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500 Ungarn-Flüchtlinge in Lüchow angekommen ++ Unterbringung in Polizei-Unterkunft +++ Umfangreiche Hilfe durch Johanniter

  lz Lüneburg/Lüchow. Im Wendland sind in der Nacht 500 Flüchtlinge angekommen, die über Ungarn ausgereist sind.In einem Kraftakt von Polizeidirektion Lüneburg, Zentraler Polizeidirektion Niedersachsen (ZPD) sowie der Johanniter Unfallhilfe ist die Polizeiliegenschaft in Lüchow an der Saaßer Chaussee für die kurzfristige Aufnahme der rund 500 Frauen, Männern und Kinder hergerichtet worden.

Hintergrund der Notaufnahme: Das niedersächsische Ministerium für Inneres und Sport hat entschieden, 700 von insgesamt mehr als 7.000 Flüchtlingen, die aus Ungarn nach Bayern geflüchtet waren, aufzunehmen.

Vor dem Hintergrund der aktuell angespannten Flüchtlingssituation auch in Niedersachsen hat das Ministerium für Inneres und Sport der LAB NI in der vergangenen Woche angeboten, zur Erstaufnahme von Frauen, Männern und Kindern auf dafür geeignete Polizeiliegenschaften zurückgreifen zu können. In diesem Zusammenhang hat sich die ZPD bereits darauf eingestellt, die Polizeiunterkünfte auf dem Gelände an der Saaßer Chaussee in Lüchow als Notunterkunft herzurichten.

Parallel ist die ZPD damit beauftragt, die landesweite Koordinierung für die Herrichtung weiterer Notunterkünfte auf Polizeiliegenschaften zu übernehmen.

Das Niedersäschische Innenministerium erklärt zum Hintergrund: 

 Das Land Niedersachsen nimmt 700 weitere Flüchtlinge auf. Am Donnerstag hatte das Land bereits 200 Menschen in Braunschweig untergebracht, die über Ungarn nach Bayern geflüchtet waren. „Jetzt erwartet der Bund über Bayern wieder mehr als 7000 Flüchtlinge, da müssen alle anderen Bundesländer unterstützen – und wie beim ersten Mal tun wir das in Niedersachsen selbstverständlich auch“, so der Leiter des Koordinierungsstabes zur Flüchtlingsaufnahme im Ministerium für Inneres und Sport, Ministerialdirigent Friedhelm Meier.
Mit 500 Menschen soll der Großteil der Flüchtlinge in den von der Landespolizei errichteten Notunterkünften in Lüchow (Landkreis Lüchow-Dannenberg) untergebracht werden. Der Rest verteilt sich auf die Landesaufnahmebehörde Niedersachsen (LAB NI) in Braunschweig und die bereits bestehende Notunterkunft der Zentralen Polizeidirektion (ZPD) in Hannover. Frühestens am heutigen Spätnachmittag sollen die Flüchtlinge Braunschweig per Zug erreichen. Dort werden sie erstversorgt, medizinisch voruntersucht und dann weiter verteilt. „Für uns ist das innerhalb weniger Tage wieder ein enormer organisatorischer und vor allem personeller Kraftakt“, so Koordinierungsstab-Leiter Meier. „Aber wir haben uns in den vergangenen Stunden und Tagen – in großartiger Zusammenarbeit mit den Kommunen und Hilfsorganisationen – weiter darauf vorbereitet, auch unerwartet ankommende Flüchtlinge aufzunehmen.“
Innerhalb der vergangenen Woche hat das Land Niedersachsen zur Entlastung seiner Erstaufnahmeeinrichtungen bis heute rund 2000 zusätzliche Plätze für Flüchtlinge geschaffen. Und es werden mehr: Unter anderem hat Landrat Tjark Bartels für seinen Landkreis Hameln-Pyrmont Freitagabend angekündigt, bereits in der kommenden Woche bis zu 300 Kriegsflüchtlinge in der ehemaligen Linsingen-Kaserne aufzunehmen. Montagfrüh stellt außerdem Schwanewedes Bürgermeister Harald Stehnken vor Ort Pläne vor, in der Lützow-Kaserne vorübergehend bis zu 1000 Flüchtlinge unterzubringen.

Nach einer Pressekonferenz Sonntag in Lüchow hieß es von der Polizei: 

   „Auch in Niedersachsen stehen wir in einer gesellschaftlichen Herausforderungen, die nach dem, was wir wissen, alle bislang angenommenen Dimensionen sprengt. Die Polizei Niedersachsen und damit auch die ZPD als Servicebehörde kann und wird vor dieser Situation nicht die Augen verschließen. Im Gegenteil, wir übernehmen nicht zuletzt aus humanitären Beweggründen Verantwortung. Deswegen haben wir gestern damit begonnen, in einem gemeinsamen Kraftakt die Polizeiliegenschaft in Lüchow kurzfristig für die Notaufnahme von rund 500 Flüchtlingen vorzubereiten“, sagte Karsten Wolff, Sprecher der Zentralen Polizeidirektion Niedersachsen (ZPD), heute anlässlich eines Pressegesprächs in Lüchow.

