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Aus Gusborn ist die viereinhalbjährige Emma mit Familie nach Echem gekommen - hier darf sie unter Aufsicht von Ann Kathrin Tiedemann ein Kälbchen streicheln. Foto: t&w
Aus Gusborn ist die viereinhalbjährige Emma mit Familie nach Echem gekommen - hier darf sie unter Aufsicht von Ann Kathrin Tiedemann ein Kälbchen streicheln. Foto: t&w

„Investition zur rechten Zeit“ – Landwirtschaftliches Bildungszentrum in Echem feierlich eröffnet

pet Echem. Es war der Tag der Superlative. „Leuchtturmprojekt“ hieß es, von „Vorbildcharakter“ wurde gesprochen. Von „Strahlkraft weit über die Landesgrenzen hinaus“. „Modernst und zukunftsweisend“ wurde gelobt. Alle Festredner meinten das Gleiche: die Erweiterung und Modernisierung des Landwirtschaftlichen Bildungszentrums (LBZ) Echem, dessen Einweihung nach fünfjähriger Planungs- und Bauzeit am Sonnabend gefeiert wurde.

350 geladene Gäste waren beim offiziellen Festakt dabei, mehr als 5000 kamen zum Hoffest und noch einmal 1000 feierten bis in den frühen Sonntagmorgen hinein beim Scheunenfest mit der Band Neugierig.

Martina Wojahn, Geschäftsführerin des LBZ, und Gerhard Schwetje, Präsident der Landwirtschaftskammer Niedersachsen als Trägerin des LBZ, begrüßten am Vormittag die Gäste. „Nach der baulichen und inhaltlichen Neuausrichtung“ sei das LBZ in Echem „wohl das modernste und zukunftsweisendste Bildungszentrum für landwirtschaftliche Nutztierhaltung in der Bundesrepublik“, erklärte Schwetje. „Wie ich meine, die richtige Investition, zur rechten Zeit, am rechten Ort“.

Vor fünf Jahren habe der Vorstand der Landwirtschaftskammer den Beschluss gefasst, die getrennt durchgeführte überbetriebliche Ausbildung für die Bereiche Rind (in Echem) und Schwein (in Wehnen) in Echem zusammenzulegen. Schwetje erinnerte an Befürchtungen in der Bevölkerung, die künftige Schweinehaltung könne sich, etwa in Geruchsemissionen, negativ auswirken. Letzlich habe es aber ein „konstruktives Miteinander“ gegeben.

Insgesamt 30 Millionen Euro sind in den vergangenen fünf Jahren nach Echem geflossen. Dafür wurde der Bereich der Rinderhaltung erweitert und modernisiert, auf Scharnebecker Gebiet Schweineställe für die konventionelle und ökologische Haltung gebaut, dazu wurde das Internat modernisiert. Von der Gesamtsumme wurden 15 Millionen Euro vom Bundesinstitut für Berufsbildung aufgebracht, vier Millionen Euro vom Land Niedersachsen, 700000 Euro von der Landwirtschaftlichen Rentenbank und zehn Millionen Euro von der Landwirtschaftskammer.

Zu den Gästen, die gekommen waren, gehörte auch Niedersachsens Landwirtschaftsminister Christian Meyer (Grüne), der besonders das Nebeneinander von ökologischer und konventioneller Schweinehaltung lobte und den Verantwortlichen mit auf den Weg gab: „Sie haben die bedeutende Aufgabe, den landwirtschaftlichen Berufsstand und ganz besonders den Nachwuchs, der sich in der Ausbildung befindet, für die künftigen Herausforderungen der landwirtschaftlichen Tierhaltung zu stärken.“

Werner Hilse, Präsident des Landvolks Niedersachsen, lobte das Vorhaben der Landwirtschaftskammer, mit Hilfe des LBZ in Echem den Dialog mit den Verbrauchern zu fördern. „Das ist wichtiger denn je, um die gesellschaftliche Akzeptanz der herkömmlichen Landwirtschaft zurückzugewinnen.“ Lüneburgs Landrat Manfred Nahrstedt (SPD) bezeichnete das LBZ als „Schaufenster für die Landwirtschaft“, eine Fortsetzung der Zusammenarbeit sicherte Prof. Dr. Elke Pawelzik, Dekanin der Fakultät Agrarwissenschaften an der Universität Göttingen zu. Pastorin Ricarda Rabe als Referentin für Kirche und Landwirtschaft der evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannover brachte die Erwartung der Gesellschaft an moderne Tierhaltung ein: „Nutztiere sollten während ihres Lebens ohne Leid, Angst und Schmerz gehalten werden, es soll ihnen gut gehen“. Die neuen Lehrwerkstätten in Echem würden dazu beitragen.

