Donnerstag , 8. Dezember 2016
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Dieses Schild auf dem Kundenparkplatz eines Fachmarktes haben Christiane Rosenbusch und Gerd-Dieter Ebeling übersehen. Weil sie keine Parkscheibe im Wagen hinterließen, sollen sie jetzt 30 Euro zahlen. Foto: t&w
Dieses Schild auf dem Kundenparkplatz eines Fachmarktes haben Christiane Rosenbusch und Gerd-Dieter Ebeling übersehen. Weil sie keine Parkscheibe im Wagen hinterließen, sollen sie jetzt 30 Euro zahlen. Foto: t&w

Abzocke auf Kundenparkplatz?

ml Lüneburg. Für die Vermieter gewerblich genutzter Immobilien ist es eine Chance, lästige Dauerparker auf Kundenparkplätzen loszuwerden. Für die Lüneburgerin Christiane Rosenbusch und den Adendorfer Gerd-Dieter Ebeling ist es „reine Abzocke“. Kurz vor dem Schulstart am heutigen Donnerstag haben beide noch Stifte, Hefte und Blöcke für ihre Enkelkinder eingekauft — beim Fachmarkt für Bürobedarf „Staples“ bei der Pferdehütte. Als Christiane Rosenbusch und Gerd-Dieter Ebeling nach dem Einkauf zu ihren Fahrzeugen zurückkommen, erwartet sie eine böse Überraschung: Sie sollen 30 Euro zahlen — für unberechtigtes Parken.

Tatsächlich weist ein Schild der Berliner Firma „Park&-Control“ Autofahrer darauf hin, dass der Parkplatz Privatgelände, das Parken nur mit Parkscheibe für höchstens 180 Minuten gestattet ist. „Bei einem Parkverstoß … fällt ein Bußgeld (Vertragsstrafe) an“, heißt es auf dem Schild weiter. Auch vor dem Fachmarkt warnt ein Aufsteller: „Liebe Kunden, aufgepasst! Bitte denken Sie an Ihre Parkscheibe.“ Doch ist die Hinweistafel schnell übersehen: „Es war heiß, ich hatte es eilig und war von meinen beiden Enkelkindern abgelenkt“, sagt Christiane Rosenbusch. Auch sei ihr das Verfahren neu, habe sie als Kundin nicht damit gerechnet, beim Abstellen des Fahrzeuges vor dem Fachmarkt etwas beachten zu müssen. „Das ist doch eher ungewöhnlich.“

Auch als Rosenbusch und Ebeling ihre Kassenbons dem Kontrolleur zeigen und sie anschließend beim Marktleiter vorlegen, ist das Problem nicht gelöst. In beiden Fällen heißt es „Leider Pech gehabt, da können wir nichts machen.“ Tatsächlich hat der Vermieter der Immobilie mit der Berliner Firma einen Dienstleistungsvertrag zur „Parkraumüberwachung“ abgeschlossen. „Wir haben festes Personal vor Ort, das die Parkplätze teilweise mehrmals täglich kontrolliert. Das hängt vom Standort ab“, sagt eine Mitarbeiterin der Firma auf LZ-Anfrage. Die Gestaltung der Verträge sei unterschiedlich, manchmal gebe es Parkkarten, meist aber wie in Lüneburg eine Höchstparkdauer. Einmal erfasst, sei ein sogenannter Vertragsverstoß durch den Mitarbeiter nicht rückgängig zu machen. „Nur die Geschäfte können die Stornierung nachträglich beantragen. Das wird unterschiedlich gehandhabt.“ Zumal wie in diesem Fall Staples die Betreiber nur Mieter und nicht Vermieter seien. Und der hat schließlich den Vertrag mit „Park&Control“ geschlossen.

