Donnerstag , 8. Dezember 2016
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Hans-Jürgen Lewandowski restauriert einen Giebel in der Altstadt. Am Sonntag zeigt der Maurerpolier seine Kunst im Museum. Foto: t&w
Hans-Jürgen Lewandowski restauriert einen Giebel in der Altstadt. Am Sonntag zeigt der Maurerpolier seine Kunst im Museum. Foto: t&w

Ein Kind des Museums

ca Lüneburg. Hans-Jürgen Lewandowski betreibt ein derbes Handwerk mit sensiblen Fingern: Er ist Maurer. Bei der Denkmalpflege der Stadt hat er einen hervorragenden Ruf, als einer, der zig verwitterten Backsteingiebeln Lüneburgs ihre Anmut und Eleganz wieder gegeben hat. Klar, dass einer wie er nicht fehlen darf am Tag des offenen Denkmals, der in diesem Jahr unter dem Motto steht „Handwerk, Technik, Industrie“. Am Sonntag, 13. September, mauert der Polier der Firma Mahnke im Museum ein Portal aus Backsteinen im Klosterformat.

Für den Handwerker ist es eine Rückkehr zu seinem Ursprung. „Ich wurde im Museum geboren“, sagt der 61-Jährige. Sein Onkel war Hausmeister in dem düsteren Bau am Wandrahm. „Ich weiß nicht, ob meine Mutter es von unserer Wohnung an der Wallstraße nicht mehr bis in die Klinik Saucke um die Ecke geschafft hat“, sagt der schmale Mann mit einem breiten Grinsen. So genau seien seine Erinnerungen an den 22. August 1954 denn doch nicht mehr.

Jedenfalls war das Museum für ihn und seinen Cousin Carlo Wilkens ein riesengroßer Spielplatz. „Wir haben Verstecken gespielt, sind auf dem Telschow-Gaul geritten.“ Das ist eine umstrittene Pferde-Skulptur, die sich in der braunen Zeit der Lüneburger Gauleiter Otto Telschow unter den Nagel gerissen hatte. Die Kinder hat die zweifelhafte Geschichte nicht gekümmert. Spannend waren auch die zahllosen Flinten und Gewehre, die an den Wänden hingen. „Damit haben wir im Hof Schießübungen gemacht“, sagt Lewandowski. Mit Platzpatronen, wo immer die auch herkamen, und von Schwarzpulver gefärbten Gesichtern. Heute undenkbar, so mit musealen Kostbarkeiten umzugehen. Mit einem Augenzwinkern sagt der Maurer: „War experimentelle Archäologie.“

So war es wohl auch mit der Bauernstube, die ländliches Leben in der Heide beschreiben sollte. Da die Hausmeister-Wohnung winzig war — Cousin Carlo schlief in einem Gelass unter der Treppe –, machte die Familie Wilkens das Heidjer-Mobiliar zum Wohnzimmer: „Da haben wir gesessen bei Familienfeiern.“ Immer mit dem Segen des damaligen Museumschefs Gerhard Körner.
Irgendwie war alles beschaulicher. Der Hausmeister war ein praktischer Mann, vielleicht waren auch die Besucherzahlen so dürftig, jedenfalls konnte er neben seiner Arbeit hinterm Museum ein paar Reusen und Angelschnüre in die Ilmenau werfen, um Aale und andere Fische zu fangen. Trotzdem hatte der Onkel alles im Blick: So ertappte er die beiden Bengels, als sie unter einer der alten Kirchenglocken im Hof hockten und schmökten.

Wenn Lewandowski heute durchs Museum geht, fehlt vieles: die Heere von Zinnsoldaten, mit denen die Jungen Schlachten führten, und die Säbel, mit denen sie sich wie Edelmänner fühlten. „Wir haben damals immer alles zurückgelegt“, sagt er. Trotzdem ging einiges verschütt. Denn eine Ewigkeit verfügte das Museum über kein wirkliches Archiv. Das änderte sich erst, seitdem man wie auch das Salzmuseum das ehemalige Notfallkrankenhaus im Bunker unter dem Schulzentrum Oedeme nutzen kann. Der Kalte Krieg ist vorbei, nun ist dort Platz für einen Fundus.

Lewandowski arbeitet mehr als drei Jahrzehnte für dieselbe Firma. Er ist ein Fachmann für Restaurierungen. Kennt sich aus mit altem Handwerk und Bauformen. Wenn er durch das moderne Museum geht, nickt er anerkennend: „Gefällt mir.“

Und ein bisschen steuert er etwas bei zur Geschichte des Hauses und zu seiner eigenen. Denn das Portal, das er am Sonntag mauert, soll auf der Terrasse stehenbleiben.