Sorgenvoll gingen die Blicke der Verantwortlichen angesichts des geplanten Hoffests in Richtung Himmel, gegen Mittag prasselte der Regen auf das Festzelt. Aber pünktlich zum Beginn des Festes klarte es auf, später zeigte sich sogar die Sonne, sodass Tausende nach Echem kamen, sich unterhalten und informieren ließen. Groß war der Andrang an den neuen Schweineställen.

In einer Feierstunde am Rande der Eröffnung wurde Arendt Meyer zu Wehdel geehrt: Der damalige Präsident der Landwirtschaftskammer war Anfang 2015 verstorben. Die Straße zu den neuen Schweineställen des LBZ wurde nach ihm benannt, trägt den Namen „Meyer-zu-Wehdel-Straße“. Kammerpräsident Gerhard Schwetje erklärte dazu: „Er hat wie kein Zweiter das Projekt mit Kraft und Leidenschaft vorangetrieben und maßgeblich geprägt.“ Sein Engagement für die landwirtschaftliche Aus-, Fort- und Weiterbildung finde mit der Namensgebung eine Würdigung, die über den Tag hinaus Bestand habe.

Schweine, Rinder und sogar Schafe und Damwild

Das Landwirtschaftliche Bildungszentrum (LBZ) in Echem ist zuständig für die landwirtschaftliche Aus-, Fort- und Weiterbildung in Niedersachsen. Eckdaten des neuen LBZ nannte dessen Geschäftsführerin Martina Wojahn: In der Lehrwerkstatt Rind werden 150 Kühe in verschiedenen Aufstallungsformen gehalten und mit verschiedenen Systemen (automatisches Melksystem und konventionelle Melktechnik) gemolken. Hinzu kommen die weibliche Nachzucht (90 Rinder) sowie 25 Mutterkühe. In der Lehrwerkstatt Schwein stehen künftig im konventionellen Bereich 270 Sauen, 1275 Ferkel und 1275 Mastschweine. Die ökologische Schweinehaltung zählt 32 Sauen, 84 Ferkel und 285 Mastschweine

Pro Jahr rechnen die Kammer-Verantwortlichen mit 7000 Gästen, knapp 2000 Auszubildenden aus Niedersachsen und rund 5000 Besuchern der Fort- und Weiterbildung, davon viele aus dem ganzen Bundesgebiet und aus dem Ausland. Hinzu kommen 3000 Gäste außerhalb der Landwirtschaft, von Kindergartengruppen und Schulklassen über Jugendfreizeiten bis hin zu Vereinen und Betriebsausflügen, die sich im „Praxiscampus“ über moderne Tierhaltung informieren wollen.

Für das Schaufenster Landwirtschaft werden 25 Stück Damwild im Gehege, 30 Leineschafe und einige Ziegen und Hühner gehalten. Der Betrieb bewirtschaftet gut 200 Hektar, davon 110 Hektar Grünland. Das Tagungs- und Gästehaus verfügt über 15 Seminarräume und Übernachtungsmöglichkeiten für 100 Gäste, die mit regionaler Küche versorgt werden können. „Durch einen großen Freizeitbereich unter anderem mit Bistro, Mediathek und Chill-Lounge kommt bei den vorwiegend jungen Übernachtungsgästen abends keine Langweile auf“, ergänzte LBZ-Geschäftsführerin Wojahn.

Die Schulungen im Bereich der Rinderhaltung laufen bereits. Die überbetriebliche Ausbildung zur Schweinehaltung, die bisher noch in Wehnen (Landkreis Ammerland) durchgeführt wird, startet am 1. Januar 2016. Die Schweinebestände in Echem befinden sich seit Juni im Aufbau.