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Seit vier Jahren arbeitet Dr. Maya Dahlberg als Tierärztin in Namibia, ein Job, zu dem auch die Behandlung von Wildtieren gehört. Foto: nh
Seit vier Jahren arbeitet Dr. Maya Dahlberg als Tierärztin in Namibia, ein Job, zu dem auch die Behandlung von Wildtieren gehört. Foto: nh

Frau Doktor in Namibia

off Lüneburg. Alles beginnt vor zwei Jahren mit einem Notfall. In Lüderitz, einer Hafenstadt in Namibia, verschluckt ein Dobermann beim Fressen einen zu großen Knochen. Das Stück bleibt in seiner Speiseröhre stecken, der Hund droht zu sterben und sein Besitzer alarmiert die Tierklinik in Windhoek. Dort setzt sich Dr. Maya Dahlberg mit ihrem Chef ins Auto und steigt mehr als zehn Stunden und 700 Kilometer später wieder aus. Die beiden Tierärzte retten den Dobermann. Und fahren mit einer Mission zurück nach Hause.

Neun Jahre lebt die Lüneburgerin Maya Dahlberg zu dem Zeitpunkt bereits in Afrika, arbeitet seit zwei Jahren als Tierärztin in der namibischen Hauptstadt — und merkt bei dem Termin in Lüderitz zum ersten Mal, wie viel sie in ihrer neuen Heimat bewegen kann. „In der Stadt gibt es wie in ganz vielen Regionen Namibias keinen festen Tierarzt, 70 Prozent der ländlichen Bevölkerung haben noch nie einen gesehen“, sagt sie, „dabei wird dringend einer gebraucht.“ Für die Behandlung kranker Haustiere, aber noch viel dringender für die Behandlung der unzähligen Straßenhunde in den Dörfern und Townships.

Das Problem: „Die Tiere haben zwar Besitzer, sind in der Regel aber unkastriert, das heißt, sie vermehren sich unkontrolliert, sind oft aggressiver, außerdem Überträger gefährlicher Krankheiten“, sagt Dahlberg. In Lüderitz behandelt sie mit ihrem Chef vor zwei Jahren die ersten beiden Straßenhunde. „Inzwischen sind es 20 am Tag“, sagt sie. „Und wir wollen unser Engagement ausbauen.“

Mit zwei Mitstreiterinnen plant Maya Dahlberg die Anschaffung eines Kastrations-Mobils, einer Art fahrbarem Operations-Raum. „Damit könnten wir zusätzlich zu festen Terminen überall hinkommen.“ Doch um ihr Ziel zu erreichen, „brauchen wir Spenden“.

Maya Dahlberg ist Namibia in den letzten vier Jahren ans Herz gewachsen, Afrika ist ihre zweite Heimat. Mit ihren Eltern wohnte sie bis zum achten Lebensjahr in Südafrika, kehrte nach dem Abitur an der Wilhelm-Raabe-Schule und Ausbildung zur Tierarzthelferin fürs Studium zurück in Südafrikas Hauptstadt Pretoria. Aus Namibia kam dann das erste Jobangebot. „Und ich kann mir ehrlich gesagt nicht vorstellen, woanders zu arbeiten“, sagt sie.

Doch das Land am Atlantischen Ozean hat gerade für Tierärzte seine eigenen Herausforderungen. „Namibia ist mehr als doppelt so groß wie Deutschland, hat aber nicht viel mehr Einwohner als Hamburg.“ Das heißt: „Wir sind oft stundenlang unterwegs, müssen enorme Strecken überwinden, um unsere Patienten zu erreichen.“ Bisher bieten Dahlberg und andere engagierte Tierärzte der Hilfsorganisation „Have a heart“ die Behandlung von Straßenhunden an bestimmten Terminen in verschiedenen Städten an. „Damit erreichen wir viele, aber nicht alle“, sagt sie. „Deswegen setzen wir auf ein mobiles Kastrations-Mobil.“

Ziel der Aktion: Die Zahl der Straßenhunde soll nachhaltig gesenkt, die Gefahr von Krankheitsübertragungen reduziert, Übergriffe auf Menschen und Wildtiere verhindert und das Leid der Straßenhunde gemildert werden. Hilfe, die die Besitzer der Hunde gern annehmen. „Oft kommen Kinder und bringen ihre Hunde zur Behandlung“, sagt Maya Dahlberg, „und sie sind so dankbar, dass wir ihnen kostenlos helfen.“ Für die 32-Jährige gehören diese Momente zu den schönsten ihres Jobs. Auch wenn sie bedeuten, dass sie einen Großteil ihrer Freizeit opfert — und während ihres Heimaturlaubs in Lüneburg auf Spendensuche gehen muss.

Wer das Engagement unterstützen will, erreicht Dr. Maya Dahlberg und ihre Mitstreiter per E-Mail unter spaymobilenamibia@gmail.com.

Tollwut, Staupe, Zeckenfieber

Viele streunende Straßenhunde, vor allem in den ärmeren Vierteln Namibias, sind nicht nur unkastriert, sondern auch krank. Weit verbreitet sind Tollwut, Staupe und Zeckenfieber, außerdem sind die meisten Hunde verwurmt und oft so schlimm mit Milben besiedelt, dass sie gar kein Fell mehr haben. Darunter leiden nicht nur die Tiere, sie stecken damit auch Menschen und Wildtiere an. Getan wurde dagegen lange nichts, erst seit wenigen Jahren kümmern sich Tierärzte wie Dr. Maya Dahlberg ehrenamtlich um die Hunde, kastrieren, sterilisieren, impfen und behandeln sie. Organisiert und finanziert werden die Einsätze über die gemeinnützige Organisation „Have a heart“ mit Sitz in Windhoek, die auf Spendenbasis Medikamente und Material bezahlt. Sie hat auch Operationskosten für einige Hunde übernommen.