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Angespanntes Verhältnis: Seit Kreisrätin Monika Scherf (parteilos) im Oktober 2013 zur CDU-Landratskandidatin gekürt wurde, ist das Verhältnis zu Amtsinhaber Manfred Nahrstedt (SPD) angespannt. Nun endet nach acht Jahren Scherfs Amtszeit im Frühjahr 2016, und die Stelle soll ausgeschrieben werden. Anders als vor kurzem beim Ersten Kreisrat. Ihn hatte der Kreistag ohne Ausschreibung wiedergewählt. Fotos: A/t&w
Angespanntes Verhältnis: Seit Kreisrätin Monika Scherf (parteilos) im Oktober 2013 zur CDU-Landratskandidatin gekürt wurde, ist das Verhältnis zu Amtsinhaber Manfred Nahrstedt (SPD) angespannt. Nun endet nach acht Jahren Scherfs Amtszeit im Frühjahr 2016, und die Stelle soll ausgeschrieben werden. Anders als vor kurzem beim Ersten Kreisrat. Ihn hatte der Kreistag ohne Ausschreibung wiedergewählt. Fotos: A/t&w

Ein Abgang mit Ansage – Landrat will Stelle von Kreisrätin Monika Scherf neu ausschreiben

jj/ml Lüneburg. An ihrer Arbeit als Lüneburger Kreisrätin gibt es nichts auszusetzen, den entscheidenden Fehler jedoch beging Monika Scherf im Oktober 2013. Damals ging die Parteilose für die CDU als Landratskandidatin ins Rennen — gegen ihren Chef, Sozialdemokrat Manfred Nahrstedt. Nun endet Scherfs Amtszeit und der Landrat will die Stelle der Kreisrätin ausschreiben lassen. Das Papier ist jetzt an die Fraktionen verschickt worden. So gehen Verwaltungschefs vor, wenn sie eine Stelle neu besetzen wollen, dem Amtsinhaber nicht vertrauen.

Ein Abschied mit Ansage also. Doch die CDU hält mit FDP und Linken: Die Fraktionen haben beantragt, auf die Ausschreibung zu verzichten. Das Papier ist jetzt auch an SPD und Grüne verschickt worden, die Mehrheitsgruppe im Kreistag.

Landrat Manfred Nahrstedt sagte der LZ auf Anfrage: „Ich glaube, alle wissen, als ich vor gut eineinhalb Jahren erfahren habe, dass ich bei der Wahl Konkurrenz aus dem eigenen Hause bekomme, dass ich diese Stelle ausschreiben werde. Das habe ich damals auch Frau Scherf rechtzeitig und klar gesagt. Ich habe sie auch jetzt darüber informiert, dass ich damit in den Kreistag gehe. Den Rest warte ich in Ruhe ab.“

Unterdessen versuchen die Christdemokraten im Kreistag, die rot-grüne Mehrheit, die Hausmacht Nahrstedts, davon zu überzeugen, Scherf im Amt zu lassen. CDU-Kreischef Günter Dubber zeigt sich erstaunt über die Ausschreibung der Stelle: „Gerade noch haben SPD und Grüne Monika Scherf im Kreistag im Zusammenhang mit dem hochkomplexen Windkraft-Programm über den grünen Klee gelobt. Deswegen haben wir jetzt auch den gemeinsamen Antrag formuliert, die Stelle nicht auszuschreiben, und ihn auch an die Fraktionen der Gruppe SPD/Grüne geschickt.“ Dass der Landrat Kreisrätin Scherf noch übel nehme, dass sie als Gegenkandidatin bei der letzten Wahl angetreten sei, kann sich Dubber nicht vorstellen. „So schofelig kenne ich den Landrat nicht.“ Schließlich sei die Parteilose angetreten, als gar nicht klar war, ob Nahrstedt angesichts seines Alters überhaupt noch einmal kandidieren dürfe. Erst später sei das entsprechende Gesetz geändert worden. Auch kann sich Dubber den Vorstoß der Verwaltung auch deswegen nicht erklären, weil die Stellenausschreibung des Landrates Monika Scherf geradezu auf den Leib geschrieben sei.

CDU-Fraktionschef Alexander Blume sagt: ,,Wir haben in der Fraktion darüber gesprochen, dass gerade in letzter Zeit nicht eine sachliche Kritik an der Arbeit von Monika Scherf laut geworden ist. Sie hat über all die sieben Jahre ihren Job gut gemacht. Es gab nicht einmal Andeutungen, dass dies anders gesehen wird, auch nicht bei Grünen und Sozialdemokraten. Deswegen gebietet es schon die gute Form, dass wir SPD und Grüne dazu einladen, unseren Antrag zu unterstützen.“

