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Seit Monaten wächst der Widerstand in Deutsch Evern gegen den Bau eines dritten Gleises. Doch es gibt den Silberstreif am Horizont: Diskutiert wird jetzt die überarbeitete Alpha-Variante. Diese sieht einen Verzicht auf das durchgehend dritte Gleis zwischen Lüneburg und Uelzen vor. Foto: t&w
Seit Monaten wächst der Widerstand in Deutsch Evern gegen den Bau eines dritten Gleises. Doch es gibt den Silberstreif am Horizont: Diskutiert wird jetzt die überarbeitete Alpha-Variante. Diese sieht einen Verzicht auf das durchgehend dritte Gleis zwischen Lüneburg und Uelzen vor. Foto: t&w

Alpha auf neuen Routen

pet Lüneburg. Sieht so die Zukunft für den Güterschienenverkehr im Norden aus, der für den besseren Abfluss der Güter aus den deutschen Nordseehäfen sorgen soll? Der neue Vorschlag, eine Überarbeitung der Anfang des Jahres vorgelegten „Alpha-Variante“, der am Freitag in der sechsten Sitzung des „Dialogforums Schiene Nord“ in Celle auf dem Tisch liegen dürfte: Von Hamburg aus rollt künftig ein Teil der Container über die bisher wenig befahrene Strecke Büchen-Wittenberge in Richtung Stendal, die zweigleisige Strecke Lüneburg-Uelzen wird bei Bienenbüttel durch ein Überholgleis ergänzt, Verkehr in Richtung Westdeutschland wird auf die Route Bremen-Osnabrück verlagert. Eine Erweiterung des Abschnitts Lüneburg-Uelzen durch ein drittes Gleis ist in der überarbeiteten „Alpha-Variante“ nicht mehr enthalten.

Lüneburgs Erster Kreisrat Jürgen Krumböhmer berichtete am Dienstagabend im Kreishaus vor 20 Teilnehmern des Regionalen Informationskreises über die neuesten Entwicklungen seit der fünften Sitzung des Dialogforums am 17. Juli. Schon dort hatte die „Alpha-Variante“, vorgelegt von Kirsten Lühmann, Bundestagsabgeordnete für den Wahlkreis Uelzen-Celle und Mitglied im Aufsichtsrat der Deutschen Bahn, eine große Rolle gespielt.

Anders als die meisten zuvor von der Bahn vorgelegten Varianten, verzichtete schon die ursprüngliche „Alpha-Variante“ auf neue und heftig umstrittene Trassen, etwa mitten durch die Lüneburger Heide. In ihr enthalten war aber der Ausbau der Strecke Lüneburg-Uelzen um ein drittes Gleis, was für heftigen Protest unter den Anwohnern dieser Strecke sorgte. Betroffen von der Überarbeitung der „Alpha-Variante“ wäre auch die Stadt Lüneburg, berichtete Krumböhmer: Vorgesehen sei die direkte Anbindung des Bahnhofs West an das Güterverkehrsnetz.

Statt den Güterverkehr, der Prognosen zufolge künftig weiter stark wächst, über einen einzigen Strang in Nord-Süd-Richtung laufen zu lassen, würde sich die Belastung im Falle der Umsetzung einer der beiden Alpha-Varianten auf mehrere Abschnitte verteilen. Schon die ursprüngliche „Alpha-Variante“ sah den Ausbau der Strecken Rotenburg-Verden und Nienburg-Minden sowie die Elektrifizierung des Abschnitts Uelzen-Langwedel vor. Anders als alle Neubauvarianten, die frühestens 2030 fertiggestellt sein könnten, wäre die „Alpha-Variante“ wesentlich schneller zu realisieren, hatte der Bahn-Bevollmächtigte Ulrich Bischoping schon vor acht Wochen in Celle erklärt.

Rechtzeitig vor der sechsten Sitzung des „Dialogforums Schiene Nord“ wurde nun die Überarbeitung der „Alpha-Variante“, die „Umroutung Alpha-Variante“, erstellt von der Bahn und weitergeleitet vom Niedersächsischen Verkehrsministerium, bekannt.

Schon die ursprüngliche „Alpha-Variante“ hatte in der fünften Sitzung des Dialogforums für Zustimmung unter vielen Kommunen und Bürgerinitiativen gesorgt, für die überarbeitete Variante ließen jetzt auch die Teilnehmer des Regionalen Informationskreises, allen voran Erster Kreisrat Krumböhmer, Sympathie durchblicken. Allein Christian Friedrichs, Vertreter des Verkehrsclubs Deutschland (VCD), meldete ernsthafte Bedenken an.

So müsse der zusätzliche Güterverkehr im Falle der überarbeiteten „Alpha-Variante“ in Richtung Büchen mitten durch Hamburg und dann durch dicht besiedelte Gebiete wie Hamburg-Bergedorf geführt werden. Gespannt war ein Teilnehmer des Infokreises, wie das durch die neue Variante betroffene Schleswig-Holstein darauf reagieren würde.

Interessant könnte die modifizierte „Alpha-Variante“ für die Stadt Lüneburg sein, erklärte deren Verkehrsdezernent Markus Moßmann. Bei Veränderungen am Bahnhof West könnten neue Gespräche über den Lärmschutz in diesem Bereich geführt werden. Lüneburger Forderungen an die Bahn seien: Nicht noch mehr Güterverkehr für die Stadt und das Aufrechterhalten des Haltepunktes für den schnellen Fernverkehr.

Das vom Land Niedersachsen initiierte Dialogforum Nord, an dem Vertreter aus Kommunen, Landkreisen, Verbänden, Bürgerinitiativen und Wirtschaft teilnehmen, soll bis zum November eine Empfehlung erarbeiten, welche Variante zur Y-Trasse im künftigen Bundesverkehrswegeplan angemeldet werden soll. Im Regionalen Informationskreis sollen auch die nicht am Dialogforum zugelassenen Interessierten über die neuesten Entwicklungen informiert werden und die Möglichkeit haben, ihre Ideen und Anregungen einzubringen.