Ein Blick auf alte Kostbarkeiten

Ein volles Programm lockt Sonntag zum Tag des offenen Denkmals

Zum bundesweiten Tag des offenen Denkmals können Interessierte auch in der Region wieder hinter viele Türen blicken, sich auf Vorträge und Rundgänge freuen. Die Übersicht erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

 

Lüneburg

Museum Lüneburg
„Ein Portal wird gemauert“, Brotzeit der Bauhandwerker auf der Terrasse des Museums, 15.30 Uhr
“ schneden steen, schlichte man und wunden man“. Architekt Heinz Henschke stellt die Sammlung von Backsteinen und Formsteinen vor, 12 und 14.30 Uhr, geöffnet 11 bis 17 Uhr

Pons, Salzstraße Am Wasser
HSR Architekten erläutern die abgeschlossene Instandsetzung des Giebels. Führungen 11, 12, 13, 14 und 15 Uhr

Am Berge 35, Kloster Heiligenthal
Mauergeflüster Nur zwei Mauernischen erzählen von dem einst imposanten und für die Stadt bedeutenden Gebäude. Was es mit den Mauerresten auf sich hat, welche baulichen Anstrengungen und Geschichten damit verbunden sind, daran soll erinnert werden. Vortrag 11, 12, 13, 14 und 15 Uhr

Speicher, Am Iflock 4
Nutzung des Gebäudes von 1475 durch den ALA als Speicher; insbesondere als Lager für alte Baumaterialien und Marktstände. Vor dem Gebäude werden historische Kinderspiele dargeboten, und eine Korbflechterin zeigt ihr altes Handwerk. Geöffnet 10 bis 17 Uhr

Gipsbrennofen am Kalkberg
Führungen, geöffnet 11 bis 16 Uhr, Führungen 11.30 und 14.30 Uhr

Scala Programmkino, Apothekenstraße 17
Sonntagsmatinée: Gezeigt werden „historische Filme aus Lüneburg“. Vorführungen 11 und 12 Uhr, freier Eintritt

Stadtrundgänge
„Alte Straßennamen und ihre Hinweise auf das Handwerk im alten Lüneburg“ lautet eine Tour, Prof. Dr. Edgar Ring wartet um 11 Uhr vor dem Alten Stadtarchiv auf Interessierte

Kloster Lüne
Fachleute erklären die Wassertechnik des Mittelalters und die Technik des Nähens. Geöffnet 11 bis 17 Uhr

„Häuser der Renaissance in Lüneburg“
Treffpunkt vor dem Alten Stadtarchiv, 15 Uhr. Eine Führung des Ortskuratoriums der Deutschen Stiftung Denkmalschutz

Altes Stadtarchiv im Rathaus, Waagestraße
Geöffnet von 10 bis 18 Uhr. Informationsstand der Deutschen Stiftung Denkmalschutz
„Die Nadel im Heuhaufen: der Archivar hilft, sie zu finden“, Danny Kolbe
Demonstration buchbinderischer und kalligraphischer Handwerkskunst
Musikalische Darbietungen zum Thema Handwerk: Bach Chor Lüneburg, 12.45 und 14.30 Uhr

Ehemalige Musikschule, An der Münze 7
Eigentümer und Architekten führen durch die Gebäude und präsentieren das Projekt „Zukunft der Alten Musikschule“, Führungen 13.30 und 15.30 Uhr
Dazu: Hofspektakel in historischer Umgebung von und mit Isabel Arlt und Burkhard Schmeer, Aufführungen 13, 15 und 17 Uhr
Baugeschäft Mahnke präsentiert das Maurerhandwerk: Ein Giebel aus großformatigen Ziegeln und Formsteinen entsteht
Erlebnisschmiede Südergellersen e.V. bietet Vorführungen und Mitmachaktionen zum Thema Technik im Mittelalter
Zimmerei Köppe zeigt das traditionelle Handwerk des Zimmermanns, geöffnet von 11 bis 17 Uhr

Brauereimuseum, Heiligengeiststraße 39
Neben der Produktionskette können teils seltene Gerätschaften bestaunt werden. Führungen durch das historische Sudhaus 13 und 15 Uhr, geöffnet 11 bis 17 Uhr

Scharffsches Haus, Heiligengeiststraße 38
Nach Umbauten Entree in eine neue Museumswelt. Zu sehen sind unter anderem Lastenaufzüge mit Windenrad. Führungen 14 und 16 Uhr

Deutsches Salzmuseum, Sülfmeisterstraße 1
„Das Lüneburger Handwerk um 1600“ Vortrag von Dr. Christian Lamschus, Salzmagazin, 11 Uhr
„Erläuterung der technischen Besonderheiten der ehemaligen Saline“, Führungen durch das Museum, 12, 14 und 15 Uhr, Vorführung des historischen Salzsiedens

Hotel Einzigartig, Lünertorstraße 3
Gebäude von 1579, im Innern Dekorationsmalerei: stilisierte Blumen und Schriftfelder in deutscher Sprache. Öffnungszeiten 10 bis 18 Uhr.

Adendorf

Us Heimathus: Verschiedene Aktionen mit Tierpräparator, Töpferin und Schuhmacher. Zudem wird gesponnen, genäht und gestrickt. Geöffnet von 11 bis 17 Uhr.

Bardowick

Verein historische Ilmenau: Gezeigt und erklärt werden von 11 bis 18 Uhr das denkmalgeschützte Nadelwehr und die ebenfalls denkmalgeschützte Bardowicker Schleuse von 1933 sowie der Ilmenau-Ewer und das Museumsschiff „Ilmenau“.

Bitter

Elbhof 22: Kunsthandwerk und Tipps zum Restaurieren alter Häuser von 11 bis 17 Uhr.

Oldendorf

Archäologisches Museum: Feier zum 10-jährigen Bestehen ab 11 Uhr mit Einweihung einer neuen Wechselausstellung mit jungsteinzeitlichen Funden aus der Region.

Scharnebeck

St.-Marien-Kirche: Orgelführungen von 11.30 bis 17 Uhr sowie vier Kirchen- und Themenführungen um 12, 14 und 16 Uhr. Von 11.30 bis 17.30 Uhr werden in der Domäne Filme gezeigt, unter anderem zum Thema Glockenguss.