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Es grünt so grün im Museum Lüneburg: (v. l.) Dr. Heike Düselder, Christina Broesike (Museums-Kuratorin Natur), Dr. Andreas Fichtner und Christian Claassen. Foto: ina
Es grünt so grün im Museum Lüneburg: (v. l.) Dr. Heike Düselder, Christina Broesike (Museums-Kuratorin Natur), Dr. Andreas Fichtner und Christian Claassen. Foto: ina

Wald ist nicht selbstverständlich

ina Lüneburg. Naturschutz ist unbestritten eine der größten Herausforderungen unserer Zeit. Wie wichtig vor allem der Wald für uns Menschen als Ressource ist, zeigt die Wanderausstellung „Waldgrün — Stadtgrün“. Bis 27. September informiert sie im Museum Lüneburg auf großformatigen Tafeln über das grüne Ökosystem. Wald in Deutschland oder in fernen Regionen, Waldbewohner und Waldfunktionen, der Rohstoff Holz und die Wildnis in unseren Wäldern, Bäume und Biotope in unseren Städten — das sind die Themen.
Museumsleiterin Dr. Heike Düselder unterstrich in ihrer Eröffnungsrede die komplexe Rolle des Waldes für unseren Alltag: „Wald ist der Inbegriff von Natur, doch er ist auch Teil der menschlichen Kultur und ihrer Geschichte.“ Mit den Themenfeldern Wald- und Stadtökologie würde die Ausstellung einen zentralen Aspekt des Museums aufgreifen — die Wechselwirkungen zwischen Mensch und Natur und der Einfluss von Natur und Landschaft auf das Zusammenleben der Menschen. „Sie geht, wie viele Umweltthemen aufgreifende Ausstellungen, in erster Linie von Gegenwart und Zukunft aus, möchte auf die immense Bedeutung von Wäldern und Stadtbäumen und ihre Bedrohung durch Abholzung und Brandrodung aufmerksam machen.“ Eine Herausforderung, der man sich jetzt dringend stellen sollte.

Nach Grußworten von Ratsmitglied Ernst Bögershausen (Bündnis 90/Die Grünen), Mitglied des Grünflächen- und Forstausschusses der Stadt, sowie Christian Claassen als Inhaber des Sponsors Claassen Haus GmbH (Town & Country) hielt Dr. Andreas Fichtner vom Institut für Ökologie der Leuphana-Universität einen spannenden Vortrag. Sein Forschungsschwerpunkt liegt in der angewandten Vegetationsökologie und der Entwicklung von adaptiven Naturschutz- und Managementstrategien unter den Bedingungen des globalen Wandels. „Es ist bekannt, dass mit zunehmenden Alter der Waldbestände die Vielfalt an typischen Waldarten ansteigt. Es ist auch bekannt, dass Altbäume und Totholz eine zentrale ökologische Funktion als Habitate und Strukturelemente besitzen. Es ist aber weitaus weniger bekannt, welche Rolle die „ökologische Kontinuität“ in Bezug auf Ökosystemfunktionen und -dienstleistungen sowie auf die Anpassungsfähigkeit von Wäldern an sich wandelnden Umweltbedingungen, zum Beispiel den Klimawandel, spielt“, erklärte er einführend. Historisch alte Wälder wären „Hotspots der biologischen Vielfalt“. „Sie weisen aus allen tropischen Ebenen Reliktarten auf und beherbergen für Waldarten die größten genetischen Ressourcen.“ Menschliche Eingriffe ließen sich noch nach über einem Jahrhundert im Boden nachweisen und können zu erheblichen Veränderungen der Waldökosysteme führen.

Die Wanderausstellung wird unterstützt mit Mitmach-Elementen vom SCHUBZ:

Sonnabend, 12. September, 15 Uhr: „Von Büschen und Bäumen — Grünanlagen und ihre Bedeutung für die Stadt. Spaziergang durch den Wandrahmpark mit Volkmar Ziese. (Treffpunkt: Wandrahmstr. 10).

Sonntag, 20. September, 10 Uhr: „Naturgemäße Waldwirtschaft und Naturschutz im Stadtforstamt. Waldspaziergang mit Stadtförster Michael Stall. (Treffpunkt: Tiergarten).

Mittwoch, 23. September, 17 Uhr : „Geschichten über Bäume — Entdeckungstour durch den außergewöhnlichen Baumbestand des Kurparks über biologische Grenzen hinaus.“ Spaziergang durch den Kurpark mit Dr. Wolfram Eckloff. (Treffpunkt: Parkplatz, Familien-Workshop im Museum).

Sonntag, 27. September, 14.30 bis 16 Uhr: Wir bringen die Stadt zum Blühen! — Aus Ton, Erde und Samen entstehen selbstgemachte Samenkugeln, die „für öde Orte“ vorgesehen sind. (Kosten: Museumseintritt zzgl. 3 Euro)

One comment

  1. Eine tolle Initiative! Aber: dürfen wir unter dem Bemühen um (Zitat) „Naturschutz- und Managementstrategien unter den Bedingungen des globalen Wandels“ auch das Betreben verstehen, neue Autobahnprojekte kritsich zu begleiten? Wenn ja, empfehle ich allen Teilnehmern und Interesierten die Lektüre das LZ-Artikels zur Präsentation der neuen IHK Kampagne „Ohne A39 fehlt mir was“ (Artikel vom vom 03.09.2015 auf dieser Seite.) Neben den Lehrenden und Studierenden der Lauphana Universität sind auch die Lüneburger Grünen, m. E. aufgerufen, hier sehr viel stärker zu protestieren und dieses Autobahnprojekt zu verindern, das grosse Wald- und Naturgebiete zwischen und Lüneburg und Wolfsburg vernichten würde!