Dass sie hätte aufmerksamer sein können und einen Fehler gemacht habe, räumt auch Christiane Rosenbusch ein. „Fünf oder zehn Euro hätte ich gezahlt, wenn auch zähneknirschend. Doch 30 Euro ist einfach völlig überzogen.“ Deshalb hat sich die Lüneburgerin an die LZ gewandt: „Ich möchte einfach andere Einwohner der Stadt warnen. Nicht dass ihnen das Gleiche passiert wie mir.“ Für Gerd-Dieter Ebeling ist diese Art der Parkplatz-Überwachung „eine absolute Negativwerbung für das Kaufhaus Lüneburg“. Der Adendorfer sagt: „Das nächste Mal kaufe ich woanders ein.“

16 Kommentare

  1. Jetzt wissen wir es all und können beruhigt wo anders einkaufen, ist ja zum Glück nicht das einzige Geschäft mit dem Angebot. Ja Staples da musst du wohl mit deinem Vermieter reden.

    • Diese Hinweise gibt es durchaus auch an anderer Stelle, bei anderen Einkaufsmärkten.

      Wo ist denn das Problem, mal eben eine Parkscheibe sichtbar ins Auto zu legen, wenn ich dazu aufgefordert werde? Und überhaupt, warum Negativwerbung für das Kaufhaus Lüneburg? In der Innenstadt muss ich auch ein Parkticket ziehen, wenn ich mein Fahrzeug parke. Tue ich das nicht und werde kontrolliert, habe ich auch mit den Folgen zu leben. Hier kann ich mich auch nicht damit heraussreden: „Habe das Schild nicht gesehen, weil ich gerade abgelenkt war.“

  2. Mir ist dasselbe passiert. Kinder haben abgelenkt, 15 min. bei Staples eingekauft und zack…30 Euro Strafe. Mir ist nur ein hinter mir parkender Herr aufgefallen,der nur darauf wartet jemanden ein Knöllchen zu geben. Bei Staples erzählt jeder Mitarbeiter etwas anderes. Ich wurde nicht vorgewarnt.Der Parkplatz soll für Kunden freigehalten werden, Bon wurde vorgezeigt, aber der Mitarbeiter war einfach nur frech.
    Absolut negativwerbung. Ich habe oft dort eingekauft. Jetzt ist Schluss…
    Die 30 Euro zahle ich nicht. Die AGBS sind in Minischrift auf der Parkplatzeinfahrt hinterlegt. Unmöglich im Vorbeifahren etwas zu erkennen. Somit kommt auch kein Vertrag zu stande…

  3. Ich verstehe die Aufregung nicht. Vielleicht täuscht das Foto, aber das Schild sieht ziemlich groß aus, zudem soll es noch andere Hinweise geben. Dauerparker sollen dadurch abgeschreckt werden. Ignoranten, die sich nicht an die klar ausgesprochene Weisung auf diesem Privatgelände halten, verursachen hohe Personalkosten und müssen an den Kosten beteiligt werden. So what ?

  4. Man kann das Schild sehen, es ist tatsächlich groß genug. ABER: Es entspricht einfach nicht der Einkaufsgewohnheit, auf dem Parkplatz, der sichtbar zu einem Laden gehört, sich ums Parken Gedanken machen zu müssen (egal, ob Parkschein oder -scheibe). Anders ist es bei öffentlichen Flächen mit Parkscheinautomat oder Zufahrten mit Schranke. Das hier ist kein Staples-Sonderfall, sondern wird bspw. auch bei Penny an der Hindenburgstraße so praktiziert (gleiche bzw. andere Abzockerfirma).
    Mein Tipp: Das „Knöllchen“ ignorieren. Solange das Auto nicht abgeschleppt ist, haben diese Privatfirmen keine Handhabe, etwa zur Halter-/Fahrerermittlung o.ä. Ich habe bisher jedenfalls nie nach (ignorierten) Knöllchen solcher Privatfirmen Nachwirkungen gemerkt. Perfider ist es, wenn wirklich abgeschleppt wird und es einer Erpressung gleich kommt, das Auto gegen horrende Summen wieder auslösen zu müssen.

