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Einen Stern zum Abschied mit einem Verweis auf den berühmten Walk of Fame in Los Angeles gab es vom Abi-Jahrgang 2015 der Herderschule. Gleichzeitig bewiesen die jungen Frauen und Männer Weitsicht. Noch immer stellt sich die Frage, wer Herr der Schule wird. Der Schulleiterposten ist weiter vakant. Foto: t&w
Einen Stern zum Abschied mit einem Verweis auf den berühmten Walk of Fame in Los Angeles gab es vom Abi-Jahrgang 2015 der Herderschule. Gleichzeitig bewiesen die jungen Frauen und Männer Weitsicht. Noch immer stellt sich die Frage, wer Herr der Schule wird. Der Schulleiterposten ist weiter vakant. Foto: t&w

Herderschule: „Es dümpelt so vor sich hin“

us Lüneburg. Seit Jahren wird an der Herderschule gewerkelt, eine Baustelle folgt auf die andere. Nun ist noch eine weitere hinzugekommen, dieses Mal im Personalbereich. Mit dem Weggang der früheren Schulleiterin Michaela Tauffenbach zur Landesschulbehörde nach Hamburg wurde ihre Position Ende vergangenen Jahres frei. Zwar sollen zwei Bewerber es inzwischen bis in die engere Auswahl geschafft haben, doch nach wie vor ist unklar, wann eine Entscheidung geschweige denn der neue Schulleiter kommt. Inzwischen liegt die Personalie im Kultusministerium in Hannover, aber auch hier scheint der Vorgang nicht mit besonderer Eile bearbeitet zu werden. An dem schleppenden Verfahren übt jetzt der Schulelternrat der Herderschule sehr deutliche Kritik.

„Das Besetzungsverfahren dümpelt so vor sich hin“, beschreibt Jörg Kohlstedt, stellvertretender Vorsitzender des Schulelternrats der Herderschule, den Zustand um die Nachbesetzung der Stelle. Rund neun Monate sind nach dem Weggang von Michaela Tauffenbach ins Land gegangen, deutlich zu viel, wie Kohl­stedt findet: „Wir reden hier über eine Führungsposition. Normalerweise werden solche Stellen in der freien Wirtschaft innerhalb von zwei bis drei Monaten wiederbesetzt.“ Selbst vier oder fünf Monate seien akzeptabel, „nicht aber neun.“

Ein Ende der Hängepartie ist vorerst dennoch nicht in Sicht. Mehrfach habe Kohlstedt bei der Landesschulbehörde in Lüneburg nachgefragt, stets habe man ihn vertröstet, das Verfahren laufe. Im Juni schließlich sei der Vorgang nach Hannover abgegeben worden, dort solle die Entscheidung für einen der beiden Anwärter fallen, wie die Landesschulbehörde ihm kürzlich mitgeteilt habe. Die sagt dazu: „Entscheidungen für Schulleiter-Posten werden grundsätzlich in Hannover getroffen“, so Bianca Schöneich von der Pressestelle der Behörde. Warum man dennoch sechs Monate gebraucht habe, obwohl die Bewerbungsfrist für den Schulleiter-Posten bereits Ende Januar ausgelaufen war, erklärt Schöneich so: „Es gibt dabei keine Ausschlussfrist, und manchmal kommen noch Nachzügler, die ebenfalls berücksichtigt werden.“ Die Verweildauer des Vorgangs bei der Schulbehörde selbst bezeichnete sie als „nicht ungewöhnlich“. Schließlich müsse für jeden Bewerber eine dienstliche Beurteilung abgegeben, sprich mit ihm eine Unterrichtseinheit absolviert werden, außerdem seien Stellungnahmen von Schulvorstand und Schulträger einzuholen.

Wie Kohlstedt wiederum aus Hannover erfahren haben will, plane man dort die Durchführung eines Assessment-Centers, in dem die beiden Bewerber getestet werden sollen. Das aber stehe erst in vier bis sechs Wochen an. „Bis zur Benennung und Inthronisierung wird es dann ja mindestens noch einmal einen Monat dauern“, bilanziert Kohlstedt und ergänzt: „In dieser ganzen Zeit spart das Land das Gehalt für diese Stelle ein.“ Das Kultusministerium wollte sich zu dem Vorgang nicht äußern: „Grundsätzlich wird zu Details einzelner Stellenbesetzungsverfahren aus Gründen des Personen- und Datenschutzes keine Auskunft gegeben“, hieß es aus der Pressestelle des Ministeriums.

