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So sehen die Pläne der Gemeinde Deutsch Evern für das Neubaugebiet Fuchsberg Nord aus. Vorgesehen sind 60 Wohnheiten auf Grundstücken mit einer Größe von 600 bis 1000 Quadratmetern nördlich der Straße Fuchsberg. Grafik: nh/google maps/platt/hm
So sehen die Pläne der Gemeinde Deutsch Evern für das Neubaugebiet Fuchsberg Nord aus. Vorgesehen sind 60 Wohnheiten auf Grundstücken mit einer Größe von 600 bis 1000 Quadratmetern nördlich der Straße Fuchsberg. Grafik: nh/google maps/platt/hm

Deutsch Evern: Streit um Straße für Baugebiet

ina Deutsch Evern. Selten sind Bauausschuss-Sitzungen in Deutsch Evern so gut besucht wie am Mittwochabend. Fast bis auf den letzten Platz waren die rund 40 Stühle besetzt, die Bürgerfragestunde wurde für viele emotionale Kommentare genutzt. Im Prinzip waren sich alle einig: Die sieben Ausschussmitglieder arbeiten derzeit am Wähler vorbei.

Der Stein des Anstoßes existiert bisher nur auf dem Papier. Es handelt sich um das neue Baugebiet „Fuchsberg Nord“, das mit 60 Wohneinheiten auf je 600 bis 1000 Quadratmeter großen Grundstücken die rund 4000 Bürger starke Gemeinde noch weiter vergrößern soll. „Wir haben nichts gegen das neue Gebiet, sondern gegen die Planung von Durchgangsstraßen“, so einer der Sprecher der sich primär aus Anwohnern des Nachtigallenwegs, Dachswegs und Fuchsbergs rekrutierenden Gruppe. Namentlich möchte keiner der Angesprochenen genannt werden, da es sich hier, so ihr Argument, nicht um Einzelmeinungen, sondern um ein „kollektives Ärgernis“ handelt.

Das Plangebiet liegt zwischen dem Petersberg und der Tiergartenstraße und wäre als Durchgangsstraße auch für Nichtanwohner so interessant, dass sich die Verkehrssituation für die bereits am Fuchsberg wohnenden Neuansiedler drastisch verändern könnte. „Jedes Navigationsgerät würde den kurzen Weg durch unser Baugebiet empfehlen“, befürchtet ein Anwohner.

Bereits Anfang August gab es zu diesem Thema eine Bürgerfragestunde, in der im Beisein von Bürgermeister Hubert Ringe ähnlich hitzig über mögliche Straßenvarianten diskutiert wurde. Die von den Bürgern präferierte Variante reduziert sich auf Zuwege ins Baugebiet und sieht für die Verlängerung des Dachswegs als Verhinderung eines Durchfahrtangebotes mehrere Poller vor.

„Das erscheint uns unsinnig, da zukünftige Anwohner auch größere Umwege fahren müssten“, erklärte der Ausschuss-Vorsitzende Wolfgang Gaußmann, der die Sitzung leitete. „Außerdem wissen wir noch gar nicht, wie hoch das Verkehrsaufkommen wäre und wie viel Lärm durch die zusätzlichen Verkehrsteilnehmer aufkommen würde.“ Diplom-Ingenieur Frank Patt vom gleichnamigen Planungsbüro präsentierte für diesen Fall mehrere mögliche Verkehrsberuhigungen: Aufpflasterungen, Mittelinseln, Tempo-30-Zonen.

Eine Verkehrszählung könnte im Vorfeld die nötigen Informationen liefern. „Dann sind die Straßen aber schon gebaut, und das Kind liegt im Brunnen“, kommentierte ein von der Planung Betroffener. Auch die von der Gemeinde vorgesehene Wegverknappung auf rund drei Meter Breite als Alternative zum Poller stieß bei den Zuhörern auf wenig Gegenliebe. „Wir fühlen uns verarscht“, so lauteten die klaren Worte nach der Sitzung im Vorraum. „Warum haben sie uns denn überhaupt gefragt, wenn sie unsere Vorschläge nicht umsetzen wollen?“

Kurzfristig wurde zwar durch die Grünen-Fraktion in Person von Hans-Joachim Danzenbächer ein Beschlussvorschlag gemacht, der vorsah: „Drei Straßenringe, die nur durch fußläufige Verbindungen miteinander verbunden sind, die gegebenenfalls von Müllfahrzeugen, Feuerwehr o.ä. im Bedarfsfall befahren werden können und ansonsten durch Sperrpfähle den Durchgangsverkehr unterbinden.“ Diese „Hau-Ruck-Aktion“, wie Ausschussmitglied Jörg Lietzke den Vorstoß nannte, wurde mit sechs zu einer Stimme abgeschmettert.

Dagegen wurde in der anschließenden Gemeinderatssitzung die Aufstellung des B-Plans mit großer Mehrheit verabschiedet. Bis zum erwarteten Baubeginn 2016 wird das Thema sicher noch weiter diskutiert einige Anwohner haben sich bereits juristisch beraten lassen.

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