Das fällt bei SPD-Fraktionschef Franz-Josef Kamp kaum auf fruchtbaren Boden: „Die SPD-Fraktion kann den gemeinsamen Antrag von CDU, FDP und Linke nicht unterstützen. Wir unterstützen den Landrat, der eine Neuausschreibung wünscht.“ Monika Scherf habe sich eindeutig gegen den Landrat gestellt und sich im Rahmen einer kooperativen und vertrauensvollen Zusammenarbeit im Verwaltungsvorstand des Landrats höchst illoyal gegenüber ihrem Vorgesetzen verhalten. „Obwohl Herr Nahrstedt bereits durch die SPD-Fraktion zur erneuten Kandidatur aufgefordert war und in Hannover absehbar war, dass das Gesetzt dafür geändert wird und meines Wissens Herr Nahrstedt Frau Scherf in einem persönlichen Gespräch seine erneute Kandidatur mitgeteilt hat, hat Frau Scherf wohl wissentlich der Sachlage eine Konkurenzkandidatur gegen ihren Chef betrieben“, sagt Kamp weiter. Und: „In jedem privat geführten Unternehmen wäre es da schon zu einer Trennung gekommen, da anzunehmen ist, dass eine vertrauensvolle Zusammenarbeit nicht mehr möglich ist. Ich denke Frau Scherf sieht dies genauso, sonst hätte sie sich nicht bereits auf andere Stellen beworben.“ Mit der Kandidatur sei in jedem Fall eine erneute Amtszeit von Monika Scherf ausgeschlossen gewesen. „Ich denke, dies muss Frau Scherf frühzeitig auch klar gewesen sein“, so der SPD-Fraktionschef.

Monika Scherf will sich zu den Gedankenspielen um ihre Person nicht äußern. Auch die Kreisrätin will die Beratungen in den Ausschüssen und im Kreistag abwarten.

Als erstes mit dem Thema befassen wird sich der Ausschuss für Finanzen und Personal des Landkreises Lüneburg bei seiner Sitzung am Donnerstag, 10. September. Beginn ist um 14 Uhr im Kreishaus, Auf dem Michaeliskloster 4. Weitere Themen sind die Müllgebühren im Kreisgebiet.

3 Kommentare

  1. frage: welcher verwaltungshengst(in) kann diese arbeit nicht ohne parteibuch ausführen? damit meine ich landrat und kreisrat.

  2. Au weia. Da ist aber jemand zu tiefst beleidigt. Fast schon wie eine Mimose. Die Politik zeigt einmal mehr ihr wahres Demokratieverständnis. Selbst überzeugende Leistungen und Argumente können die (künstlich) gewollten Gräben zwischen den politischen Lagern nicht überwinden.

    Das ist ein Trauerspiel der Demokratie und ein Armutszeugnis für den Arbeitgeber, Entschuldigung – natürlich den Dienstherrn (oh je! Das wär ja Gestern auch ein Reizbegriff bei „Hart aber Fair“ in der Gender-Diskussion gewesen).

    Einwandfreier und loyaler Einsatz im Dienst mit Anerkennung von allen Seiten können politische Barrieren nicht einreissen. Ein erbärmliches Zeugnis. Für wen? Das mag jeder für sich entscheiden wie er es versteht und sehen will.

  3. Ha ha ha.
    Da sagt sogar CDU-Mann Dubber ganz fair, dass er den Landrat „gar nicht so schofelig kenne“. Heißt, er traut SPD-Nahrstedt deratige Garstigkeit, Bösartigkeit nicht zu. Wer wird schon so dünnhäutig und nachtragend sein?

    Wenige Absätze später drückt dann Genosse Franz-Josef Kamp unverhohlen aus, was sein Parteifreund Nahrstedt offenbar doch ist: nachhaltig, dünnhäutig, schofelig. Denn er bestätigt, dass die Scherf-Landratskandidatur der wohl einzige Grund für die zu erwartende Ablösung Scherfs ist.

    HALLO, HERR NAHRSTEDT! Da ist Ihnen Herr Kamp aber böse in den Rücken gefallen! Sollte man seinen Posten im Fraktionsvorsitz jetzt nicht neu besetzen?

    Ist nur Spaß. Herr Nahrstedt macht ja selbst keinen Hehl aus seinem Antrieb, wenn er sagt: „Ich hab vor 1,5 Jahren gesagt, ich dulde keine qualifizierte Konkurrenz, die Scherf muss weg, da steh ich heute noch zu.“ (So lese ich sein Zitat im Artikel.) So viel Stehvermögen hätten sich viele auch beim Thema Elbbrücke von Ihnen gewünscht, Herr Landrat.

    Toll find ich auch das Demokratieverständnis des Franz-Josef Kamp: Da zieht Schuldirektor Kamp den Vergleich zur freien Wirtschaft und behauptet, in privat geführten Unternehmen wäre es längst zur Trennung gekommen.

    Herr Kamp, Sie können es nicht wissen, aber in privat geführten Unternehmen haben wir kaum Wahlposten wie den des Landrats, der in einem demokratischen Prozess vom Bürger mitbestimmt wird. Ich als Wähler find’s geil, wenn diejenigen kandidieren, die dafür qualifiziert sind.

    In der freien Wirtschaft benutzt man manchmal den Begriff Bonsaistrategie für folgendes Problem: Vorgesetzte halten Mitarbeiter absichtlich klein, um selbst besser dazustehen. Darunter leidet aber schlussendlich die ganze Arbeit. Anders ausgedrückt: Erstklassige Manager haben erstklassige Mitarbeiter. Zweitklassige Manager haben drittklassige Mitarbeiter. Kommt Ihnen bekannt vor, Herr Kamp? Ja, glaub ich auch.

    An die Abgeordneten der rot-grünen Mehrheit: Wenn Frau Scherf nicht wusste, dass ihr „Chef“ kandidiert, sollten Sie ihr verzeihen. Wenn Sie es wusste und sich sagte, „Ich kann’s besser“, sollten Sie das respektieren.

    Es kann nicht sein, dass Neuausschreibungen in unserer Verwaltung nur aufgrund verletzter Egos und niederer Parteiinteressen erfolgen.