Donnerstag , 8. Dezember 2016
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Im Lagerbecken des Kernkraftwerkes Krümmel stehen noch 1002 Brennelemente. Die müssen aus der Anlage, bevor der Rückbau starten kann. Foto: tja
Im Lagerbecken des Kernkraftwerkes Krümmel stehen noch 1002 Brennelemente. Die müssen aus der Anlage, bevor der Rückbau starten kann. Foto: tja

Zeitplan mit vielen Fragezeichen

tja Geesthacht. 540000 Tonnen Gesamtgewicht. Das ist die Menge aller für das Kernkraftwerk Krümmel verbauten Materialien. Wenn der ehemals leistungsstärkste Siedewasserreaktor der Welt mit mehr als 1400 Megawatt Leistung, wie vom Energiekonzern Vattenfall Europe Nuclear Energy (VENE) beantragt, zurückgebaut wird, muss diese Menge abtransportiert und recycelt oder deponiert werden. Die Vattenfall-Experten schätzen, dass etwa 500000 Tonnen „normaler“ Bauschutt der Gebäudehülle anfallen. 6000 Tonnen an Einbauten dürften als radioaktiv beurteilt werden. Der Rest ist Abfall, der deponiert werden muss.

Wo das ganze Material bleibt, ist noch unklar. Vor allem ein Endlager für den radioaktiven Abfall fehlt. Dr. Hannes Wimmer, Geschäftsführer der Gesellschaft für Nuklear-Service mbH (GNS), die für die Endlagerung zuständig ist, erklärte unlängst beim „Treffpunkt Krümmel“, wie der Stand der Entsorgung ist. Der Bund hat laut Atomgesetz die Anlagen zur Endlagerung einzurichten. Nur tut er sich damit schwer, denn weiterhin gibt es kein Endlager in Deutschland. So gibt es bisher an allen Kernkraftwerken nur Standortzwischenlager, in denen die in Castor-Behältern verpackten Brennelemente lagern. Die Genehmigungszeit dafür läuft 2032 aus, muss aber wohl verlängert werden.

In Krümmel bietet das Standortzwischenlager Platz für 80 Castoren, 43 werden wohl tatsächlich benötigt. 1002 Brennelemente befinden sich noch im Lagerbecken, die im Zuge des Rückbaus in Castor-Behälter gepackt werden müssen. „Ein unbeladener Castor-Behälter steht momentan in Krümmel, 21 weitere sind bestellt. Aus jetziger Sicht werden sie dann geliefert, wenn wir sie benötigen“, erklärt Vattenfall-Sprecherin Sandra Kühberger. Einmal gefüllt werden sie Geesthacht noch Jahrzehnte erhalten bleiben. Wimmer erwartet ein betriebsbereites Endlager frühestens 2055: „Und dann wird es mindestens bis zum Jahr 2100 dauern, ehe alle 1000 bundesweit anfallenden Castor-Behälter eingelagert sind.“

Schwierig wird es außerdem, die bisher schon bekannten 86 defekten und circa 120 weiteren vermutlich beschädigten Brennstäbe aus der Anlage zu holen. Dafür sind Spezialbehälter nötig.

Ob der Rest des Standortzwischenlagers, der nicht mit Castoren belegt werden muss, für die schwach- und mittelradioaktiven Abfälle aus Krümmel genutzt werden kann, ist unklar. Einen entsprechenden Antrag muss Vattenfall erst stellen. Auch ist nicht klar, ob die Fläche reichen wird. Gegebenenfalls könnte das Lager erweitert werden.

Die Rückbauplanung des Energiekonzerns sieht bisher vor, dass 2019 nach entsprechender Genehmigung durch die Atomaufsicht des Kieler Umweltministeriums mit den Rückbauarbeiten begonnen werden kann. 2031 soll die Anlage von kontaminierten Bauteilen frei sein, das Areal 2041 bis auf die für den Betrieb des Zwischenlagers erforderlichen Bereiche geräumt sein. Kosten: etwa 750 Millionen Euro. Geld, das während des Betriebs zurückgelegt wurde.

In zwei Phasen möchte Vattenfall das Kernkraftwerk zurückbauen. In Phase 1 soll mit der Ausfuhr der Brennelemente die Kernbrennstofffreiheit hergestellt werden. Anschließend sollen in Phase 2 der Reaktordruckbehälter, das Bioschild und weitere aktivierte Anlagenteile sowie der Bereich um das Brennelementelagerbecken zurückgebaut werden. Die Bauteile sollen behandelt werden, um kontaminiertes Material möglichst zu reduzieren.

„Die beiden geplanten Phasen können sich überlappen und laufen teilweise parallel ab“, schreibt Kraftwerksleiter Torsten Fricke in dem an die Kieler Atomaufsicht gerichteten Rückbauantrag. Zum Schluss soll dann der Gebäudeabriss erfolgen.

Für den Abtransport der 500000 Tonnen Bauschutt wären wahrscheinlich etwa 25000 Lastwagen-Fahrten in ein Abfallwirtschaftszentrum (AWZ) nötig. Die Geesthachter CDU hat deshalb schon beantragt, zu klären, ob sich am Elbufer in Krümmel ein Umschlagplatz für den Transport auf der Wasserstraße einrichten ließ. Ein Binnenschiff würde etwa 500 Lastwagen ersetzen.

In der Nähe zu Krümmel befindet sich das AWZ Wiershop der Buhck-Gruppe, das aber nur auf der Straße zu erreichen ist. „Bei uns hat noch niemand angefragt, ob wir etwas aus einem Rückbau recyceln können. Aber wir wissen von den Gesprächen auf Verbandsebene, die Umweltminister Robert Habeck plant“, sagt Buhck-Geschäftsführer Thomas Buhck. „Bei so einem großen Volumen gehe ich davon aus, dass der Beton direkt vor Ort gebrochen und das unbelastete Material von der Baustelle aus vermarktet wird“, sagt er. Ob in Wiers­hop etwas deponiert wird, ist unklar. „Auf jeden Fall wäre das auch ein sehr emotionales Thema, das wir dann hier in der Region erörtern würden“, sagt Buhck.

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