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St. Michaelis verabschiedet Pastor Olaf Ideker-Harr und heißt seine Frau, Silke Ideker, als neue Pastorin willkommen. Foto: t&w
St. Michaelis verabschiedet Pastor Olaf Ideker-Harr und heißt seine Frau, Silke Ideker, als neue Pastorin willkommen. Foto: t&w

Der Rollentausch – Lüneburger Pastoren-Ehepaar wechselt die Positionen zwischen Kanzel und Schultafel

as Lüneburg. St. Michaelis ist für sie zur Heimat geworden. Und das wird auch so bleiben, zur Freude ihrer Gemeinde. Doch am kommenden Sonntag heißt es für die Gemeindemitglieder im Gottesdienst von Pastor Ideker-Harr, Abschied zu nehmen, der neue, alte Wege als Berufsschulpastor beschreiten wird. Gleichzeitig heißt es, Silke Ideker willkommen zu heißen, die knapp neun Jahre als Berufsschulpastorin tätig war und für die sich nun ein Herzenswunsch erfüllt: wieder als Gemeindepastorin tätig zu sein.

Es ist genau 20 Jahre her, dass das Ehepaar nach Lüneburg kam. Er begann seine berufliche Laufbahn als Schulpfarrer an der BBS II und III, sie trat am 1. September 1995 ihre Stelle als Pastorin in Raven an. Die Arbeit in den fünf Dörfern der Kirchengemeinde sei vielfältig und lebendig gewesen. Das Miteinander in der Kirchengemeinde, der Kontakt zu Schulen, Vereinen und die Mitarbeit im Kirchenkreisvorstand in Winsen erfüllte Silke Ideker mit Freude. „So wie meine Frau sagt, dass sie von ganzem Herzen Gemeindepastorin ist, so ging es mir auch in der Zeit als Berufsschulpastor“, sagt Olaf Ideker-Harr. Mit jungen Leuten im Gespräch zu sein über die Dinge des Lebens, aber auch zum Beispiel Vorbehalte gegenüber dem Religionsunterricht abzubauen und zu vermitteln, dass das auch etwas ganz „Handfestes“ ist, das sei toll gewesen. Bei seinen Schülern und Kollegen war Ideker-Harr wegen seiner frischen, zupackenden Art beliebt. Da die Zeit als Schulpastor jedoch zeitlich begrenzt ist, bewarb er sich 2006 auf die Pfarrstelle in St. Michaelis. Denn er habe den Eindruck gehabt, dass in der Gemeinde frische Frühlingsluft wehe, hat er im Gemeindebrief noch einmal deutlich gemacht. Von Anfang an sei da die Lust der Gemeinde gewesen, Dinge zu bewegen, und er sei gerne mitgewandert.

Da Olaf Ideker-Harr Präsenzpflicht in Lüneburg hatte, bedeutete dies auch den Umzug für das Ehepaar, das bis dahin mit den Söhnen Paul und Jasper in Raven gewohnt hatte. Abschied von ihrer Gemeinde zu nehmen, fiel Silke Ideker schwer. Da die einzig freie Stelle in Lüneburg die war, die ihr Mann bis dato innehatte, wurde sie Berufsschulpastorin. Ein Wechsel mit Wehmut. „Aber es war eine wertvolle Zeit für mich“, sagt sie rückblickend. Denn beim Blick über den Tellerrand habe sie viel gelernt — im Miteinander mit den Schülern, im Kontakt mit den handfesten Kollegen, im Unterricht und in der Seelsorge. „Es war eine Schule für mich.“ Aber es sei ihr in dieser Zeit auch einmal mehr bewusst geworden, dass ihr Handwerk die Religion und ihre Werkstatt die Kirchengemeinde ist, beschreibt sie.

Und so ist die Entscheidung ihres Mannes, noch einmal einen Wechsel vorzunehmen, vielleicht auch ein bisschen glückliche Fügung. Leicht ist sie ihm nicht gefallen. Denn die Arbeit in der Gemeinde, im Mitarbeiter-Team und im Kirchenvorstand sei stets von neuem Schwung und frischen Ideen erfüllt gewesen. Da sind gute Erinnerungen an Gottesdienste, Kirchenmusik, Konfirmationen, Traugespräche und viele Begegnungen mit Menschen, die sagen: Das ist meine Kirche.

„Zur Michaelisgemeinde gehören ganz unterschiedliche Wohngebiete, das macht die faszinierende Vielfalt aus.“ Pastor an so einer Kirche zu sein, das sei schon etwas Besonderes. Doch nun wandert er weiter, wie er das so gerne mit seiner Gemeinde gemacht hat. Denn von Herzen ist er eben auch Schulpastor. Viele lassen ihn nur ungern ziehen, freuen sich aber auf den Weg mit ihrer neuen Pastorin.