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Trotz nachdenklicher Gespräche verbrachten die Auschwitz-Überlebende Esther Bejarano und Schauspielschüler Max-Fabian Wolff-Jürgens einen schönen und fröhlichen Tag in der Heide. Foto: aproto
Trotz nachdenklicher Gespräche verbrachten die Auschwitz-Überlebende Esther Bejarano und Schauspielschüler Max-Fabian Wolff-Jürgens einen schönen und fröhlichen Tag in der Heide. Foto: aproto

Auschwitz-Überlebende besucht erstmals die Heide

lz Bispingen. Esther Bejarano, Auschwitz-Überlebende und eine der bekanntesten Holocaust-Zeitzeuginnen, besuchte am Sonnabend den Verein „Aktionen und Projekte pro Toleranz“ (Aproto) in der Lüneburger Heide. Die 91-Jährige kam auf Einladung des 20-jährigen Schauspielschülers Max-Fabian Wolff-Jürgens, der zum Aproto-Vorstand gehört und der mit seiner Initiative „Jung gegen Rechts“ bundesweit bekannt wurde. Zuletzt hatte er erst in der vergangenen Woche die Aktion „Stimmen des Nordens gegen Fremdenfeindlichkeit und Rechtsextremismus“ ins Leben gerufen.

Auf der gleichnamigen Internetseite setzen inzwischen mehr als 70 Prominente aus Kultur, Politik und Gesellschaft mit persönlichen Statements in Video-Botschaften ein deutliches Zeichen gegen die zunehmenden fremdenfeindlichen Vorfälle und gegen rechtspopulistische Anfeindungen und Angriffe, auch in den sozialen Netzwerken. Esther Bejarano gehörte zu den ersten, die auf der Internetseite „Stimmen-des-Nordens.de“, auf der gleichnamigen Facebook-Seite und dem YouTube-Kanal rechtsradikalem Gedankengut und Fremdenhass Paroli bietet.

Nach einem Besuch des Aproto-Aktionshauses in der Gemeinde Bispingen wünschte sich Esther Bejarano eine Kutschfahrt durch die Lüneburger Heide nach Wilsede. „Obwohl ich seit 50 Jahren in Hamburg lebe, war ich noch nie im Naturpark. Eine wunderbare Landschaft, ein unvergessliches Erlebnis“, schwärmt die junggebliebene Kämpferin gegen ein Vergessen der Verbrechen des Nationalsozialismus. Auf dem Kutschbock von Fahrer Uwe Petersen hatte Esther Bejarano dann auch fürs Foto, so engagiert wie sie ist, die Zügel fest im Griff. „Das war meine erste Fahrt mit einem Pferdewagen seit Kriegsende, also seit 70 Jahren. Damals war ich auf der Flucht aus dem Konzen­trationslager“, erzählte sie. Und Wolff-Jürgens sagte: „Trotz aller nachdenklichen Gespräche haben wir einen schönen und fröhlichen Tag verbracht, der Esther viel Spaß bereitet hat.“