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Tausende Besucher säumen die Straßen beim großen Festumzug in Wittorf. Selbst das anfängliche Regenwetter konnte die Laune nicht verderben. Foto: t&w
Tausende Besucher säumen die Straßen beim großen Festumzug in Wittorf. Selbst das anfängliche Regenwetter konnte die Laune nicht verderben. Foto: t&w

Rauschende Jubiläumsfete – Tausende Gäste feiern 60 Jahre Heideblütenfest Wittorf + + + Mit Fotogalerie und LZplay-Video

dth Wittorf. Schon der Auftakt verlief nach Maß: Mehr als 1200 Gäste stürmten bereits am Freitagabend die Zeltdisco, um in Wittorf 60 Jahre Heideblütenfest zu feiern. „So etwas haben wir noch nie gesehen“, zeigte sich Walter Braunholz überwältigt. Der Vorsitzende des ausrichtenden Vereins „Sparclub Up de Heid“ rief am darauf folgenden Tanzabend in der Nacht von Sonnabend auf Sonntag Wittorfs neue Heidekönigin aus: Die Bardowickerin Alexandra Ehlert (18) hatte sich in den Augen der 14-köpfigen Jury am besten präsentiert und wird nun für ein Jahr Wittorfs neue Botschafterin sein. Ihre Wahl wurde frenetisch von den mehr als 200 Gästen bejubelt. Als Hofdamen stehen ihr Rilana Prätzel (19) aus Lüneburg sowie Inken Meyer-Hess (18) aus Westergellersen zur Seite. Gemeinsam führten sie am Sonntag den großen Festumzug an, der zunächst einem Wolkenbruch zum Opfer zu fallen drohte. Das Wetter klarte aber noch rechtzeitig auf.

Die Wittorfer lieben offenbar die Überraschung. Das passte nicht nur zum Wetterumschwung gestern, sondern auch für die Königinnen-Suche am Samstagabend. „Wir wissen selbst erst im Verlauf des Abends, wer sich bewirbt“, ruft Marlene Blesse vom Organisationsteam lauthals, um gegen die Musik im Festzelt anzukommen. Gegen 21 Uhr haben sich drei junge Damen getraut, in das Rennen um die Wittorfer Heidekrone einzusteigen. Eine macht dann wieder einen Rückzieher, andere kommen später hinzu. Es wird getanzt Standard zu Disco, Rock und Schlager. Viele jugendliche Pärchen wagen sich aufs Parkett.

Die scheidende Heidekönigin Lisa Kohagen spricht ihren potenziellen Nachfolgerinnen von der Bühne aus Mut zu: „Bewerbt euch! Für mich war es ein wunderbares Jahr, es hat viel Spaß gemacht.“ Gegenüber der LZ fügt sie hinzu: „Ich bin während der Zeit selbstbewusster geworden, und mir fällt es leichter, vor Menschenmengen zu reden.“ Erfahrungen, die auch die bisherigen Heideköniginnen gemacht haben. Beim Tanzabend sind rund 20 ehemalige Wittorfer Majestäten geladen und berichten. Beispielsweise Anne Twesten, geborene Heuer, die 1969 die Krone erhielt: „Meine Eltern wussten damals gar nicht, dass ich beim Wahlabend in Wittorf war.“

Während die Party im Festzelt tobt, nehmen Wahlleiter Klaus Meyn und Marlene Blesse die Anwärterinnen für ein Gespräch zur Seite, damit sie erfahren, was auf sie zukommt und um zu klären, ob bei den teils noch nicht volljährigen Damen die Eltern diesmal Bescheid wissen. Schließlich sind es sieben Anwärterinnen, die ein nummeriertes Herzschild um den Hals hängen haben.

Sieben Jurymitglieder des Vereins und sieben aus dem Publikum bewerten das Auftreten der Bewerberinnen. Als sich nach Mitternacht im benachbarten, nüchtern beleuchteten Schützenhaus die Jury berät, ist die Stimmung im Festzelt auf dem Höhepunkt: Als der DJ den Schlager „Moskau“ von Dschinghis Khan auflegt, fassen sich mehr als 80 Gäste auf dem Parkett an den Schultern und tanzen gemeinsam jubelnd im Kreis. Gegen ein Uhr nachts übergibt Lisa Kohagen Umhang und Krone an die glückliche Nachfolgerin Alexandra Ehlert.

Gut zwölf Stunden später: Ehlert sitzt mit ihren Hofdamen auf dem Königinnenwagen an der Spitze des Festumzugs, so wie die Hofdamen Rilana Prätzel und Inken Meyer-Hess hat sie noch gar nicht realisiert, was passiert ist, aber es ist „wunderschön“. Eine ziemlich kurze Nacht hatten manche Wagenbaugemeinschaften, die nach der Wahlparty weiter an ihren Motivwagen gearbeitet haben. So wie die sieben Frauen von „Best Friends“. Die Wagenbau-Sieger der vergangenen zwei Jahre haben diesmal den Weihnachtsmann mit Schlitten und Rentieren ins Rennen geschickt, dafür unter anderem mehr als 20 Säcke Besenheide verarbeitet. „Für unser Jubiläum ist der Weihnachtsmann extra früher gekommen“, freut sich Barbara Oldeland.

Für die Wahl zur Heidekönigin sind Jule Oldeland (11) und Nina Meyn (14) noch zu jung, aber nicht, um mit ihrem ersten großen Motivwagen „Wäscheleine“ den erfahrenen Wagenbauern Konkurrenz zu machen. Tausende Besucher säumen die Straßen, stöbern auf dem Flohmarkt. Bei der Zimmerei Twesten sorgen zudem die ­Artlenburger Shanty Piraten für Stimmung. Es ist ein Jubiläumsfest nach Maß.

Tradition seit 1955
Früher war das heutige Neu Wittorf, der Bereich an der ehemaligen Bundesstraße 4, vorwiegend Heidelandschaft. Von der ist nichts mehr zu sehen, sie ist Häusern gewichen.
Die Heide lebt aber fort im Vereinsnamen „Sparclub Up de Heid“, den elf Wittorfer 1954 gründeten und in dem Sparen, Feiern und Geselligkeit gepflegt werden.
1955 organisierte der kleine Verein das erste Heideblütenfest in der Gemeinde. 1956 wurde Inge Stöber zur ersten Heidekönigin gewählt.

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