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Stauende in Sicht – Besuch auf der A39-Baustelle

Stau auf der Autobahn 39 — für Timo Swiatecki heißt das fast täglich: hektisches Routenplanen, lange Umwege, verspätete Ankunft. Wie viele andere Pendler fährt der 33-jährige Lüneburger jeden Morgen mit dem Auto nach Hamburg zur Arbeit. „Wenn ein Unfall im Baustellenbereich passiert, ist alles dicht. Dann bin ich wirklich genervt“, sagt er. Doch die Geduldsprobe hat bald ein Ende. Trag- und Binderschicht sind bereits eingebaut, die Grunderneuerung der Fahrbahn Richtung Lüneburg steht vor dem Abschluss. Ein Besuch auf der Baustelle.

emi Winsen. Der Großfertiger rollt im Schneckentempo über die Fahrbahn. Über das Laufband des davor fahrenden Beschickers rieselt gleichmäßig Mischgut in den Materialbehälter der riesigen Baumaschine. Dampf steigt auf, es riecht nach feuchtem Asphalt. Klaus Bachmann schlurft zur geöffneten Seite des Beschicker-Fahrzeugs und greift nach dem Tablet auf der Ablage. Mit einem Blick auf das Display sieht der Einbaumeister, wie viele Tonnen Asphalt bereits aufgebracht worden sind und wie viele noch verteilt werden müssen bis zum Tagesziel von 4000 Tonnen. Fehlt Material, muss der 47-Jährige nachbestellen. Kontrollieren und Rechnen, das gehört zu seinem Baustellen-Alltag wie Schwitzen und Frieren.

Seit 27 Jahren ist Klaus Bachmann auf den Bauplätzen der Republik unterwegs, seine Frau sieht er im Sommer nur an den Wochenenden. Rund zwei Wochen lang hilft der Hesse jetzt schon an der A39 mit, prüft, ob die Schichtdicken passen und achtet darauf, dass die Walzenfahrer sauber arbeiten. „Ich könnte mir nicht vorstellen, drinnen zu arbeiten“, sagt er. „Neulich haben mich Journalisten gefragt, was ich mache, wenn es richtig heiß ist.“ Der Einbaumeister grinst. „Ich habe gesagt: dann schwitze ich!“

Klaus Bachmann wischt über sein Tablet, eine Karte erscheint. Kleine Lkw-Symbole im Straßengewirr zeigen an, wo sich die Lastkraftwagen — sie sind alle mit GPS-Sendern ausgestattet — im Umkreis befinden. Während des Einbaus der Trag- und Binderschicht transportieren 16 Sattelzüge rund 150 Mal pro Tag Mischgut aus dem Asphaltmischwerk in Winsen zur Baustelle. Insgesamt müssen in dieser Phase rund 50000 Tonnen der beiden Mischgutsorten auf der 8,2 Kilometer langen Strecke zwischen Maschen und Winsen West aufgebracht werden. Jede Verzögerung im Ablauf hat fatale Folgen.

Geht eine Maschine kaputt, muss Andreas Spekker sofort zur Stelle sein. Gerade löst der 26-Jährige eine Schraube an einem Stemmhammer. Der Schlosser ist hauptsächlich für den Fertiger verantwortlich, wartet und repariert, „was sonst noch anfällt“. Tagsüber und auch nachts — eine große Verantwortung. „Wenn ich nicht gleich da bin oder die Lösung nicht weiß, steht alles still“, sagt der Papenburger. „Aber bis jetzt hat immer alles gut geklappt.“ Nach einem langen Tag im Lärm der Baustelle fühlt sich der junge Mann manchmal wie nach einem Disco-Besuch. Doch seine Berufswahl bereut er nicht, „Büromensch“ habe er nie werden wollen.

Ähnlich denkt Beschickerfahrer Marcel Zierock über die Arbeit. „Man ist an der frischen Luft, wird braun und zahlt nichts dafür“, sagt der 39-Jährige augenzwinkernd. Auf der Baustelle zwischen Winsen und Maschen ist er als Springer im Einsatz, hat also Zeit, seinem Fahrer-Kollegen auf der bis zu fünf Meter hohen Hebebühne zuzusehen. Von einem Sitz in luftigen Höhen aus steuert dieser nicht nur den Beschicker — angepasst an die Geschwindigkeit des Fertigers –, sondern auch das Förderband, über das das Mischgut läuft. Und er hat von oben eine gute Aussicht auf die vorbeifahrenden Autos.

Dass die Baustelle Betroffene manchmal zur Weißglut bringt, sich die Autofahrer aufregen, „da muss man mit leben“, sagt Marcel Zierock. Für ihn ist es das schönste Gefühl, „wenn man irgendwann über die fertige Autobahn fährt und sagen kann, da habe ich mitgemacht.“

Die 18 Zentimeter dicke Tragschicht sowie die acht Zentimeter dicke Binderschicht sind inzwischen eingebaut, ab kommender Woche soll die vier Zentimeter dicke Deckschicht aufgetragen werden. Danach werden etwa noch Leitplanken und Fahrbahnmarkierungen angebracht. Ende Oktober soll die insgesamt rund acht Millionen Euro teure Baumaßnahme abgeschlossen sein und der Verkehr wieder störungsfrei auf der Strecke rollen. Zumindest bis zum kommenden Mai, denn dann sind die gleichen Maßnahmen zu etwa den gleichen Kosten in der Gegenfahrtrichtung geplant.