Zu den Bewerbern, die jetzt in der Endrunde sind, soll auch der jetzige stellvertretende Schulleiter der Herderschule, Hans-Christian Höhne, gehören, der das Schulleiteramt derzeit kommissarisch ausübt. Wie Kohlstedt erklärt, mache er seine Aufgabe auch „mit voller Kraft, aber natürlich anders. Deshalb brauchen wir jetzt eine Entscheidung, denn es fehlt im Augenblick die für die Schule wichtige Prägung durch den Schulleiter.“

Die Hoffnung von Jörg Kohl­stedt, dass auch für die möglichen Nachfolger der beiden Bewerber bereits vorsorglich Stellen ausgeschrieben worden sind — „denn sollte Herr Höhne neuer Schulleiter werden, fehlt uns ja der Stellvertreter“ –, wird sich indes nicht erfüllen. „Wir können eine Stelle erst dann ausschreiben, wenn sie frei geworden ist“, erklärt die Landesschulbehörde dazu.

5 Kommentare

  1. Die Probleme bei der Besetzung von Schulleiterposten sind eigentlich nichts Neues. Wer will schon einen solchen Posten in der heutigen Zeit haben?
    Der Vergelich von Herrn Kohlstedt mit der so genannten „freien Wirtschaft“ hinkt im Übrigen und zeigt eine Unkenntnis des Systems Schule, die für einen stellvertretenden Elternratsvorsitzenden eigentlich verwunderlich ist: während in der Wirtschaft Leitungsposten insbesondere finanziell attraktiv sind, ist eine Leitungsfunktion im schulischen Umfeld im Verhältnis zur Verantwortung und zu allen Rahmenbedingungen finanziell komplett unattraktiv. Die „hohe“ Anzahl der Bewerber auf die Stelle der Herderschule zeigt dies sehr deutlich – und das ist beileibe kein Einzelfall.
    Schule ist eben nicht die freie Wirtschaft. Auch das ständige, laustarke Vergleichen mit der Wirtschaft wird es nicht verändern. Abgesehen davon würden die, die ständig fordern, dass Schule wie ein Wirtschaftsunternehmen geführt werden sollte, sehr schnell auf die Barrikaden gehen, wenn sich Schule der Wirtschaft anpasste. In diesen Fall wäre die Lehre nämlich noch schlimmer, denn der permanente wirtschaftliche Druck würde sich noch weiter erhöhen, es würde noch mehr danach gefragt, welche ROI schulische Bildung denn bringt und es würden noch mehr Chancen versäumt, möglichst viele Schüler einem Abschluss zuzuführen – der kurzfristige „Gewinn“ wäre dann noch mehr im Focus als schon jetzt!

    • die schulleiter haben ein problem, wenn ihre lehrer beamte sind. schlechte lehrer werden sie dann einfach nicht los. diese aussage kommt von einer rektorin einer grundschule. ich gebe ihr übrigens recht.

      • Herr Bruns, in welchem Zusammenhang steht Ihr Kommentar zum Artikel oder zu meinen Bemerkungen? Die Frage stelle ich mir im Übrigen bei vielen Ihrer zahlreichen Anmerkungen.
        „Ich habe mal von jemandem gehört, dass…“ ersetzt sehr häufig nicht die intensive Auseinandersetzung mit einem Thema. Oft ist Halbwissen schlimmer als Unwissen…

  2. „Wie Kohlstedt wiederum aus Hannover erfahren haben will, plane man dort die Durchführung eines Assessment-Centers, in dem die beiden Bewerber getestet werden sollen.“ Ist diese Methode bei der Besetzung von Führungspositionen so ungewöhnlich, dass sich dadurch gleich eine sechsmonatige Verzögerung begründet ? Ein neuer Schulleiter ist für ein Gymnasium der Größe der Herderschule nichts Ungewöhnliches. Die Neubesetzung einer solchen Stelle sollte zum Alltagsgeschäft gehören.
    Herr Bruns, Sie haben recht. Was aber hat Ihr Kommentar mit dem Artikel zu tun ?

    • Herbart,die Probleme bei der Besetzung von Schulleiterposten sind eigentlich nichts Neues. Wer will schon einen solchen Posten in der heutigen Zeit haben? Mein Kommentar bezog sich auf die Äußerungen von Heidesand. Was das Tempo betrifft, ich nehme an, es liegt an den Qualifikationen der Bewerber. Das Kultusministerium möchte bestimmt nicht für eine Pleite verantwortlich sein. Eltern können ja heutzutage so nerven.