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Eine abgestorbene Esche ist bereits am Eitzener Kirchsteig umgestürzt. Die lichten Kronen der vom Pilz befallenen Bäume zeigt Revierleiter Karsten Lührs (r.) dem regionalen Sprecher der Niedersächsischen Landesforsten, Reiner Baumgart. Foto: t&w
Eine abgestorbene Esche ist bereits am Eitzener Kirchsteig umgestürzt. Die lichten Kronen der vom Pilz befallenen Bäume zeigt Revierleiter Karsten Lührs (r.) dem regionalen Sprecher der Niedersächsischen Landesforsten, Reiner Baumgart. Foto: t&w

Gemeiner Pilz schlaucht Eschen

emi Grünhagen. Der Name klingt harmlos, doch seine Wirkung ist verheerend: Das „Falsche Weiße Stengelbecherchen“ bedroht den Eschenbestand in weiten Teilen Europas. Auch in der Region Lüneburg setzt der mikroskopisch kleine Schlauchpilz, dessen Sporen durch den Wind verbreitet werden, den Laubbäumen zu. Die Förster sind alarmiert — und dennoch machtlos.

„Wir müssen davon ausgehen, dass wir in Zukunft keine Eschen mehr in unseren Wäldern vorfinden werden“, sagt Karsten Lührs, Revierleiter der zuständigen Försterei Bobenwald. Im Oktober werden im Naturschutzgebiet Forellenbachtal bei Grünhagen 20 absterbende und tote Eschen gefällt. Denn schon beim nächsten Sturm könnten die bis zu 30 Meter hohen Bäume umstürzen — und Spaziergänger am Eitzener Kirchsteig erschlagen.

Die Sporen der asiatischen Pilzart befallen zunächst die Blätter, die sich daraufhin braun verfärben und verwelken. Von dort aus gelangt der Pilz in die Triebe. Die Krone wird lichter. Weitere Holzfäulepilze und Insekten lassen die geschwächten Bäume schnell absterben. „Wir erkennen die Erkrankung daran, dass das Totholz zunimmt und die Belaubung zurückgeht“, erklärt Lührs.

Aufhalten lässt sich die Entwicklung nicht. „Die Bekämpfung mit chemischen Mitteln wäre ein Riesenaufwand“, so der Revierleiter. „Der Pilz sitzt auch im Wurzelwerk, an den Boden kommen wir nicht ran.“ So bleibt den Männern nur die Sicherung der Wanderstrecke zwischen Grünhagen und Eitzen I in Absprache mit der Naturschutzbehörde. Am Eitzener Kirchsteig wird dann im Auftrag der Gemeinde Bienenbüttel auch die Brücke repariert.

„Die gefällten Bäume überlassen wir am Südrand des Naturwaldes als liegendes Totholz dem natürlichen Zerfall“, erklärt der Revierförster die Vorgaben der Naturwaldforschung. Der Naturwald Forellenbachtal südlich von Grünhagen ist eines von 106 Naturwaldreservaten in Niedersachsen. In dem fast 38 Hektar großen Waldstück — das entspricht etwa 50 Fußballfeldern — wird auf Nutzung und Pflege verzichtet, damit eine durch menschliche Eingriffe ungestörte Entwicklung ablaufen kann.

Weil im Kernbereich des Waldes Baumfällungen aus naturschutzrechtlichen Gründen nicht möglich sind, aber dennoch Lebensgefahr durch umstürzende Eschen besteht, wird ein 700 Meter nördlich des Eitzener Kirchsteigs gelegener Pfad künftig nicht mehr nutzbar sein. Dort wird die baufällig gewordene Brücke entfernt, rote Warnschilder werden über Gefahren und Einschränkungen informieren.

An allen Standorten, auf deren feuchten und nährstoffreichen Böden Eschen gedeihen, greift derzeit das „Falsche Weiße Stengelbecherchen“ um sich. Vereinzelt bleiben zwar einige besonders robuste Eschen stehen, doch die große Mehrheit stirbt.

Eine ähnliche Entwicklung war schon einmal zwischen den 1960er- und 1980er-Jahren zu beobachten gewesen. Damals raffte eine durch einen Schlauchpilz verursachte und durch Käfer verbreitete Krankheit unzählige Ulmen dahin. Nun ist eine weitere Baumart vom Aussterben bedroht. „Der Artenreichtum wird geringer, die Natur eintöniger“, bedauert Karsten Lührs. Und auch mit dem Nachschub für Parkett, Möbel oder Werkzeugteile wird es zunehmend enger.