen gemeinsam im Körbchen, Eddie leckt Kurt liebevoll das Fell — und wenn man den Kater fragen könnte, würde er vermutlich antworten, Eddie sei der liebste Hund der Welt. Offiziell allerdings ist Eddie in seiner Heimatgemeinde einer der „gefährlichen Hunde“. Nicht weil er irgendetwas ausgefressen hätte, in Embsen reicht es, dass er als English Staffordshire Bull Terrier zur Welt gekommen ist. Als Konsequenz muss Herrchen Kai Wonneberger für ihn 600 statt 30 Euro Hundesteuer im Jahr zahlen. „Eine himmelschreiende Ungerechtigkeit“, findet der Embsener — und kämpft nun für Eddies Ehre. Mit Unterstützung von höchster Stelle.

Eddie liegt mit ausgetreckten Beinen im Garten, Kai Wonneberger und Lebensgefährtin Katja Schmalfuß sitzen auf der Terrasse und erzählen, wie alles anfing mit ihm. Schon seit Jahren kennen die beiden die Hunderasse von einer Freundin aus Berlin — und für Katja Schmalfuß war immer klar: „Wenn mal ein Hund, dann so einer.“ Kai Wonneberger ist als Sohn eines Zollhundeführers mit Hunden aufgewachsen und wusste sofort, als er Eddie als Welpen bei einer befreundeten Züchterin in Uelzen sah: „Wenn, dann der.“

Zwei, drei Wochen überlegten die beiden, dann fiel die Entscheidung. Für Eddie. „Und für diese Rasse“, sagt Wonneberger. Dass Staffordshire Bull Terrier als „Kampfhunde“ ein schlechtes Image in Deutschland haben, viele Menschen glauben, die Rasse sei aggressiv und gefährlich, wussten die Embsener. „Aber wir wussten auch, dass das völliger Blödsinn ist. Oder warum nennt man diese Hunde in England Nanny-Dogs?“, sagt Wonneberger.

Tatsächlich sind die „Kindermädchen-Hunde“ in England als Familientiere weit verbreitet. Und auch Wonneberger vertraut auf Eddie: „Er liebt Menschen, hat sich noch nie auch nur ansatzweise aggressiv gezeigt.“ Die Hundesteuersatzung in Embsen indes legt einen anderen Schluss nahe, dort wird Eddie als einer der Hunde verurteilt, „bei denen nach ihrer besonderen Veranlagung, Erziehung und/oder Charaktereigenschaft die erhöhte Gefahr einer Verletzung von Personen besteht oder von denen eine Gefahr für die öffentliche Sicherheit ausgehen kann“. Eine Einordnung, die ähnlich auch in vielen anderen Gemeinden besteht — die allerdings selbst das Agrarministerium in Hannover für haltlos hält.

Anders als die Hundesteuersatzung der Gemeinde Embsen verzichtet das Niedersächsische Hundegesetz darauf, einen Hund aufgrund seiner Rasse per se als gefährlich zu verurteilen. Stattdessen gelten nur die Hunde als gefährlich, die wegen Auffälligkeiten gemeldet, von der Fachbehörde überprüft und tatsächlich als Gefahr eingestuft wurden. In Stadt und Landkreis Lüneburg trifft das auf insgesamt 15 Hunde zu, „darunter sind viele Rassen“, sagt Jochen Gronholz vom Veterinäramt, „aber kein einziger sogenannter Kampfhund.“

Dass die Mehrzahl der vemeintlich gefährlichen Rassen vom Wesen her friedliche Tiere sind, ist auch das Ergebnis einer Studie der Tierärztlichen Hochschule (TiHo) Hannover. „Wir haben über zehn Jahre weit mehr als 1000 Wesenstests ausgewertet“, sagt Prof. Dr. Hansjoachim Hackbarth, Leiter des Instituts für Tierschutz und Verhalten. Und weniger als zwei Prozent der sogenannten Kampfhunde-Rassen seien in irgendeiner Form negativ aufgefallen, soll heißen: „Diese Hunde sind nicht per se aggressiv.“ Wer sie trotzdem höher besteuert, „kann ebenso gut Besitzer weißer Hunde zur Kasse bitten“, sagt Hackbarth. „Auch wenn es für viele nicht ins Bild passt: Bull Terrier sind sozialverträglicher als Labradore.“

