Aktuell
Home | Lokales | Energie aus der Tiefe
Zwei Bohrungen sind erforderlich, um Wärme aus Blockheizkraftwerken oder anderen Anlagen zur Wärmeerzeugung unterirdisch zu speichern und bei Bedarf wieder abzurufen. Die schematische Darstellung verdeutlicht auch die Beschaffenheit der geologischen Formationen in Lüneburg im Bereich der Leuphana. Grafik: meiferts
Zwei Bohrungen sind erforderlich, um Wärme aus Blockheizkraftwerken oder anderen Anlagen zur Wärmeerzeugung unterirdisch zu speichern und bei Bedarf wieder abzurufen. Die schematische Darstellung verdeutlicht auch die Beschaffenheit der geologischen Formationen in Lüneburg im Bereich der Leuphana. Grafik: meiferts

Energie aus der Tiefe

us Lüneburg. Lüneburg ist für die hohe Qualität seines Trinkwassers bekannt. Doch in den geologischen Formationen unterhalb der Stadt schlummert offenbar noch ein weiterer Schatz: In rund 400 Meter Tiefe gibt es einen Grundwasserleiter, der sich nach Erkenntnissen der Leuphana Universität als Wärmespeicher eignet und so zu einer effizienteren Nutzung von Energieträgern beitragen könnte. Die SPD-Stadtratsfraktion möchte nun wissen, ob die Stadt ein solches Vorhaben grundsätzlich unterstützen würde und hat dazu für den kommenden Umweltausschuss am 15. September eine entsprechende Anfrage an die Verwaltung gerichtet.

„Der Wirkungsgrad von Anlagen zur Kraft-Wärme-Kopplung könnte mit einem saisonalen Wärmespeicher deutlich gesteigert werden“, sind Prof. Dr. Wolfgang Ruck und Dr. Olaf Opel von der Leuphana Universität überzeugt. Beide arbeiten seit längerem an dem Konzept, mit dem Grundwasser als Speichermedium für Wärme aus Kraft-Wärme-Kopplung (KWK), Biogasanlagen oder auch Abwärme aus der Industrieproduktion genutzt werden soll. KWK wird in Lüneburg unter anderem in den Blockheizkraftwerken auf dem Leuphana-Gelände und im Hanseviertel eingesetzt. Doch der aktuell niedrige Strompreis führe dazu, dass diese Anlagen in den warmen Monaten nicht betrieben werden, der Zukauf von Strom sei derzeit günstiger als dessen Erzeugung in KWK-Anlagen, erklärt Dr. Opel. „Mit einem saisonalen Wärmespeicher kann die dabei miterzeugte Wärme aber zwischengespeichert und wieder abgerufen werden, sobald sie benötigt wird. Dadurch würde sich der Betrieb eines Blockheizkraftwerks dann auch wieder rechnen“, erläutert Prof. Ruck.

Als Speichermedium haben die Wissenschaftler ein sogenanntes Salzwasseraquifer, einen Grundwasserleiter eines urzeitlichen Meeres aus der Zeit des Obereözens in einer Tiefe von 350 bis 400 Meter ausgemacht. Zwei Bohrungen sollen in die aus porösem Buntsandstein bestehende Schicht eingebracht werden, „eine warme und eine kalte“, wie Prof. Ruck erläutert. Die vorübergehend nicht benötigte Wärme, 90 Grad heißes Wasser aus der KWK, soll in das rund 25 Grad warme Aquifer eingebracht und bei Bedarf wieder hochgepumpt werden.

Dass dabei der für Lüneburg nicht unbedeutende Trinkwasserleiter durchbohrt werden muss, ist nach Ansicht der Wissenschaftler kein Problem. „Natürlich muss dabei sorgfältig gearbeitet und abgedichtet werden“, sagt Prof. Ruck, für die in Frage kommenden Unternehmen sei das aber keine Hürde. Selbst bei einer Verletzung der rund 150 Meter dicken, Wasser undurchlässigen Trennschicht zwischen den beiden Aquiferen sei das Trinkwasser nicht gefährdet. Auf beiden Grundwasserleitern liege atmosphärischer Druck, das Trinkwasser würde deshalb in den darunter liegenden Salzwasserleiter gleiten, ist Prof. Ruck überzeugt.

Laut Machbarkeitsstudie der Leuphana muss mit Kosten in Höhe von vier Millionen Euro gerechnet werden. Rund 80 Prozent davon könnten als Fördermittel vom Bund kommen, den Rest sollte nach Ansicht von SPD-Ratsmitglied Eugen Srugis ein kommunales Unternehmen beisteuern, das auch Betreiber der Anlage werden könnte. „Ich denke da beispielsweise an die AGL oder die Lüwobau“, sagt Srugis, der die Anfrage eingereicht hat. Von der Stadt möchte er zudem wissen, ob auch nutzbare Abwärmemengen lokaler Industriebetriebe bekannt sind. „Auch dies würde die Wirtschaftlichkeit der Anlage erhöhen“, erklärt Wissenschaftler Ruck.

One comment

  1. Großartige Idee, alles kein Problem für die beteiligten Unternehmen. Hat man in Stauffen im Breisgau, Baden-Württemberg, auch gedacht, bei einem Geothermie-Projekt mit ganz ganz problemlosen Bohrungen. Die Altstadt dort ist jetzt dabei auseinanderzubröckeln, s. https://de.wikipedia.org/wiki/Hebungsrisse_in_Staufen_im_Breisgau.