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Gemeinsam leben unter einem großen Dach und miteinander Spaß haben, das finden Leo (1), Lotta (13 Monate), Lina (4) sowie Johannes und Kiene Plotzki, Gisela Thomsen, Antje Brodersen, Heiko Harlapp und Ulrike Wolters toll. Foto: t&w
Gemeinsam leben unter einem großen Dach und miteinander Spaß haben, das finden Leo (1), Lotta (13 Monate), Lina (4) sowie Johannes und Kiene Plotzki, Gisela Thomsen, Antje Brodersen, Heiko Harlapp und Ulrike Wolters toll. Foto: t&w

Erstes generationsübergreifendes Wohnprojekt in Lüneburg am Brockwinkler Weg gestartet

as Lüneburg. Elf Jahre ist es her, dass die Gruppe LeNa (das steht für Lebendige Nachbarschaft) erste Ideen für ein generationsübergreifendes Wohnprojekt sammelte. Nun ist es so weit: 54 Erwachsene und 18 Kinder leben in Gemeinschaft unter dem Dach der Wohnanlage am Brockwinkler Weg. Mit Freunden und Nachbarn wollen sie den Einzug am Sonnabend, 12. September, feiern. Die LZ schaute schon mal bei diesem Wohnprojekt vorbei, das bisher einzigartig in Lüneburg ist.

Hinter der Wohnanlage — bestehend aus drei Gebäuden — liegt unter gewaltigen Bäumen eine Fläche, auf der jetzt Rasen angelegt werden soll. Spielfeld für die ganz jungen Bewohner sind zwei Sandflächen, wo mit Eimern und Schäufelchen gewerkelt wird. „Das Lachen der Kinder und ihrer Eltern ist wunderbar, es bereichert“, sagen Gisela Thomsen (68) und Antje Brodersen (69). Für die beiden Frauen hatte lange festgestanden, dass sie generationsübergreifend wohnen möchten, „weil das Leben bedeutet“. Der erste Schritt dazu wurde 2003 getan. Eine Gruppe bildete sich nach einer Veranstaltung des Forum Gemeinschaftliches Wohnen e.V. Bundesvereinigung im Glockenhaus.  Daraus ging der Verein „Mehr Leben — Wohnprojekte Lüneburg“ hervor, zu dessen Gründungsmitgliedern Gisela Thomsen und Antje Brodersen gehörten und unter dessen Dach die Gruppe LeNa das erste generationsübergreifende Wohnprojekt entwickelte.

Ein langer Weg mit unzähligen Treffen, bei denen gemeinsam ausgelotet wurde, wie ein tragfähiges Konzept fürs Zusammenleben auf den Weg gebracht werden konnte. „2011 haben wir dann eine Genossenschaft gegründet. Im Jahr darauf — dank der Unterstützung der Stadt — ein Grundstück  von der Lüneburger Wohnungsbaugesellschaft gekauft“, erzählt Antje Brodersen. Da die Finanzierung der Wohnanlage nicht über eine gewünschte neue Genossenschaft finanziert  werden konnte, wurden die Wohnungen im Eigentum erstellt, das Grundstück jedoch genossenschaftlich finanziert und in Erbpacht an die Wohnungseigentümer abgegeben.

Planung und Ausführung erfolgte über Architektenbüros, begleitet wurde man von einer Projektentwicklungsfirma.
„Wir haben alles gemeinsam entwickelt. Überspitzt könnte man das so formulieren: Wir haben im Konsens über die Farbe der Fallrohre entschieden“, sagt Johannes Plotzki mit einem Schmunzeln, dabei haben alle von uns viel gelernt und die Gruppe ist immer mehr zusammen gewachsen. Der Naturpädagoge aus Hamburg hatte über eine Zeitungsanzeige 2012 von dem Projekt erfahren und dann zu LeNa Kontakt aufgenommen. Seine Frau und er hätten seit langem den Plan gehabt, nicht als Kleinfamilie zu leben, sondern eingebunden in einer großen Gemeinschaft. Mit ihren Kindern Leo (1) und Jonte (4) fühlen sie sich nun am Brockwinkler Weg bei diesem Wunsch angekommen, „weil das Menschliche hier trägt“. Ulrike Wolters nickt. Die 30-jährige Physikerin ist mit ihrer Familie Anfang 2013 zu dem Projekt dazugestoßen. Sie hatte sich in Hamburg für alternative Wohnformen interessiert. Ohne Erfolg. „Wir haben dann den Radius erweitert und sind schnell in Lüneburg gelandet.“ Gemeinschaftliches Wohnen hält sie für wichtig, damit Kinder in einem festen sozialen Gefüge aufwachsen. Von dem Miteinander der Generationen profitiere Jung und Alt. „Die Mischung und die gegenseitige Wertschätzung machts“, sind sich die junge Frau, Johannes Plotzki, Antje Brodersen und Gisela Thomsen einig.