Und trotzdem: Der schlechte Ruf der Hunde hält sich hartnäckig. Und das liegt vor allem an Schlagzeilen wie „Bulldogge beißt zwei Mädchen in die Klinik“ oder „Kampfhund beißt Kind in den Kopf“. Der wohl bekannteste Beißvorfall und zugleich Ausgangspunkt unterschiedlichster Verordnungen im ganzen Land: die tödliche Attacke eines American Pit Bull Terrier und eines American Staffordshire Terrier auf den sechsjährigen Volkan im Jahr 2000 in Hamburg.

Unbestritten ist: Hunde wie Eddie verfügen über besonders hohe Beißkraft — und wenn sie angreifen, können sie besonders schwere Verletzungen verursachen. „Doch das macht sie nicht zur Bestie“, sagt Kai Wonneberger. „Das macht erst der Mensch.“ Weil Rassen wie Eddies angeblich gefährlich aussehen, viele Menschen aus Angst vor ihnen die Straßenseite wechseln, würden sie oft von den falschen Leuten gehalten und aggressiv gemacht. Ähnlich sieht es das Landwirtschaftsministerium. „Das Problem liegt primär nicht beim Hund“, erklärt Sprecher Klaus Jongebloed, „sondern am anderen Ende der Leine.“

Kai Wonneberger würde der Gemeinde Embsen mit einem Wesenstest gerne beweisen, dass Eddie kein „gefährlicher Hund“ ist. Doch so ein Test ist in der Hundesteuersatzung nicht vorgesehen. Auf Nachfrage erklärt Gemeindedirektor Peter Gentemann: „Uns wurde die Regelung für gefährliche Hunde nach dem Beißvorfall in Hamburg 2000 vom Städte- und Gemeindebund empfohlen, und wir hatten bisher keinen Grund sie zu ändern.“ Ob Eddie einer werden könnte? Wonneberger würde es sich wünschen. „Weniger wegen der 600 Euro“, sagt er, „sondern weil diese Regelung diskriminierend ist und so wunderbaren Hunden wie Eddie einfach Unrecht tut.“

Warum eigentlich „Kampfhund“?
Kampfhunde im eigentlichen Sinn sind Hunde, die zu Tierkämpfen eingesetzt wurden. Im 18. und 19. Jahrhundert hatten die Hundekämpfe ihre Blütezeit, in den Arenen kämpften alle möglichen Rassen nicht nur gegen Hunde, sondern auch gegen andere Tiere wie Dachse, Wölfe oder auch Bullen. Mit Zunahme der Kämpfe Anfang des 19. Jahrhunderts kreuzten die Briten verschiedene Terrierarten mit Bulldoggen zum Bull-and-Terrier — den Vorfahren vieler Rassen, die heute als Kampfhunde verschrien sind.

Das wichtigste Wesensmerkmal war damals neben Kraft, Schärfe und Furchtlosigkeit das Unterscheidungsvermögen zwischen Mensch und Tier, denn die Hunde mussten sich im Kampf problemlos vom Menschen trennen lassen. Nach dem Tierkampf-Verbot 1835 in England schätzte man Bull-and-Terrier in England vor allem als Rattenbekämpfer.

Die FCI (Fédèration Cynologique Internationale) beschreibt das Idealbild des Wesens des Staffordshire Bullterriers im Rassestandard so: „Traditionell von unbeugsamem Mut und Hartnäckigkeit. Hochintelligent und liebevoll, besonders zu Kindern. Tapfer, furchtlos und absolut zuverlässig.“ In Großbritannien rangierte der „Nanny-Dog“ in der Welpenstatistik 2012 auf Platz 8.

One comment

  1. ob die gemeinde embsen wohl lernfähig ist? ich befürchte nein. sogenannte gen-thesen haben schon viel schaden angerichtet. ob bei mensch, oder tier.