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Seit April basteln insgesamt etwa 25 Teilnehmer im Alter von 11 bis 18 Jahren gemeinsam mit fünf Jugendgruppenleitern an ihrem eigenen Bühnenstück. Am 11. Oktober soll es aufgeführt werden. Foto: t&w
Seit April basteln insgesamt etwa 25 Teilnehmer im Alter von 11 bis 18 Jahren gemeinsam mit fünf Jugendgruppenleitern an ihrem eigenen Bühnenstück. Am 11. Oktober soll es aufgeführt werden. Foto: t&w

Theater-Projekt: Anderssein gehört dazu

emi Bardowick. Der Beginn des Theaterstückes ist angelehnt an die „Unendliche Geschichte“: Ein Junge wird von einem Gleichaltrigen gepiesackt und flüchtet sich in eine Bibliothek. Dort wird er zusammen mit seinem Verfolger eingeschlossen. Die beiden sind gezwungen, sich miteinander auseinanderzusetzen und merken, dass sie gar nicht so unterschiedlich sind. Nachts erwachen auch noch die Figuren aus den Büchern zum Leben. Felicitas Holdorf, Sozialpädagogin bei der Samtgemeinde Bardowick, erklärt: „Jede kleine Szene hat die Botschaft: Andersartigkeit gehört dazu, sie bringt Vielfalt mit hinein.“

Anderssein und Ausgrenzung, das sind die brandaktuellen Themen im neuen Projekt der Jugendlichen und ehrenamtlichen Jugendleiter zusammen mit der Offenen Jugendarbeit der Samtgemeinde Bardowick. Nach dem Film über Mobbing im Rahmen der Aktion „Dreh dein Ding“ im Jahr 2013, geht es im Fortsetzungsprojekt „2.0“ nun auf die Bretter, die die Welt bedeuten.

Seit April basteln etwa 25 Teilnehmer zwischen 11 bis 18 Jahren gemeinsam mit fünf Jugendgruppenleitern am eigenen Bühnenstück. In drei Bereichen konnten die Jugendlichen ihre Ideen einbringen: Requisite/Bühnenbild, Story/Schauspiel sowie Ton und Technik. Jetzt, da die gröbsten Vorbereitungen abgeschlossen sind, hat die heiße Phase begonnen. In der vergangenen Woche wurde geprobt, was das Zeug hält. Bis zu sieben Stunden am Tag übten die Beteiligten aus allen Orten der Samtgemeinde Bardowick unter dem strengen Blick des Theater-Pädagogen und Projekt-Regisseurs Henning Karge.

„Lauter!“, ruft der Regisseur aus dem Dunkel des Raumes. „Das ist immer noch zu leise! Ihr müsst die Musik übertönen!“ Der 42-Jährige lässt die Szene wieder und wieder proben, springt auf, schimpft, korrigiert. „Ich will, dass die Kids getriezt werden, ihr Bestes zu geben“, erklärt er. „Teilweise gibt es mir mehr, zu sehen, wie sich jemand mausert, als selbst vor vollem Haus als Schauspieler aufzutreten.“

Eine, die sich gut entwickelt hat, ist Jamina. Die Elfjährige spielt eine der Hauptfiguren, Ole, den Streber. Die männliche Rolle ist eine Herausforderung für sie, aber mit dem Thema Ausgrenzung hat die Bardowickerin schon selbst Erfahrungen gemacht. „Mein Papa kommt aus Marokko“, erzählt sie. „Als ich einmal von dort aus dem Urlaub zurückgekommen bin und Henna an den Händen hatte, bin ich in der Schule gehänselt worden.“ Das Theaterspielen mache ihr Mut, sie habe in der Gruppe schon viel Selbstbewusstsein getankt.

Diese positiven Erfahrungen wollen die Jugendgruppenleiter ihren Schützlingen gern ermöglichen. Sponsoren wie „Generation3“, der Jugendförderverein Vögelsen und der „Poco Einrichtungsmarkt“ unterstützen sie dabei finanziell, die Restkosten werden von der Samtgemeinde Bardowick getragen. Eine tolle Sache, findet Felicitas Holdorf, denn: „So ein Projekt stärkt die Beziehungsarbeit.“

Rund fünf Wochen lang werden sich die Teilnehmer jetzt noch regelmäßig treffen und an ihrem Auftritt feilen. Am Sonntag, 11. Oktober, um 17 Uhr heißt es in der Aula der Hugo-Friedrich-Hartmann-Schule in Bardowick dann: Vorhang auf für die Stars von morgen.