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Der Börsenhändler möchte am liebsten die Augen verschließen, die chinesische Wirtschaft wackelt und die Kurse auch.  Auch deutsche Exporteure machen sich Gedanken. Die LZ hat bei Lüneburger Unternehmen nachgefragt. Foto: dpa
Der Börsenhändler möchte am liebsten die Augen verschließen, die chinesische Wirtschaft wackelt und die Kurse auch. Auch deutsche Exporteure machen sich Gedanken. Die LZ hat bei Lüneburger Unternehmen nachgefragt. Foto: dpa

Der Domino-Effekt

as/ca Lüneburg. Jahrelang kannte die chinesische Wirtschaft nur eine Richtung: aufwärts. Davon profitierten auch deutsche Unternehmen. Doch nun kühlt das Wachstum auf dem riesigen Markt ab, trotz Stützung der Regierung. Und so kümmert es Firmen nun doch, wenn in Peking der berühmte Sack mit Reis zu viel umfällt. Ein Bilck auf die Region.

Laut Grit Preibisch, Pressesprecherin der IHK Lüneburg-Wolfsburg, gibt es im Landkreis Lüneburg 139 Unternehmen, die mit China in Verbindung stehen in Form von Im- und Export, Auslandsvertretungen, Niederlassungen, Produktionsstätten, Lizenz- und Kooperationsverträgen.

Auf Nachfrage bei Betrieben in Stadt und Landkreis, die Wirtschaftskontakte nach China besitzen, hieß es bei eingen knapp: Wir äußern uns nicht zu dem Thema. Anders bei mit mehr als 1000 Jobs einem der größten Arbeitgeber in Lüneburg: Fanfeng. Eigentlich, so würde man denken, müsse ein Unternehmen, das in einer chinesischen Kooperation arbeitet, Auswirkungen der Umbrüche spüren. Doch der Lüneburger Werksleiter des Autozulieferers, Werner Pertek, sagt: „Uns betrifft das nicht.“ Yanfeng, ehemals Johnson Controls, betreibt Werke in der Goseburg und an der Lüner Rennbahn, stellt unter anderem Instrumententafeln her. Doch die Produkte von der Ilmenau landen in Fahrzeugen für den europäischen Markt: „Daher sind wir nicht betroffen.“

Jürgen Enkelmann, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung von Stadt und Kreis, weist daraufhin: „Unsere Region ist sehr mittelständisch aufgestellt, da werden die Folgen der Kurseinbrüche in China in der Breite erst verzögert ankommen, wenn der Trend länger anhält. Allerdings können einzelne Unternehmen mit hohem Exportanteil nach China schon jetzt stark betroffen sein.“

Andererseits seien rückläufige Wachstumsraten nicht überraschend, „da Insidern seit längerem klar ist, dass auch eine große Volkswirtschaft wie China nach Jahren eines überdurchschnittlichen Wachstums an Grenzen stößt“.

Enkelmann teilt auch die Meinung von Wirtschaftsexperten, dass das Land erhebliche wirtschaftliche Reserven habe, sodass es wie bereits geschehen eigene Stützungen vornehmen könne.

Eine seriöse Prognose, wohin die Aktien aufgrund der Einbrüche in China gehen, lasse sich nicht geben, sagt Ulrich Adam, Bereichsleiter Private Banking für Unternehmerfamilien bei der Sparkasse Lüneburg. „Eine Korrektur der Aktienmärkte haben wir schon länger erwartet, allerdings nicht in der Deutlichkeit.“

Doch weil das so sei, sehe er aktuell gute Einstiegschancen für Anleger. „Denn wir gehen davon aus, dass die Weltwirtschaft weiter wachsen wird.“ Adam macht auch deutlich, dass von den starken Schwankungen überwiegend Aktien betroffen sind. Wer also auf der sicheren Seite sein will, sollte sein Portfolio aus verschiedenen Wertpapieren zusammensetzen, also neben Aktien auch zum Beispiel in festverzinsliche Wertpapiere oder Rohstoffe investieren. Mit Hilfe von Investmentfonds sei es jedem Anleger möglich, seine Geldanlagen zu streuen.