Aktuell
Home | Lokales | Der Traum vom blauen Wunder
Festgemacht hatte der 110 Jahre alte Raddampfer Kaiser Wilhelm in Dresden am Blauen Wunder. Die Brücke verbindet den Schillerplatz in Blasewitz und den Könneritzplatz in Loschwitz. Foto: tja
Festgemacht hatte der 110 Jahre alte Raddampfer Kaiser Wilhelm in Dresden am Blauen Wunder. Die Brücke verbindet den Schillerplatz in Blasewitz und den Könneritzplatz in Loschwitz. Foto: tja

Der Traum vom blauen Wunder

tja Lauenburg/Dresden. Sie hatten einen Traum, und haben ihn sich erfüllt: 320 Kilometer vom Heimathafen entfernt, wurde Lauenburgs schwimmendes Wahrzeichen, der Raddampfer „Kaiser Wilhelm“, von Hunderten Fahrgästen geentert und von anderen Raddampfern mit Pfeifsignalen begrüßt. Erstmals nach 105 Jahren lief der Kaiser wieder in Dresden ein. Dort war er 1900 gebaut, 1910 verlängert worden. „Absolutes Gänsehautgefühl“, schwärmte Kapitän Markus Reich von der Ankunft in der Landeshauptstadt von Sachsen, auch Elbflorenz genannt. „Unter den alten Brücken durch auf die Altstadt zuzufahren, das war einfach einmalig schön“, so Reich.

Lange war unklar, ob das Schiff aus Lauenburg überhaupt nach Dresden würde fahren können. Noch immer ist der Wasserstand weit von normalen Verhältnissen entfernt. Und so konnte auch der vorgesehene Anleger am Terrassenufer nicht genutzt werden, die Crew wich nach Dresden-Loschwitz aus und machte unterhalb des „Blauen Wunders“, wie die imposante Elbbrücke dort heißt, fest. Von dort aus ging es weiter nach Königstein. Am Montag ging es dann wieder elbabwärts Richtung Lauenburg. Donnerstagabend wird das Schiff zurückerwartet.

Die Fahrt nach Dresden war für Mensch und Technik eine Herausforderung. Reisen wie vor mehr als 100 Jahren kann bei so einer langen Tour schnell zur Belastung werden, normalerweise macht der „Kaiser“ nur kurze Tagesfahrten. Mehr als zehn Tonnen Kohle mussten die Heizer unter Deck in die beiden Feuerlöcher schippen, um das Wasser im Kessel aufzuheizen und Dampf zu erzeugen. Der treibt noch — wie 1900 — die beiden Schaufelräder an. „Wenn wir zehn bar Druck auf dem Kessel haben, können wir fahren“, sagte Heizer Dirk Jenckel. „Stoppt den Kohlenklau“, steht auf einem Schild unter Deck. Unweit davon hängen die „Dienstvorschriften für Kesselwärter“. Jenckel: „Die Kohle, die wir unterwegs in Roßlau gebunkert haben, war leider Mist. Wir hatten massiv mit Schlacke zu tun, die uns die Feuerlöcher blockiert hat.“ Einige Brocken davon hoben die Heizer auf, um bei der Reklamation gegenüber dem Lieferanten Geld zurückfordern zu können.

„Unsere Raddampfer hier in Dresden fahren alle schon längst mit Diesel, da ist das hier eine wahre Attraktion“, erklärte Reiner Prinz aus Dresden. Der 75-jährige Dampfer-Fan war dabei, als das Schiff am Sonntag in Loschwitz ablegte. „Das ist hier an Bord ja wirklich Nos­talgie pur“, schwärmte er. Adolf Kruse (80) hatte sich morgens früh in Hameln auf den Weg gemacht, um rechtzeitig in Loschwitz an Bord des Kaisers gehen zu können. „Ich war früher selbst Kapitän des Raddampfers, als er noch auf der Weser fuhr“, berichtete Kruse. 1970 half er dann dem „Verein zur Förderung des Lauenburger Elbschifffahrtsmuseums“, der das Schiff rettete, es nach Lauenburg zu überführen. „Es haben sich ja wirklich nur Kleinigkeiten verändert“, staunte Kruse. Kein Wunder, steht das Schiff doch unter Denkmalschutz und wird entsprechend unterhalten.

Die Rückfahrt erfolgt nun deutlich schneller und weniger anstrengend als die Reise elbaufwärts. „Nach Dresden fahren wir so schnell sicher nicht wieder, aber eine Tour ins alte Revier an der Weser, das wäre nochmal was“, hat Reich schon neue Ideen — trotz aller Anstrengungen.

2 Kommentare

  1. Sehr geehrte Damen und Herren, mich würde die heutige Ausgabe Ihrer Zeitung interessieren (in Papierform), wg. des Artikels über den KAISER WILHELM.

    Kann ich die Zeitung bei Ihnen erwerben (meinetwegen auch gegen Vorauskasse).

    Vielen Dank für eine kurze Rückmeldung.

    MfG Nils Teichert