Die Notaufnahme der Fünfhundert erfolgt vor dem Hintergrund, dass das niedersächsische Ministerium für Inneres und Sport gestern entschieden hatte, kurzfristig 700 von insgesamt mehr als 7.000 Flüchtlingen, die aus Ungarn nach Bayern geflüchtet waren, aufzunehmen. Sie erreichten ihren Ankunftsort Braunschweig heute in den frühen Morgenstunden mit dem Zug. Von dort sind 500 Frauen, Männer und Kinder mit dem Bus nach Lüchow unterwegs. Für rund 140 geht es in die Außenstelle der LAB NI nach Braunschweig und für knapp60 ebenfalls per Bus in die Notunterkunft der ZPD nach Hannover. Bereits in der vergangenen Woche hatte das niedersächsische Ministerium für Inneres und Sport der LAB NI angesichts der angespannten Situation in den Erstaufnahmelagern Niedersachsens angeboten, die Behörde bei der Bewältigung der Erstaufnahme von Frauen, Männern und Kindern spürbar zu entlasten.
  „In der Polizeidirektion Lüneburg sind wir uns bewusst, dass die Unterbringung von Menschen, die in Deutschland Schutz und Obdach suchen, auf der Liegenschaft in Lüchow gewohnte Arbeitsabläufe beeinflussen und für Einschränkungen sorgen wird. Dieses ist jedoch für die Aus- und Fortbildungsangebote unserer Behörde und darüber hinaus, die bislang in Lüchow angesiedelt waren, verkraftbar“, betonte Wiebke Hennig, Sprecherin der Behörde. Auf allen verantwortlichen Ebenen laufen inzwischen intensive Vorbereitungen, um die wichtigen Belange der Aus- und Fortbildung der neuen Situationanzupassen und neu zu ordnen, so Wiebke Hennig weiter.

  Thomas Illgner, stellvertretender Hundertschaftsführer der 4. Bereitschaftspolizeihundertschaft aus Lüneburg, kümmert sich mit seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern vor Ort in enger Abstimmung mit dem Planungsstab der ZPD in Hannover sowie dessen Pendant in Lüneburg seit gestern um die technisch-organisatorischen Vorbereitungen für die Notunterkunft in Lüchow.
  Besonders im Fokus der Vorbereitungen stehen die schnelle Unterbringung der Flüchtlinge und gleichzeitig die Gewährleistung derSicherheit für die Liegenschaft selbst. „Als Dienstleister für die Polizei Niedersachsen sind wir es bereits gewohnt, flexibel und professionell auf Einsatzanlässe aller Art zu reagieren“, sagte Thomas Illgner.

Bei der Lösung der schwierigen Aufgabe steht die Polizei nicht alleine. Unterstützung erhält sie von der Johanniter-Unfall-Hilfe (JUH). Zahlreiche Helferinnen und Helfer sorgen dafür, dass die ankommenden Flüchtlinge ausreichend verpflegt und medizinisch versorgt werden. Darüber hinaus stellen sie Betten sowie unverzichtbare Dinge des persönlichen Bedarfs bereit. Vor Ort sind Sozialbetreuer, darunter Ansprechpartnerinnen und -partner, die als Dolmetscher agieren können. Helfer geben das Essen aus. Rettungssanitäter sind 24 Stunden am Tag anwesend, eine externe hausärztliche Versorgung mit Fahrdienst ist vorhanden.

  „Trotz der gebotenen Eile ist es uns immer ein Anliegen, die Menschen, die zu uns kommen, spüren zu lassen, dass sie willkommen sind. Sie sollen erst einmal für eine gewisse Zeit zur Ruhe kommen können, bevor sich weitere Weichen für sie und ihr Leben stellen“, betonte Hans Joachim Halbach, Regionalvorstand des JUH-Regionalverbandes Harz-Heide.

  Freiwillige Helfer, die die JUH beim Betrieb der Unterkunft unterstützen möchten, melden sich bitte unter Tel. 0800/0019214! Bitte unbedingt vorab telefonisch Kontakt aufnehmen, und keinesfalls direkt zur Unterkunft fahren, denn auch die freiwillige Hilfe muss vernünftig koordiniert werden. Auch Sachspenden können nicht direkt in Lüchow an der Unterkunft auf dem Gelände der Polizeiliegenschaft Lüchow abgegeben werden. Hier stehen Stadt (Tel.05841 126-0) und Landkreis Lüchow (Tel. 05841/120-0) ab Montag für die Koordination zur Verfügung!