36 Wohnungen sind in der Anlage entstanden, 50 bis 120 Quadratmeter groß. Dazu ein lichtdurchfluteter Gemeinschaftsraum mit Küche, Sanitärräumen und Büro für die Selbstverwaltung. Vieles hat man in Eigenleistung umgesetzt, es wurde zum Beispiel gemalert, eine Klingel- und Briefkastenanlage selbst gebaut, die Außenanlagen sollen gemeinsam gestaltet werden. „Das Schöne ist, dass hier alle unterschiedliche Kompetenzen einbringen, die dann zusammenfließen“, so Gisela Thomsen, die aber auch deutlich macht: „Wer sich für ein solches Wohnprojekt starkmacht, muss auch kompromissfähig sein.“ Alle 14 Tage tagt das Plenum, jeden Sonntag treffen sich Erwachsene und Kinder zum Abendessen und Plausch — bei gutem Wetter im Garten oder nun auch im Gemeinschaftsraum.

Wichtig ist den Aktiven ein ressourcenschonender Umgang. Viele nutzen das Rad oder Carsharing, Cambio hat vor der Anlage einen öffentlichen Stellplatz eingerichtet. Außerdem gibt es eine privat organisierte Auto-Nutzung. Plotzki sagt: „Weniger Ressourcen verbrauchen, heißt teilen. Dazu gehört auch die gemeinsame Nutzung unserer Metall- und Holzwerkstatt.“ Die Gruppe will eine Food-Coop auf den Weg bringen. Biologisch angebautes Gemüse, Obst und Getreide werden dann direkt beim Erzeuger eingekauft, in einem Raum im Keller gelagert und verkauft.

Das Miteinander hört aber nicht am Gartenzaun auf. „Wir wünschen uns einen intensiven  Austausch mit unseren Nachbarn und allen, die im Stadtteil leben“, macht Antje Brodersen deutlich. Dazu soll auch ein Tag der offenen Tür beitragen, der für das kommende Frühjahr geplant ist. 

Informationen unter: www.lena-lueneburg.de

2 Kommentare

  1. Tut mir Leid, aber bisher ist es das reinste Chaos. Es ist im Brockwinklerweg sowieso schon schwer bis zum Neubaugebiet Brockwinkel durchzukommen. Die Straße ist meistens zugeparkt.

    Mittlerweile kann man kaum noch erkennen ob der dunkle Schatten in der Ferne ein stehendes oder ein fahrendes Auto ist. Zumal der Bürgersteig nicht einmal beleuchtet ist. Geschweige denn das man im Dunkeln überhaupt noch die Einfahrt zum dahinterliegenden Baugebiet findet.

    Das erste was mir allerdings auffiel war das gelbe Anti-Castor Kreuz oben an einem der Fenster. Ein toller erster Eindruck…

    • Was ist falsch am Widerstand gegen Atomkraft/ Atommüll?? Selbst Frau Merkel hat den Atomausstieg eingeläutet – verantwortlich für den Müll sind wir doch alle. Und wir sind vor allem auch Demokraten, die ihre Meinung nach außen tragen dürfen!
      Uns LeNas tut es Leid, dass die Bauphase nicht eben in ein paar Wochen beendet werden konnte.
      Ganz schnell werden unsere Parkplätze (Anzahl: gesetzeskonform!) aber fertig und von uns besetzt werden.
      Die Autos der Anwohner können dann – hoffentlich nicht mehr so rasant wie bisher – ohne Schwierigkeiten ihr Zuhause erreichen oder an ihr Ziel gelangen.