    Staples kann hier sicher nichts für das Vorgehen des Vermieters, wird aber unmittelbar die Folgen spüren. Da wird es ganz schnell ziemlich viele verärgerte Kunden geben, die ihre Schlüsse ziehen …

    • Moin,
      „(…)Es entspricht einfach nicht der Einkaufsgewohnheit,(…)“
      Genau deshalb ist das Schild -im Sinne des AGB-Gesetzes- eben nicht groß
      genug.
      Und nur als möglicherweisse zulässige und rechtskräftige allgemeine Bedingung bei dem Abschluß eines Vertrages wäre die Geldforderung rechtmäßig.
      Unübliche, überraschende Klauseln, wie hier bestimmte Verhaltensvorschriften auf einem ausgewiesenen Kundenparkplatz müssen in ganz besonders auffälliger Weise kentlich gemacht werden.
      Eine ganz andere Frage ist, ob solche Verhaltensvorschriften überhaupt als alggemeine Geschäftsbedingung zulässig ist.

  5. Parkplatz-Geier!
    Der Fall paßt wie Faust auf Auge zu der neueren Spezies der Parkplatz-Geier.
    Entgegen der Behauptung, daß so ein Vorgehen erforderlich sei, um den Kunden des Geschäftes noch genügend Parkplätze zur Verfügung stellen zu können, sind diese Firmen, wie hier bei Stapels, praktisch ausschließlich bei Platzen tätig, die am Rande von Städten liegen und für Dauerparker völlig unattraktiv sind.
    D.h. der angebliche Nutzen für alle Kunden ist nur vorgeschoben. Tatsächlich geht es darum möglichst viel Geld mit diesem „Geschäftmodell“ zu machen.
    Mindestens eine Verbraucherzentrale warnt ausdrücklich vor den Geschäftprakriken von Park&Control.
    Rechtskräftig ist die Forderung der besagten ca 30€ „Vertragsstrafe“ nur dann, wenn zwischen dem Kunden und der Parkplatzfirma ein rechtskräftiger Vertrag überhaupt zustandegekommen ist.
    Das ist hier schon in Hinblick auf die gesetzlichen Regelungen hinischtlich der AGB („Allgemeine Geschäftsbedingungen) äußerst fraglich.
    Die Hinweise auf diese, für den Kunden überraschende und ungewöhnliche Regelung sind mit zwei eher unauffälligen Schildern, im Bereich der Parklatzeinfahrt viel zu klein, um den gesetzlichen Vorchriften zu genügen.
    Im übrigen verstößt das konkrete Vorgehen, bei Kunden die nachweisen können, daß sie die Parkzeit nicht überschritten haben, mit größter Wahrscheinlichkeit auch gegen die Regeln von Treu und Glauben mit Rücksicht auf die Verkehrssitten.
    Abschließend möchte ich noch darauf hinweisen, daß ein etw. Vertrag NUR. zwischen dem Fahrer/ der Fahrerin und niemals zwischen dem Halter und dem Parplaz-… zustandegekommen sein kann.
    D.h. die Parkplatz-… können die Forderung keinesfalls bei dem Halter eintreiben.

    • Das dieser Parkplatz für Dauerparker unattraktiv ist muss nicht sein. Durch die Autobahnabfahrt kann es durchaus ein Pendlerparkplatz für Mitfahrgelegenheiten sein.

  6. Ich wollte gerade in den Laden gehen, als mich eine Frau ansprach, ob ich meine Parkscheibe hinter die Windschutzscheibe gelegt habe.
    Habe ich nicht.
    Das mit der Parkscheibe ist ja in Ordnung, aber kann man das nicht anders lösen.
    Vielleicht braucht die Firma gerade Geld.

