Aktuell
Home | Lokales | „Wir bringen keine Flüchtlinge in Zelten unter“
Am Vrestorfer Weg wird zurzeit unter Hochdruck die Asylbewerber-Unterkunft errichtet. Foto: t&w
Am Vrestorfer Weg wird zurzeit unter Hochdruck die Asylbewerber-Unterkunft errichtet. Foto: t&w

„Wir bringen keine Flüchtlinge in Zelten unter“

as Lüneburg. Der Zuzug von Flüchtlingen stellt die Stadt Lüneburg vor eine große Aufgabe. Nachdem 600 Menschen bereits in verschiedenen Unterkünften Platz gefunden haben, geht Oberbürgermeister Ulrich Mädge aufgrund der aktuellen Zuweisungsquote davon aus: „Bis Ende Januar 2016 werden weitere 512 Flüchtlinge ins Stadtgebiet kommen, bis Ende 2016 sind es voraussichtlich 1000.“ Im Rathaus laufen nun die Planungen dafür, welche Standorte kurz- und mittelfristig in Frage kommen und in welcher Form Unterkünfte künftig geschaffen werden sollen. Das Gesamtkonzept zur Unterbringung von Flüchtlingen ist in Arbeit und soll in der Ratssitzung am Donnerstag, 24. September, um 17 Uhr im Sitzungssaal der Feuerwehr-Mitte detailliert vorgestellt werden.

Zurzeit gibt es noch 200 Plätze in Gemeinschaftsunterkünften, mit Blick auf die Prognose müssten aber mehr als 1000 noch bis Ende 2016 geschaffen werden. Nicht nur angesichts der kommenden Wintermonate macht Mädge deutlich: „Wir werden auf keinen Fall Menschen in Zelten unterbringen.“ Um schnell reagieren zu können, sollen Flüchtlinge notfalls auch kurzfristig in Turnhallen sowie in Gebäuden von Einrichtungen untergebracht werden. Sozialdezernentin Pia Steinrücke sagt: „Wir haben bereits Gespräche mit Schulleitern geführt.“ Doch das kann und soll nur Plan B sein.

„Wir wollen weiter dezentral unterbringen. Pro Standort maximal 190 Plätze schaffen“, sagt Mädge. Weitere Gebäude in der Schlieffenkaserne anzumieten, schließe sich deshalb aus, zumal die Umnutzung der Gebäude auch mit erheblichen Kosten verbunden ist. Im Moment sei die Stadt dabei, weitere Standorte im gesamten Stadtgebiet zu identifizieren. Hier setzt Mädge auf das Entgegenkommen vor allem von Eigentümern von Grundstücken. Leider gestalteten sich die Gespräche mit manchen Grundbesitzern schwierig. „Das geht so nicht. Wir tun viel dafür, dass sich die Unterkünfte vernünftig übers Stadtgebiet verteilen“, sagt Mädge, der aber auch konsequent betont: „Ich erwarte Mitwirkung, denn niemand kann ernsthaft wollen, dass rechtliche Zwangsmittel zum Einsatz kommen.“

Die Stadt sieht sich auch vor dem Problem, dass mobile Wohnanlagen — wie es sie bisher in verschiedenen Stadtteilen gibt — inzwischen schwer zu bekommen sind. Die Lieferfristen liegen bei einem halben Jahr, die Preise dafür sind in die Höhe geschnellt. Deshalb prüfe man, ob und wo Fertigbau-Häuser errichtet werden könnten. Eine weitere Idee ist, dass Privatleute oder Investoren zum Beispiel Reihenhäuser bauen, die die Stadt dann zur Unterbringung von Flüchtlingen für fünf bis zehn Jahre anmieten würde. „Danach könnten die Eigentümer diese dann umbauen und als Wohnraum vermieten“, erläutert Mädge. Solche Projekte könnten relativ kurzfristig umgesetzt werden, weil viele baurechtliche Vorgaben dafür demnächst runtergefahren werden. Zu der Frage der LZ, ob auch eine Unterbringung in Privat-Wohnungen wünschenswert ist, sagte Mädge: „Wir freuen uns, wenn es Angebote gibt. Aber für die Erstintegration ist die Unterbringung in Gemeinschaftsunterkünften sinnvoller, da unter anderem viele Behördengänge nötig sind.“ Nach dem Anerkennungsverfahren, das bekanntlich beschleunigt werden soll, spreche nichts dagegen, dass Flüchtlinge von Privatleuten Wohnraum anmieten.

Groß ist das ehrenamtliche Engagement vieler Lüneburger, die die Flüchtlinge in den Unterkünften begleiten. Das möchte die Stadt nun bündeln durch einen hauptamtlichen Ansprechpartner. Pia Steinrücke: „Wir haben die Stelle ausgeschrieben, um Anbietern und Hilfesuchenden künftig die Wege zu erleichtern und um Angebote stärker zu vernetzen.“ Der Ansprechpartner soll in Kürze ausgewählt und dann der Öffentlichkeit vorgestellt werden. Aber auch Flüchtlinge bieten immer wieder ihre Unterstützung für Neuankömmlinge an, zum Beispiel wenn es ums Dolmetschen geht. Eingestellt werden sollen dafür nun zwei Syrier, die Arabisch, Deutsch und Englisch perfekt beherrschen. Weiter will die Stadt auch an ihrem bewährten Konzept festhalten, dass immer zwei Fachkräfte pro Unterkunft Ansprechpartner für die Bewohner und Nachbarn sind.

Die nächste Unterkunft, eine mobile Wohnanlage mit 58 Plätzen am Vrestorfer Weg, wird in der nächsten Woche fertig gestellt. Pia Steinrücke: „Am Sonnabend, 19. September, laden wir in der Zeit von 15 bis 18 Uhr zu einem Tag der offenen Tür ein. Ab Montag, 21. September, beginnt der Einzug.“

Zu weiteren Standorten in Oedeme gibt es am Donnerstag, 17. September, im Ortsrat Informationen. Dieser tagt ab 19.30 Uhr in der Mensa des Schulzentrums Oedeme.

Aus unserem Archiv:

Flucht in ein neues Zuhause + + + Mit LZplay-Video

Entwicklung Flüchtlingssituation: Lüneburg aktualisiert Planungen

500 Ungarn-Flüchtlinge in Lüchow angekommen ++ Unterbringung in Polizei-Unterkunft +++ Umfangreiche Hilfe durch Johanniter

„Wir alle, wir sehen die Boote“ — Infoabend über Flüchtlinge am Gymnasium Bleckede

Eine neue Form der Bürgerbewegung – Engagement für Flüchtlinge