  7. Das ist aber nett und selbstlos vom Vermieter, dass er extra für seinen Mieter einen Dienstleister zum Durchsetzen der Parkplatzgesetze anheuert, ohne dass er den Mieter mit eventuell Aufwand verursachenden Verfahrensdetails belästigt. Nun tauchen zwar hässliche Fakten wie Einkaufsbelege zur Tatzeit auf, diese können aber zum Glück den Verwaltungsakt nicht mehr stoppen. Jetzt die Frage: Wer darf eigentlich das Geld behalten? Den nicht hinnehmbar krassen Schaden für vom Kunden nicht regelkonform dokumentiertes Parken auf dem „Kundenparkplatz“ trägt ja der in der Sache die Schultern zuckende Mieter, den Kontroll- und Geldforderungsauftrag erteilte aus unbekannten Gründen der Vermieter, den Arbeits-, Personal- und Zeitaufwand hat der Dienstleister. Ob, genügend Strafzettel vorausgesetzt, alle 3 damit leben können, wenn jeder ’nen Zehner von den 30 Euro abbekommt?

  8. … kleiner Hinweis: Auf dem Parkplatz des Lidl-Marktes in der Franz-Anker-Str. ist das Parken auch nur mit Parkscheibe erlaubt.

    Ein ähnlicher Artikel behandelte dieses Thema bereits auf dem Penny-Parkplatz in der Hindenburgstr..

    Kaufland in der Str. Am alten Eisenwerk hat sich mit Schanken abgeschirmt, dass Gleiche macht der Edeka-Markt beim Salzmuseum schon seit längerer Zeit.

    Die großen Parkplatzflächen des Finanzamtes werden selbst am Wochenende der Allgemeinheit nicht zur Verfügung gestellt, mit der Begründung dass Dauerparker sich dort „breit machen würden“ Entsprechender Artikel war vor nicht all zu langer Zeit in der LZ.

    Es scheint wohl doch ein Problem der „Fremdnutzung“ von zu Geschäften gehörenden Parkplätzen zu geben, so dass dieser Überwachungs-Service den Eigentümern angeboten wird.

    Also, warum lange lamentieren, einfach die Augen auf und ggf. einmal mehr die Parkscheibe rauslegen. Ist ja kein großer Auffwand, oder?

    • Auffällig ist, daß die Fa „Park&Kassier“ eben praktissch nie auf Innenstadtnahem Parkplätzen, wie dem Penny-oder Salineparkplatz etc. tätig ist, sondern immer auf Parkplätzen in Stadtrandlagen, die auch zu Hauptgeschätszeiten selen mehr als halbvoll sind.
      Übrigens gibt ’s ein absolut sicheres Mittel gegen sowas: Fahrradfahren! 🙂

      Gruß

  9. Bei Kaufland ist die Parkplatznutzung durch das Aufstellen der Schranke für jeden Parker eindeutig. Bei Staples allerdings nicht. Eine Aussage eines Mitarbeiters besagte, dass die Park und Control seit 8 Wochen dort kontrollieren. Passt ja genau, ist ja die Zeit, in der alle für die Schule einkaufen.
    Man muss sich im Internet mal schlau machen und es werden einige kuriose Dinge sichtbar. So schlecht kann es Park und Control ja nicht gehen. Der Hauptsitz ist im Sonycenter Berlin.

  10. Was hat das mit Abzocke zu tun? Auf vielen Parkplätzen wird abgeschleppt. Und das ist erst seit kurzem so und hat auch Gründe. Und mein Sohn hatte auch schon mal einen netten Zettel dran .sie finden sein Auto sehr schön, aber es ist kein Dauerparkplatz .Womit Sie völlig Recht haben. Und ja er wurde als Pendlerparkplatz genutzt.

    • Heidi, stimmt. der parkplatz war ja auch zu verlockend, so direkt an der autobahn. ich würde eher auf die tatsache hinweisen, das lüneburg dank autofreier innenstand , den dortigen firmen ,keinen gefallen damit getan haben. auf den sülzwiesen parken die mitarbeiter dieser firmen und der kunde kann sehen, wo er bleibt. es fehlt an kostenfreien dauerparkplätzen. der online-handel freut sich.